Herzogenaurach

Nach der Schule ist vor der Schule

Nicht nur Kinder und Jugendliche starteten in Bayern das neue Schuljahr. In Herzogenaurach bilden Twens und noch ältere Schüler einen neuen Klassenverband. Sie wollen alle Heilerziehungspfleger werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Am ersten Tag wurden die Schüler begrüßt und das Konzept der Schule vorgestellt.  Foto: Michael Busch
Am ersten Tag wurden die Schüler begrüßt und das Konzept der Schule vorgestellt. Foto: Michael Busch

Michael Busch Es ist etwas Besonderes, weiß Ute Kick zu berichten. Die Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Gesellschaft (GGSD) für soziale Dienste kennt viele Ausbildungsstätten im Pflegebereich. Aber in Herzogenaurach gibt es eine vielversprechende Kooperation, die es in dieser Form bei der GGSD noch nicht gegeben habe. "Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam mit der Lebenshilfe gelungen ist, die räumlichen Bedingungen zu schaffen und genügend Auszubildende zu gewinnen, so dass der Start wie geplant möglich ist", erklärte Kick zum Schulstart.

Die 16 Auszubildenden, die zum Start durch den stellvertretenden Schulleiter Felix Lorenz begrüßt wurden, werden in den kommenden zwei Jahren zum Heilerziehungspfleger ausgebildet. Kick betonte: "Mit der Lebenshilfe können wir eine neue, zukunftsweisende Form der Kooperation gestalten, bei der Theorie und Praxis stark miteinander verwoben sind."

Aber auch die Lebenshilfe sieht in der Kooperation Vorteile. "Mit der Gründung dieser Schule möchten wir den Fachkräftebedarf mittel- und langfristig sichern", sagt Susanne Hüser, Personalleitung der Lebenshilfe Erlangen-Höchstadt. Die praxisnahe Ausbildung der eigenen Mitarbeiter, die auch in Teilzeit absolviert werden könne, sei ein attraktives Instrument der Personalentwicklung.

Die Schüler sind in der Regel keine Einsteiger ins Berufsleben. Sie sind ehemalige Absolventen der Berufsfachschulen für Kinderpflege bzw. Sozialpflege. Aber Quereinsteiger, die erste Erfahrungen im Berufsfeld zum Beispiel während des Bundesfreiwilligendienstes sammeln konnten, sind dabei. Die Ausbildung ist zertifiziert und kann über die Agentur für Arbeit gefördert werden.

Die Schüler selber, obwohl ein paar Semester älter als die ebenfalls gestern bayernweit eingeschulten Erstklässler, erlebten den Tag der "Einschulung" ebenfalls in einer erwartungsvollen Anspannung. Die modernen Räume und die anstehenden Aufgaben wurden am ersten Schultag präsentiert. Unter der Regie von Esther Hahn und neun weiteren Lehrkräften werden die nächsten zwei Jahre absolviert werden.

Sie erfuhren unter anderem über die Ausbildungsstätte, dass diese in kürzester Zeit in das Gebäude der Lebenshilfe integriert wurde. Am 2. Mai wurde der Bauantrag eingereicht, mit dem Beginn der Ferien am 29. Juli starteten die Umbaumaßnahmen. Die Fertigstellung erfolgte am 6. September. "Ich sehe den Klassenraum auch zum ersten Mal", gab Susanne Hüser zu. Dieser strahlt ebenso in neuem Glanz wie die Bibliothek, der Werkraum und weitere Unterrichtsstätten. Begeistert wurde die Dachterrasse inspiziert, die ein Ort der Erholung und der Begegnung zu werden verspricht.

Heilerziehungspfleger sind Fachkräfte für Teilhabe, Bildung und Pflege. Sie begleiten Menschen mit Unterstützungsbedarf bzw. Menschen in behindernden Lebenssituationen bei der Umsetzung von deren Lebensqualitätsvorstellungen. Konkrete Aspekte des Berufsfeldes sind die Assistenz, Begleitung, Beratung, Bildung und Pflege von Menschen mit physischen, psychischen und kognitiven Handicaps.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren