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Kronach
Gericht

Nach wirren Zeugenaussagen: Prügelndes Trio kommt mit Geldstrafe davon

Zeugen sind vor Gericht dazu da, bei unklaren Tathergängen Licht ins Dunkel zu bringen. Doch manchmal läuft es auch andersherum: Die beiden Hauptzeugen glänzten in der Verhandlung wegen gemeinschaftli...
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Am Kronacher Marienplatz gab es im Juni 2018 eine derbe Schlägerei, bei der ein Trio auf zwei Männer eingeprügelt haben soll.  Foto: Sandra Hackenberg
Am Kronacher Marienplatz gab es im Juni 2018 eine derbe Schlägerei, bei der ein Trio auf zwei Männer eingeprügelt haben soll. Foto: Sandra Hackenberg

Zeugen sind vor Gericht dazu da, bei unklaren Tathergängen Licht ins Dunkel zu bringen. Doch manchmal läuft es auch andersherum: Die beiden Hauptzeugen glänzten in der Verhandlung wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Kronacher Amtsgericht mehr durch persönliche Verwirrung und Widersprüche als durch eine detaillierte Beschreibung der Tatnacht im Juni 2018.

Weil Richterin Claudia Weilmünster und die Schöffen keine Möglichkeit hatten, den Tathergang zweifelsfrei zu ermitteln, kamen die Angeklagten - eine 26-jährige Frau und zwei 24-jährige Männer aus dem Kreis Kronach - mit Geld- anstatt mit Gefängnisstrafen davon.

Das vermeintliche Opfer G. gab im Verhandlungssaal freimütig zu, in der Nacht vor seiner Aussage Drogen genommen zu haben. "Ich wusste nicht einmal mehr, dass heute Verhandlungstermin ist", erzählte er der Richterin. Einen dementsprechend wirren Eindruck machte er auch auf dem Zeugenstuhl. Außerdem sei eh alles ganz harmlos gewesen. Damals bei der Polizei hatte der 23-Jährige noch eine komplett andere Aussage gemacht. Von vielen massiven Schlägen und Tritten gegen seinen Oberkörper und Kopf war die Rede - selbst, als er schon hilflos am Boden gelegen und sein Gesicht geschützt hatte. Als ein Verteidiger der Angeklagten anregte, den Zeugen aufgrund seines geistigen Zustands zu einem späteren Termin zu laden, erklärte der, dass sich das Gericht dies sparen könne: "An meiner Vernehmungsfähigkeit wird sich da nix ändern."

Mehr Einblick in das Geschehen in besagter Nacht erhoffte sich das Gericht von G.s Kumpel, der ebenfalls verprügelt worden sein soll, als er den Streit schlichten wollte. "Die Befragung hat leider genauso wenig ergeben, weil der Geschädigte keine verlässlichen Angaben mehr machen konnte", resümiert der Pressesprecher des Amtsgerichts Jürgen Fehn. "Darum war es sehr schwierig, rauszufinden, was tatsächlich passiert ist." Lediglich die Polizeibeamten, die während der wilden Prügelei auf dem Marienplatz eintrafen, konnten bestätigen, dass Schläge von dem angeklagten Trio ausgegangen waren.

Darum wird das Verfahren gegen den 24-jährigen H. gegen eine Geldauflage in Höhe von 1200 Euro eingestellt. Die anderen beiden Angeklagten, der ebenfalls 24 Jahre alte S. und seine zwei Jahre ältere Komplizin H., werden vom Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. "Alleine das gemeinschaftliche Vorgehen rechtfertigt eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung", erklärt Fehn. Weil das Opfer die Schlägerei zuvor jedoch provoziert hat, geht das Gericht von einem minderschweren Fall aus. S. muss 180 Tagessätze, H. 130 Tagessätze von jeweils 23 Euro zahlen.

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