Forchheim

Nein zur Kultur im Industriegebiet

Eine Veranstaltungshalle im Gebiet Breitweidig gibt es schon. Eine Zweite haben die Forchheimer Stadträte am Montag verhindert.
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In unmittelbarer Nähe zur Volksbank-Event-Halle hätte eine zweite Mehrzweckhalle entstehen können. Doch der Bauausschuss lehnte das ab. Foto: Ekkeahrd Roepert
In unmittelbarer Nähe zur Volksbank-Event-Halle hätte eine zweite Mehrzweckhalle entstehen können. Doch der Bauausschuss lehnte das ab. Foto: Ekkeahrd Roepert
Ekkehard Roepert

Forchheim — Die Jahnhalle wird es ab 2019 nicht mehr geben. Das Rathaus ist auf Jahre hinaus geschlossen. Die Pläne für ein Kulturzentrum Kolpingshaus stehen in den Sternen. Vor diesem Hintergrund schien der Bau einer Veranstaltungshalle sinnvoll. Dennoch haben sich die Stadträte am Montag gegen den Bau einer Mehrzweckhalle im Stadtsüden entschlossen.
Den Bauantrag hatte der Forchheimer Marco Hocke gestellt. Er ist Veranstaltungsmeister und betreibt die Firma M+M Licht Ton AV. Als "Dienstleister für darstellende Kunst" ist Hocke in Hallen in ganz Europa unterwegs - und sorgt für den guten Ton bei Kindergeburtstagen genauso wie bei Open-Air-Konzerten mit 20 000 Besuchern.
Doch aus seinem Plan, im Industriegebiet Breitweidig eine Mehrzweckhalle zu bauen, wird nichts. 55 Meter lang und 25 Meter breit hatte Hocke die Halle im Stadtsüden geplant. Nach der knappen Ablehnung im Bauausschuss wird der Bauwerber nun lediglich ein Gebäude mit Lagerräumen und Büros bauen, das nur noch etwa halb so groß ausfällt wie geplant.
Wie Stefan Schelter, der Chef des Bauordnungsamtes den Stadträten erläuterte, sei eine "kulturelle Nutzung" im Industriegebiet möglich - aber nur ausnahmsweise. Die "Konfliktpotenziale" zwischen Gewerbe- und Kulturtreibenden müssten beachtet werden.
Doch Stadtrat Philipp Blümlein (JB) zum Beispiel, der selbst eine Firma im Gebiet Breitweidig betreibt, betonte: "Die Eventhalle der Volksbank ist auch da. Folglich können wir dem jetzigen Werber nicht absagen." Ähnlich argumentierte Markus Schmidt (CSU): "Vielleicht waren wir bei der Genehmigung der Eventhalle zu blauäugig. Aber was wir dem einem zugestehen, müssen wir auch beim anderen billigen."
Doch Manfred Mauser (FBF) erinnerte daran, dass das Industriegebiet für Arbeitsplätze gedacht sei. "Der Bebauungsplan ist noch nicht alt, warum sollten wir ihn schon wieder ändern." Auch Heike Schade (FGL) pochte darauf: "Das ist ein Gewerbegebiet." Die Kultur solle in jenen Räumen stattfinden, die die Stadt künftig im Rathaus und im Kolpinghaus bereitstelle.
Obwohl Bauwerber Hocke versicherte, ausreichend Parkplätze (79) zur Verfügung zu stellen; und obwohl Erwin Held (FW) und Sebastian Körber (FDP) erneut den "Gleichheitsgrundsatz" betonten, setzten sich am Ende die Bedenken durch. Holger Lehnard (CSU) und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) betonten, dass das Bauprojekt ohne Eventhalle sofort entstehen könne.
Doch Marco Hocke meinte, als Veranstaltungsmeister benötige er "auch eine Veranstaltungshalle". Um nicht später scheibchenweise nachlegen zu müssen, habe er gleich "das Maximum geplant" - eine Halle für bis zu 500 Besucher, die der Versammlungsstättenverordnung entspreche. Er benötige diese Halle für Showprogrammierungen; für Abschiedskonzerte seiner Schüler; oder für das Proben jener Künstler, die in Forchheim "ihre Tour vorbereiten".
Thomas Werner (CSU) empfand das "innovative Konzept" als passend "für ein wachsendes Forchheim". Doch die 14 Räte und der Oberbürgermeister entschieden sich, nachdem sie sich mit 22 Wortbeiträgen an dem Thema abgearbeitet hatten, mit 8:7 Stimmen dagegen.
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