Bad Staffelstein
Unser Thema der Woche // Verantwortung

Naturschutz geht uns alle an

Welche Verantwortung haben Jäger für die Tiere? Sie versuchen einen Gesamtblick auf Wald und Flur zu haben ohne jegliche Ideologie - das unterstreichen Michael Hagel und Bernhard Kasper im Redaktionsgespräch.
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Matthias einwag Welches Image haben Jäger heute? Welchen Stellenwert misst die moderne Gesellschaft dem Waidwerk zu? Denken die Menschen, die ihren Schinken in Plastikfolie verpackt im Supermarkt einkaufen, noch darüber nach, dass ein Tier getötet werden muss, wenn man Fleisch essen? Über die ethische Verantwortung der Jäger den Tieren gegenüber sprachen wir mit Michael Hagel, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Bad Staffelstein des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), und mit Jäger Bernhard Kasper.

Die Reputation der Jäger sank

Die Menschen früherer Generationen hätten ein Interesse daran, immer genügend Tiere am Leben zu lassen, um Fleisch zu haben. Sie seien daran interessiert gewesen, dass die Jagd einen Wert hat, sagt der einstige Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Kasper, der seit Jahrzehnten passionierter Jäger ist. Der Stellenwert der Jagd sei früher höher gewesen. Heute, stimmt ihm Michael Hagel zu, seien Jäger geradezu degradiert zu Schädlingsbekämpfern.

Anfang der 1960er-Jahre habe eine völlig andere Situation bestanden, beschreibt Bernhard Kasper die gesellschaftliche Entwicklung. "Ein Jäger war eine Person, die sich ums freilebende Wild kümmerte." Das Wildbret wurde damals gern von den Verbrauchern angenommen. Heute sei es hingegen so, dass die Jäger Probleme haben, das Fleisch loszuwerden und dass es in Folie eingeschweißt sein müsse. Zu jener Zeit habe es im Raum Ebensfeld zwei bis drei Treibjagden jährlich gegeben, bei denen jeweils rund 200 Hasen geschossen wurden. Wenn heute bei einer Treibjagd 30 Hasen erlegt würden, seien diese nur schwer verkäuflich. Michael Hagel: "Unsere Gesellschaft von heute lässt töten, blendet aber den Tod für sich aus."

"Der Jäger hat eine Pflicht zur Hege und Pflege", sagt Michael Hagel. "Wenn das Wild nicht da ist, müssen wir es auch nicht jagen - aber wir wollen das, was da ist, in vernünftigem Rahmen jagdlich nutzen." Wichtig sei der schnelle Tod eines Tieres. Jeder Jäger müsse sichere Waffen und eine gute Ausbildung haben; und er sei mit seinem Revier vertraut: "Die besten Kenntnisse über eine Fläche hat ein Jäger."

Gesamtblick auf Wald und Flur

Ein Jäger, fährt Hagel fort, kümmere sich um alles: "Wir schützen Tiere, die bedroht sind, wir jagen keine Rebhühner und Fasane, wir halten die Schäden am Wald gering und wir versuchen einen Gesamtblick darauf zu werfen ohne eine Ideologie."

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Jägerschaft verändert, ergänzt Bernhard Kasper, "sie rekrutiert sich nicht mehr aus den oberen Zehntausend". Es gehe nicht ums Abknallen möglichst vieler Hirsche oder Rehböcke, um die Wände der Schlösser mit Trophäen zu schmücken: "Wir sprechen das Wild ordentlich an, achten auf die Schonzeiten, respektieren Muttertiere und wenn wir schießen, muss es ein sauberer Schuss sein, der tötet und nicht verletzt."

Wanderer haben Verantwortung

Im Interesse des Wildes, sagt Bernhard Kasper, wäre es wichtig, die Freizeitnutzung des Waldes zu vermindern und die Waldbesucher zu lenken, um Ruheräume für das Wild zu schaffen. Das wahllose und bedenkenlose Besuchen des Waldes und das Ausweisen zu vieler Wanderwege sei für die Tiere ein Stressfaktor: "Muss denn jeder in jede Dickung reinlaufen?" Bernhard Kasper unterstreicht: "Verantwortung haben auch die Konsumenten und die Naturbesucher." Michael Hagel ergänzt: "Der Mensch nimmt sich immer mehr Raum und gibt die Schuld den Tieren."

Bernhard Kasper sieht es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Natur zu schützen. Die verschiedenen Akteure - Jäger, Grundeigentümer, aber auch Wanderer und Mountainbiker - seien gefordert, gemeinsam zu agieren: "Ein Gespräch miteinander hat mehr Erfolg als auf einer Forderung zu beharren, die nicht durchsetzbar ist."

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