Königsberg in Bayern

Natur lässt den Stress verschwinden

Die beiden Holzhausener Inge und Manfred Wagner radelten durch Norwegen, Schweden und Finnland, und bald geht es weiter.
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Im Sommer bleibt es auch um Mitternacht noch hell. Das ist eine Besonderheit in den skandinavischen Ländern.  Fotos: Manfred und Inge Wagner
Im Sommer bleibt es auch um Mitternacht noch hell. Das ist eine Besonderheit in den skandinavischen Ländern. Fotos: Manfred und Inge Wagner
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Bei ihrer 2500-Kilometer-Radtour durch Skandinavien hatten Inge und Manfred Wagner aus Holzhausen (Stadt Königsberg) ständig mit zwei Handicaps zu kämpfen: Zum einen bescherte ihnen unbeständiges Wetter einen abwechslungsreichen Mix aus Regen, Kälte, Wind und Sonne. Zum anderen gab es dauernd ungebetene und unangenehme Begleitung: Unzählige aggressive Stechmücken machten den passionierten Radlern das Leben schwer. Trotzdem ziehen die beiden 64-Jährigen eine positive Bilanz ihrer Reise. Eine Bilderbuch-Landschaft, meist unberührte Natur und wunderschöne Zeltplätze in der freien Natur - oft an Badeseen mit einer einfachen Toilette, Schutzhütte, Grillplatz, Tisch und Bank entschädigten für die Unannehmlichkeiten.

Mit einem Fernbus gelangten die Wagners nach Oslo zum Startpunkt. Am Busbahnhof in der norwegischen Hauptstadt erleben sie die erste Überraschung: Um auf die Toilette gehen zu können, brauchten sie eine Kreditkarte. Davon wurden ihnen dann zwei Euro abgebucht. Rasch erkannten die Globetrotter, dass man in ganz Skandinavien so gut wie kein Bargeld braucht, weil es üblich ist, auch Kleinbeträge mit EC- oder Kreditkarte zu bezahlen.

Das Preisniveau liegt ein gutes Stück über dem hiesigen. Weil die Radbegeisterten fast täglich ihr Zelt aufstellten, hielt sich ihr Reisebudget aber in Grenzen.

Das sogenannte Jedermannsrecht erlaubt es Reisenden ganz offiziell, eine Nacht "in freier Wildbahn" zu übernachten, vorausgesetzt, man befindet sich auf öffentlichem Grund, stört niemanden und verlässt den Platz in dem Zustand, wie man ihn vorgefunden hat.

Mit ihren Reiserädern - ohne Pedelec - radelten die Traveller über die höchstgelegene Straße Schwedens. Jenseits der Baumgrenze pfiff ihnen ein kalter Wind um die Ohren und sie sahen etliche Rentiere.

Die beeindruckenden Hirsche leben in umherziehenden Herden in Skandinavien. Jedes Jahr gibt es zahlreiche Kollisionen mit Autos.

Jedoch ließen sich die ebenfalls weit verbreiteten Elche nicht blicken. Das stürmische Wetter sorgte dafür, dass es hier keine der ansonsten allgegenwärtigen Stechmücken gab.

Abgesehen von dieser Hochebene aber setzten die Plagegeister den zwei Globetrottern ganz schön zu. Dass die Moskitos massenhaft auftreten, verwundert nicht, ist doch die ganze Region ein riesiges Feuchtgebiet mit unzähligen Seen, Mooren und Sümpfen. Gegen die nervtötenden Insekten setzten die Franken ein Moskitonetz und manchmal auch die chemische Keule in Form von Mückensprays und Räucherspiralen ein.

Sauberes Wasser findet sich überall, die Radler bedienten sich auch an fließenden Bächen und klaren Seen. Und etliche Male landeten abends am Lagerfeuer leckere Birkenpilze in der Pfanne und bereicherten so den Speiseplan. Für die Beerensaison war es allerdings zu früh. Erst im Spätsommer kann man hier Heidelbeeren, Preiselbeeren und die selteneren Moltobeeren sammeln. Als die Königsberger später im Zelt in ihren Schlafsack krochen, mussten sie sich daran gewöhnen, dass es auch nachts taghell bleibt.

Bei Östersund bewunderten sie den sogenannten Runenstein auf der Insel Frösön. Er ist fast 1000 Jahre alt. Es handelt sich dabei nicht um einen Grab-, sondern um einen Abstammungsstein. Zu sehen sind das typische Schlangenband und ein Kreuz, das an die Christianisierung Jämtlands erinnert.

Einige Male trafen sie auf Menschen, die hierher ausgewandert sind. Ein Rentner aus der Schweiz, den es hierher verschlagen hat, erzählte ihnen begeistert, wie gut es ihm gefällt. Er genießt das ruhige und beschauliche Leben; fast täglich geht er in die Natur zum Angeln.

Im Winter, wenn es 30 Grad unter Null hat, der Schnee einen Meter hoch liegt und die Sonne sich nie blicken lässt, geht er mit Schneeschuhen hinaus und bewundert nachts die über den Himmel wabernden Polarlichter. "Ich weiß jetzt, wo ich hingehöre. Stress", sagt der Schweizer, "das gibt es für mich nicht mehr. In der Ruhe liegt die Kraft."

Ganz ähnlich äußerte sich eine etwa 50-jährige Frau aus Holland. Sie hat sich einen Kindheitstraum verwirklicht und betreibt ein eigenes kleines Café.

Dass an Manfred Wagners Rad eine Speiche brach und einige Tage später die Kette riss, erwies sich für die Vielgereisten als lösbares Problem. Solche Pannen können sie selber beheben.

Von der finnischen Hauptstadt Helsinki aus traten die Franken die Heimreise an. Sie investierten einige Tage und verzichteten auf einen Flug. Mit Fähre, Bus und Zug gelangten sie zurück in die Heimat.

Im nächsten Jahr wollen sie die Tour fortsetzen und zum Nordkap radeln. Falls jemand Interesse hat, sich anzuschließen, darf er sich bei den Wagners in Holzhausen melden. mw

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