Haßfurt

Nachbarin notiert Schwarzfahrten

Ein 40-Jähriger aus dem nordöstlichen Landkreis Haßberge steht vor dem Amtsgericht Haßfurt, weil er rund 100 Mal ohne gültigen Führerschein gefahren sein soll. Sein peruanischer Führerschein ist in Deutschland nicht anerkannt.
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92 Schwarzfahrten wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten momentan vor. Dieser bestreitet aber auf jeden Fall die Fahrten im August 2018, zu deren Zeitpunkt er gar nicht vor Ort gewesen sein will. Ein Gutachten soll das nun klären. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
92 Schwarzfahrten wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten momentan vor. Dieser bestreitet aber auf jeden Fall die Fahrten im August 2018, zu deren Zeitpunkt er gar nicht vor Ort gewesen sein will. Ein Gutachten soll das nun klären. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Weil er laut Anklage der Staatsanwaltschaft 101-mal ohne gültige Fahrerlaubnis mit einem Auto gefahren ist, musste sich am Freitag ein 40-jähriger Kfz-Mechaniker aus dem nordöstlichen Landkreis Haßberge am Amtsgericht Haßfurt verantworten. Er wurde mit Fuß- und Handketten aus der Justizvollzugsanstalt in Kronach von zwei Polizeibeamten vorgeführt.

Auf der Anklagebank bot er der Richterin Ilona Conver an, ein Geständnis abzulegen, wenn die Vorsitzende dafür im Gegenzug den Haftbefehl aufhebt. Doch Conver ließ sich auf den Deal nicht ein und verwies auf das Gesetz.

"Das ist doch ein Witz!", entgegnete ihr der uneinsichtige Angeklagte, der daraufhin keine Angaben machte. Sein Verteidiger Willy Marquardt erklärte, dass sein Mandant davon ausgegangen sei, dass er fahrberechtigt sei.

Tatsächlich stellte sich aber im Laufe der Verhandlung heraus, dass der 40-Jährige nur einen peruanischen Führerschein hat, der in Deutschland jedoch nicht anerkannt ist. Seinen deutschen Führerschein hatte er schon im Jahr 2004 abgeben müssen.

Der Verteidiger führte außerdem an, dass mehrere Fahrten doppelt angeklagt seien. Deshalb reduzierte das Gericht die Anklage auf 92 Fahrten.

Nachbarin hatte Fahrten notiert

Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten das schlechte Verhältnis zu einer Nachbarin, die die Schwarzfahrten schriftlich dokumentierte und die geführten Listen der Polizei übergab. Der Angeklagte habe unterschiedliche Fahrzeuge meist älterer Bauart gefahren, gab sie vor Gericht zu Protokoll.

Ein Auslöser für das schlechte nachbarliche Verhältnis sei gewesen, dass die zwei Doggen des Angeklagten ihren Hund angegriffen hätten. Doch den 40-Jährigen hätte das nicht im Geringsten interessiert. Seitdem sei "der Ofen aus", sagte die Nachbarin im Zeugenstand.

Laut Anklageschrift fuhr der Angeklagte auch mehrmals im August 2018 schwarz. Doch zu den angeklagten Zeitpunkten sei er überhaupt nicht vor Ort gewesen, sagte der Angeklagte. Ein Gutachten soll diese Behauptung untermauern, weshalb die Hauptverhandlung unterbrochen wurde und mehrere Zeugen ungehört entlassen werden mussten.

Haftbefehl aufrechterhalten

Außerdem ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger den Antrag stellen, den Haftbefehl aufzuheben, da er sich in ärztliche Behandlung begeben müsse und durch die bisherige Haft "nachhaltig beeindruckt und geläutert" sei.

Der Staatsanwalt lehnte den Antrag jedoch ab. Denn der Angeklagte habe sich schon einmal nach Spanien abgesetzt, um einer Inhaftierung zu entgehen. Bei einer weiteren Festnahme habe er zudem versucht, zu fliehen. Neunmal sei er bereits in Haft genommen worden. Die letzte Bewährungsstrafe sei widerrufen worden, weil der Angeklagte Bewährungsauflagen nicht befolgte.

Die Vorsitzende pflichtete dem Staatsanwalt bei und entschied, den Haftbefehl aufrechtzuerhalten.

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