Steinberg

Nach der Lehre hinaus in die Welt

Leonhard Müller gehört zu den jungen Leuten, die gestern ihre Berufsausbildung begonnen haben. Er lässt sich beim Glasmaschinen-Hersteller Waltec zum Industriemechaniker ausbilden - und hat ein klares Ziel vor Augen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Leonhard Müller (Mitte) will während seiner Ausbildung so viel als möglich lernen und anschließend Maschinen für die Glasproduktion bei den ausländischen Kunden in Betrieb nehmen. Links Firmenchefin Britta Höfer, rechts Ausbilder Michael Herzog Foto: Veronika Schadeck
Leonhard Müller (Mitte) will während seiner Ausbildung so viel als möglich lernen und anschließend Maschinen für die Glasproduktion bei den ausländischen Kunden in Betrieb nehmen. Links Firmenchefin Britta Höfer, rechts Ausbilder Michael Herzog Foto: Veronika Schadeck

Veronika Schadeck Für viele junge Heranwachsende begann am Montag mit dem Beginn ihrer Ausbildung ein neuer Lebensabschnitt. Einer davon ist Leonhard Müller. Der 16-Jährige absolviert eine Lehre bei der Firma Waltec Maschinen GmbH in Steinberg zum Industriemechaniker.

Er freue sich auf seine Ausbildungszeit, meint der Jugendliche. In den kommenden Wochen wird ihm sein Ausbilder Michael Herzog ein Basiswissen vermitteln. Er lernt fräsen, feilen, schneiden. In einigen Monaten wird der junge Mann mit den Produktionsanlagen vertraut gemacht. Er wird lernen, diese Geräte, Maschinen und Anlagen zu montieren, zu warten und zu reparieren.

Erst vor wenigen Wochen hat der Johannisthäler ein Praktikum bei dem Steinberger Maschinenbauer absolviert. Und er hat gemerkt: "Eine Lehre als Industriemechaniker ist etwas für mich!"

Leonhard Müller sieht in der Waltec GmbH einen Arbeitgeber, der es ihm ermöglicht, der Heimat treu zu bleiben und gleichzeitig fremde Länder kennenzulernen. Der junge Mann ist einer von insgesamt 15 Auszubildenden bei der Waltec GmbH. Neben dem Industriemechaniker bildet der Betrieb auch Elektroniker, Technische Zeichner und Industriekaufleute aus.

Die Waltec GmbH liefert weltweit Maschinen für die Glasindustrie. Dabei werden die Felder Konzeption, Entwicklung, Fertigung, Montage und Kundendienst bedient. Insgesamt stehen bei Waltec GmbH 74 Mitarbeiter in Arbeit und Brot. "Wir versuchen seit Jahren, unseren eigenen Nachwuchs als die Fachkräfte von morgen zu qualifizieren", so die Geschäftsführerin Britta Höfer. In der Vergangenheit hat die Waltec GmbH jedes Jahr drei Industriemechaniker eingestellt. Abgesehen von der spontanen Entscheidung von Leonhard Müller nach seinem Praktikum vor wenigen Wochen, hat es in diesem Jahr keine Bewerbung für diesen Ausbildungsberuf gegeben, bedauert Britta Höfer. Sie begründet dies zum einen mit der demografischen Entwicklung und damit, dass die angehenden Auszubildenden sich eher für die größeren Industrieunternehmen in der Region entscheiden. Dass in diesem Jahr keine Bewerbungen zum Industriemechaniker eingingen, könnte eventuell mit der Unsicherheit im Bereich des Maschinenbaus zusammenhängen, mutmaßt sie.

Sie hofft zudem, dass sie im nächsten Jahr wieder ihre drei Ausbildungsplätze zum Industriemechaniker/in besetzen kann. Die Zahl "drei" deshalb, weil dem Unternehmen daran gelegen sei, pro Jahr mindestens einen jungen Menschen nach Beendigung seiner Ausbildung im Betrieb halten zu können. Die Erfahrung habe gelehrt, dass jedes Jahr ein oder zwei Lehrlinge nach ihrer Lehrzeit weiter zur Schule, zur Polizei oder Bundeswehr gehen.

Wie die Geschäftsführerin weiter erklärte, komme der Kontakt mit ihren Auszubildenden meist über ein Schülerpraktikum zustande. Während dieser Tage könne man schon abschätzen, wer sich für welchen Job eignet, ist Höfer überzeugt.

Wünschen würde sich die Firmenchefin, dass der qualifizierende beziehungsweise der mittlere Bildungsabschluss mehr Wertschätzung in der Gesellschaft und auch bei den Eltern findet. Sie habe den Eindruck, dass manche vergessen, dass man auch ohne Abitur durchaus seinen Weg gehen und ein gutes Einkommen erzielen kann.

Es komme oft vor, dass junge Menschen während ihrer Ausbildung ihre Talente entdecken, in ihrer Persönlichkeit reifen und nach der Beendigung ihrer Lehrzeit sich zielstrebig weiterentwickeln. Beispielsweise besuchen einige die Techniker- beziehungsweise die Meisterschule. "Unser Bildungssystem ist offen und bietet viele Möglichkeiten."

Einer, der bei der Waltec GmbH seine Ausbildung absolvierte und danach "nebenbei" vier Jahre lang die Meisterschule besuchte, ist der Ausbilder Michael Herzog. Für ihn sei es eine Freude, jungen Menschen seine Erfahrungen und sein Wissen zu vermitteln, erklärt er. Ein Vorteil sei auch, dass die Metaller in der Kronacher Berufsschule beschult werden können. Dadurch entfallen weite Schulwege. Und was passiert, wenn in den nächsten Jahren wieder keine Bewerbungen für den Industriemechaniker eingehen sollten? Dann sei eine Auslagerung von Metallarbeiten und eine Konzentration auf die Montage von verschiedenen Baugruppen nicht auszuschließen, erklärt Höfer.

Und wie schaut es aus mit Flüchtlingen als künftigen Fachkräften? Das sei nicht so einfach, wie manchmal dargestellt, erklärt Höfer. Ein großes Problem sei die Sprachkompetenz. Solange einer die deutsche Sprache nicht beherrsche, sei das Risiko zu groß. Britta Höfer spricht in diesem Zusammenhang von Anweisungen, Vorschriften, Arbeitssicherheitsregelungen. All dies sei auch mit Schwierigkeiten und Gefahren verbunden, wenn man die Inhalte nicht versteht oder nicht lesen kann.

Für Leonhard Müller sind das keine Themen. Er will möglichst viel lernen und danach für seine Ausbildungsfirma einige Jahre im Ausland unterwegs sein, um Maschinen von Waltec in Betrieb zu nehmen, Kundenkontakte zu knüpfen beziehungsweise um dort jungen Menschen sein Wissen zu vermitteln.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren