Gleisenau

Nachdenkliches zum Abschied

Pfarrer Volkmar Gregori hielt seine letzte Predigt in der evangelischen Kirchengemeinde Gleisenau.
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Dekanin Stefanie Ott-Frühwald (Mitte) entpflichtete Pfarrer Volkmar Gregori. Rechts steht Ehefrau Roswitha Gregori.  Foto: Günther Geiling
Dekanin Stefanie Ott-Frühwald (Mitte) entpflichtete Pfarrer Volkmar Gregori. Rechts steht Ehefrau Roswitha Gregori. Foto: Günther Geiling

"Sie sind vor fünf Jahren ins Pfarramt nach Gleise-nau gekommen, haben seit dieser Zeit viel angestoßen und bewegt und waren mit Leib und Seele Pfarrer. Der Gottesdienst war für Sie das Zentrum und mit besonderer Freude haben Sie Ihre Predigten vorbereitet." Dies betonte Dekanin Stefanie Ott-Frühwald bei der Entpflichtung von Pfarrer Volkmar Gregori vor zahlreichen Ehrengästen sowie Gemeindemitgliedern beim Festnachmittag in der Kirche. Volkmar Gregori geht in den Ruhestand und wurde nun von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde verabschiedet.

Ein Festzug bewegte sich mit den Ehrengästen in Gleisenau vom Pfarrhaus zur Kirche. Darunter waren mehr als 30 evangelische Pfarrerinnen, Pfarrer und Dekane, katholische Priester sowie einheimische Gläubige und zahlreiche Gäste aus den früheren Kirchengemeinden Ludwigsstadt, Tauperlitz, Hof und Aschaffenburg. Der Kirchenchor, der Posaunenchor Gleise-nau und Ingbert Sollmann an der Orgel sorgten für die musikalische Umrahmung.

Gregori hatte seinen Dienst in der evangelisch-lutherischen Kirche Bayern am 1. Mai 1979 begonnen. 2014 ist er nach Gleisenau gekommen. Er habe von Anfang an gespürt, dass er hier willkommen sei und in vier Kirchen aufmerksame und sangesfreudige Predigthörer und Gottesdienstbesucher vorfand, lobte der scheidende Pfarrer.

"Höhepunkte der Gleisenauer Jahren waren neben den Gottesdiensten die Gemeindeseminare und Glaubenskurse. Unvergesslich sind die Fülle und die Unterschiedlichkeit all dessen, was wir 2017 im Rahmen des Jubiläums 500 Jahre Reformation unternommen haben." Er blickte auch auf das Heute und darauf, wie sich das Leben, das Land und die Kirchen verändert haben. "Wir sind eine reiche Kirche und haben Kirchengebäude, die in aller Regel bestens erhalten sind, und Gemeindezentren, in denen wir uns begegnen können. Trotz allem ist aber zu beobachten, dass der religiöse Grundwasserspiegel merklich gesunken ist. Wir haben einiges an christlicher Substanz verloren. Das europäische Haus hat ein christliches Fundament, ist christlich möbliert und ausgestattet. Wer aber genauer hinschaut, entdeckt Risse. Viele Menschen, vor allem in den Städten, haben in diesen 40 Jahren der Kirche den Rücken gekehrt", bedauerte er. Bei der Frage nach den Gründen werde oft die Kirchensteuer genannt, aber auch, dass man zwei Generationen im Frieden lebe und die Kirche nicht brauche. Man lebe im Wohlstand - wozu dann noch Gott und Kirche?

Bei seinem Blick auf "Morgen" ist in ihm, wie er sagte, eine dreifache Überzeugungskraft gereift: "Die Musik spielt in den Gemeinden, das Zentrum des Gemeindelebens ist der Gottesdienst und die Herzkammer des Gottesdienstes ist Jesus Christus." Er bat alle, sich dafür einzusetzen, dass den Kirchengemeinden nicht noch mehr Luft zum Leben genommen werde. "Die Kirche der Verwaltung hat derzeit die Nase vorn, wie mir scheint. Die Kirche der Verkündigung und der Begegnung hat dabei das Nachsehen", sagte er.

Dekanin Stefanie Ott-Frühwald nahm die Entpflichtung von Pfarrer Volkmar Gregori vor mit den Worten, dass nun für ihn eine neue Lebensphase eintrete. Er bleibe aber ordinierter Pfarrer der Kirche und dazu berufen, zu predigen, zu taufen und die Feier des heiligen Abendmahls zu leiten. "Du bist aber nun frei von den dienstlichen Pflichten in dieser Gemeinde", sagte die Dekanin des Dekanates Bamberg.

Die Ökumene gestärkt

Stellvertretender Landrat Oskar Ebert bescheinigte Gregori, dass ihm die Ökumene ein wichtiges Anliegen gewesen. Er sei ein Seelsorger, der auf die Menschen zugegangen ist.

"Ich danke Ihnen für fünf Jahre segensreichen Wirkens in unserer Gemeinde. Sie haben sich großes Vertrauen in der Pfarrei Gleisenau erworben", betonte der Ebelsbacher Bürgermeister Walter Ziegler.

Der katholische Pfarrer Mathias Rusin und die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Reinwand betonten, dass man an der ökumenischen Front zusammengearbeitet und sich gegenseitig schätzen gelernt habe. Das Lutherjahr habe zu ökumenischen Glanz- und Berührungspunkten geführt. Reinwand stellte auch die Geselligkeit von Pfarrer Gregori und seiner Frau heraus - und als "Kirchenmaus" im Fasching werde sie beide sicherlich vermissen.

Vertrauensfrau Silka Dörr bedankte sich namens des Kirchenvorstandes für eine souveräne Arbeit in der Kirchengemeinde. Sie wünschte dem Ehepaar Gregori für den neuen Lebensabschnitt viel Freude mit den Enkeln sowie schöne Lauf- und Wanderstrecken. gg

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