Haßfurt

Nach der Feier ging's in die Zelle

Ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte führte vor dem Amtsgericht jetzt zu einer 3600-Euro-Geldstrafe.
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Freiwillig wollte der betrunkene 22-Jährige den Anweisungen der Polizeibeamten nicht folgen: Nur mit Mühe konnte er in die Ausnüchterungszelle gebracht werden. Symbolbild: Matthias Hoch
Freiwillig wollte der betrunkene 22-Jährige den Anweisungen der Polizeibeamten nicht folgen: Nur mit Mühe konnte er in die Ausnüchterungszelle gebracht werden. Symbolbild: Matthias Hoch
Dass auf einer Weihnachtsfeier mal über den Durst getrunken wird, kommt des Öfteren vor. Aber was sich ein 22-jähriger Industriemeister aus dem nördlichen Bereich des Landkreises leistete, fällt schon aus dem Rahmen: Nachdem er im Laufe des Abends vier oder fünf Weizenbier und zusätzlich etliche Schnäpse gekippt hatte, rastete der junge Mann völlig aus. Er bespuckte die alarmierten Polizeibeamten, versuchte, nach ihnen zu schlagen und zu treten und konnte nur mit Müh' und Not zur Ausnüchterung in die Polizeizelle verfrachtet werden. Jetzt erhielt er die Quittung: Wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte muss er 3600 Euro Geldstrafe zahlen.
Der unrühmliche Vorgang spielte sich in den Abendstunden des 15. Dezember letzten Jahres ab. Damals nahm der Angeklagte die Einladung seines ehemaligen Arbeitgebers zu einer Weihnachtsfeier an. Das gesellige Beisammensein fand in einer Gaststätte statt. Warum sich der bislang nicht Vorbestrafte seinerzeit dermaßen volllaufen ließ, kam in der Verhandlung vor dem Amtsgericht nicht zur Sprache.
Jedenfalls stand er kurz nach Mitternacht torkelnd und Halt suchend an einem Laternenmast, als eine alarmierte Polizeistreife am Ort des Geschehens auftauchte. Erst mal, so berichtete einer der damals eingesetzten Beamten im Zeugenstand, habe man nur die Personalien des Betrunkenen feststellen wollen. Doch damit war der ganz und gar nicht einverstanden. Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Zigarette und blies dem Uniformierten den Rauch direkt ins Gesicht.
Inzwischen waren auch die Freundin und kurz darauf sogar die Eltern des Schwerenöters vor Ort und versuchten, ihn zur Vernunft zu bringen. Nach mehreren Versuchen gab der Vater auf und sagte zu den Polizisten: "Wir werden mit ihm nicht fertig, am besten, ihr nehmt ihn mit in die Ausnüchterungszelle." Als der Randalierer dann auf eine Staatsstraße laufen wollte, schritten die Ordnungshüter ein. Sie hielten ihn fest und versuchten, ihn in das Polizeiauto zu verfrachten.
Das gelang ihnen nur mit größter Anstrengung, weil der Mann sie nicht bloß als "Wichser" und "Hurensöhne" beschimpfte, sondern sie auch bespuckte und mit seinen Füßen nach ihnen trat. Einem der Beamten biss er sogar in dessen Dienstanorak. Als er schließlich doch in der Polizeizelle landete, schlug er durch die Gitterstäbe nach dem Kopf eines Polizisten und traf dessen Brille, die daraufhin auf den Boden fiel.
Vor Gericht erläuterte Verteidiger Christian Steinmetz, dass sich sein Mandant durch den damaligen exorbitanten Alkoholgenuss an keinerlei Einzelheiten mehr erinnern könne. Er bereue seine Ausfälle zutiefst. Bei den im Gerichtssaal anwesenden Polizeibeamten entschuldigte dieser sich in persönlicher Form und beteuerte: "Ich schäme mich dafür und verspreche, dass so etwas nie wieder vorkommen wird."
Während Staatsanwalt Marian Rübsamen auf eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten plädierte, hielt der Rechtsanwalt eine Geldstrafe für ausreichend. Dabei wies er darauf hin, dass sich der Industriemeister gegenwärtig auf verschiedene Arbeitsstellen bewerbe und man seinem Mandanten den weiteren beruflichen Weg nicht durch einen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis - der obligatorisch ab 91 Tagessätzen erfolgt - versperren möge.
Mit diesem Ansinnen hatte er Erfolg, denn Amtsrichterin Ilona Conver verhängte 90 Tagessätze à 40 Euro. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, denn die Anklagebehörde kann binnen einer Woche Berufung einlegen.

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