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Herzogenaurach

Nacharbeit für die Umwelt

Weil sie am Klimastreik teilnehmen durften, holten Gymnasiasten die ausgefallene Stunde nach: Gestern Nachmittag wurde rund um die Schule Müll gesammelt. Die SMV hatte mit dem Schulleiter diesen Deal ausgehandelt.
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Auch das Ausleeren von Mülleimern gehört zum Sauberhalten des Schulhofs, wie Hausmeister Jürgen Schaub erklärte.
Auch das Ausleeren von Mülleimern gehört zum Sauberhalten des Schulhofs, wie Hausmeister Jürgen Schaub erklärte.
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Bernhard Panzer Einfach eine Stunde frei geben, das gab's für Norbert Schell nicht. Der Chef des Gymnasiums hatte zwar durchaus Verständnis für den Wunsch mancher Schüler, am Klimastreik jüngst in Erlangen teilzunehmen. Aber ersatzlos gestrichen werden durfte die letzte Unterrichtsstunde an dem besagten Freitag seiner Auffassung dennoch nicht.

Aber schließlich ist eine Schule dafür da, für Probleme auch eine Lösung zu finden. Und in diesem Fall kam dem Oberstudiendirektor die SMV entgegen. Die Schülermitverantwortung übernahm auch hier eine selbige und schon war die Antwort gefunden: Als Ersatz 45 Minuten Umweltarbeit an der Schule, und zwar an einem Nachmittag.

Am gestrigen Mittwoch war es soweit, ein gutes Dutzend Schüler der fünften bis zehnten Klassen traf sich in der Eingangshalle des Gymnasiums, um sich mit allerlei Utensilien zur Schulhof-Reinigung auszustatten. Hausmeister Jürgen Schaub versorgte die Jugendlichen mit Einmal-Handschuhen und koordinierte die Aktion.

Es ging darum, dass die Schüler zum einen die ausgefallene Stunde verpflichtend nachholen mussten. Und zum anderen war es, neben der Teilnahme am Klimastreik, eine weitere Gelegenheit, Umwelt-Engagement zu zeigen. So verteilten sich die Schüler rund um die Schule, um Müll zu sammeln. Es wurde schlicht all das aufgelesen, was da so in den Pausen und nach Unterrichtsschluss liegen geblieben ist.

Freilich ist das für gewöhnlich der Job der beiden Hausmeister Jürgen Schaub und Stefan Schmidt. Sie hatten im Vorfeld etwas weniger genau hingeschaut, damit die Tätigkeit der Schüler auch Erfolg zeigte.

Reger AK Umwelt

Dass der Schulleiter zugestimmt hat, "fanden wir klasse", sagte Schülersprecherin Fatima Toumi. Es sei die beste Lösung gewesen, etwas für die Umwelt zu tun. Man hätte auch eine Stunde Theorie im Unterricht über Umweltschutz absitzen können, ergänzt die Neuntklässlerin. "Aber so ist es viel besser". Im Übrigen sei der AK Umwelt der SMV auch sonst rege. Wer mit dem Fahrrad zur Schule kommt, der bekommt beispielsweise einen Gutschein für einen Kuchen. Und in der Mensa wird für in Plastik Verpacktes einfach 50 Cent mehr verlangt.

Für Norbert Schell ist es an der Zeit, dass die Schüler nicht nur zu den Klima-Demos gehen, sondern dass sich auch die Eltern bewegen. "Es muss ihnen peinlich sein, alles mit dem Auto zu machen." Auch müsse niemand einen motorisierten Pizzaboten zur Schule bestellen, nur weil man nicht in der Mensa essen mag.

Schell lobt seine Schüler grundsätzlich. "Die sind offen und kreativ", sagt er. Und auch die SMV bekam ein dickes Lob. Bei der Verhandlung um die freie Stunde seien sie "sinnvoll und mit Augenmaß" zu Werke gegangen und hätten schließlich den zielführenden Vorschlag unterbreitet.

Zwei Parents machten mit

Denn normalerweise hätte man für einen Streik nicht befreien dürfen. Das werde auch vom Ministerium als nicht sinnvoll erachtet, sagt Schell. Der gefundene Ersatz sei aber eine machbare Lösung gewesen. Und damit es "nicht nach Strafarbeit aussieht", kamen auch Thilo Schaufler von der Fridays-for-Future-Bewegung und zwei Parents for Future und sammelten fleißig mit. Sie waren aber nicht die einzigen Freiwilligen. Auch zwei Kollegiaten aus der elften Jahrgangsstufe beteiligten sich, obwohl sie nicht auf der Liste der "Pflichtteilnehmer" standen. Auch sie fanden die Lösung " einfach super".

Alle Namen auf der Liste konnten allerdings nicht abgehakt werden. Wer schwänzte, wurde genau erfasst.

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