Lichtenfels

Nach dem Dinner gab's Prügel

Das Abendessen eines Pärchens eskaliert und endet im Vollrausch - und mit einem blauen Auge.
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Der 9. März 2019 wird einem Mann und einer Frau aus Lichtenfels noch lange in Erinnerung bleiben. Einem Abendessen folgten Handgreiflichkeiten. Die Zusammenhänge um diesen Vorfall von gefährlicher Körperverletzung suchte man am Donnerstag in einer Gerichtsverhandlung zu erhellen.

Schläge, sogar Blutergüsse hervorrufend habe der 56-jährige, arbeitslose Mann gegen den Kopf seiner damaligen Freundin platziert. Sogar eine Socke oder etwas Ähnliches soll er ihr in den Mund gestopft und die Frau gewürgt haben.

Dabei fing alles mit Rotwein, Whisky-Cola und Sekt an. Eben das dürfte den Rest mit sich gebracht haben, sprachen der Mann und die Frau doch auf Alkohol an. "Sie war auf Fortbildung gewesen und kam zurück. Da ist sie abends schon a weng bedrückt reingekommen. Ich habe Essen gekocht, Sekt aufgemacht und Parfüm gekauft", erinnerte sich der Angeklagte vor Staatsanwalt Michael Koch und Richter Alexander Zenefels. Dann legte er nach: "Gegen 23 Uhr ist es eskaliert." Dabei verwies er auf die seiner Sicht nach großen Probleme, welche die Frau mit Alkohol hat. Neben einem Glas Whisky-Cola soll sie gar noch zwei Flaschen Wein geleert und ihn dann "rundgemacht, flottgemacht" haben. Trottel sei dabei noch das freundlichste Prädikat für ihn gewesen.

Tritte in den Unterleib

Doch was den Schlägen laut Angeklagtem noch vorausgegangen sei, waren Tritte in seinen Unterleib. Dann habe er zugeschlagen, "aber das mit der Socke stimmt nicht", versicherte der Mittfünfziger. Doch er merkte auch an, dass die Frau aufgrund ihres Alkoholkonsums unabsichtlich selbstverletzend gewesen sei, da sie im Flur gefallen und gegen den Türrahmen "gedazt" sei. Zudem schilderte der Angeklagte die Frau als "sehr eifersüchtig" und sein Handy kontrollierend. Es habe sie wohl auch gestört, dass er noch einen guten Draht zu seiner Ex-Freundin pflegte. Bald sollte sich Zenefels auch danach erkundigen, ob es schon einmal körperliche Auseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin gegeben habe. Einmal, so antwortete der Lichtenfelser, habe er die Frau geschlagen, "aber das war net sehr schlimm". Eine Aussage, die Zenefels umgehend rügte: "Das sollte eher die Frau entscheiden."

In Bezug auf den Schweregrad, den sie an dem 9. März zu erleiden hatte, sagte die Frau mit Bestimmtheit aus, dass sie ein "komplett blaues Auge" gehabt habe, welches erst nach zwei, drei Wochen von seiner Farbe verlor. Bezüglich der Socke gab sie an, dass es wohl keine Socke war, die ihr in den Mund gesteckt wurde, wohl aber ein Textil. Auf drei Mal benannte sie die Anzahl gewalttätiger Vorgänge in der Vergangenheit. Im Grunde fanden die Anwürfe durch den Prozess ihre Bestätigung, wenngleich Staatsanwalt Koch davon Abstand nahm, auf dem Vorwurf des Würgens zu bestehen.

In der Frage nach der angebrachten Ahndung gingen die Ansichten auseinander. Rechtsanwalt Manfred Glöckner verwies auf die bisherige saubere Weste seines Mandanten und ersuchte danach, die Angelegenheit ohne Verurteilung, dafür aber mit Geldauflage abzuschließen.

Da das Paar mittlerweile nicht mehr zusammen ist, sei eine neuerliche Gewalttätigkeit nicht zu befürchten. Der Richterspruch lautete auf 1000 Euro, von denen der Hartz-IV-Empfänger die Hälfte an das Opfer selbst zahlen soll.

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