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Bamberg

Mutter im Streit gewürgt - Freispruch

Ein 37 Jahre alter Mann aus dem Landkreis hatte seine Mutter attackiert. Doch das Landgericht verließ er nun als freier Mann.
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Ein ungewöhnliches Ende hat ein Sicherungsverfahren vor dem Landgericht Bamberg genommen: Dabei sollte geklärt werden, ob ein 37 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Bamberg einen versuchten Totschlag an der eigenen Mutter begangen hatte, ob der psychisch Kranke dabei überhaupt schuldfähig gewesen war und ob er dann in die geschlossene Abteilung eines Bezirkskrankenhauses eingewiesen werden müsste. Am Ende verließ der Verurteilte den Gerichtssaal als freier Mann. Worüber alle sichtlich erleichtert waren.

Plädoyer fiel sehr kurz aus

"Ich schließe mich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an." Es wurde das kürzeste Plädoyer des Pflichtverteidigers Thomas Gärtner, das dieser jemals gehalten hatte. Dabei hat der Rechtsanwalt aus Bamberg schon zweieinhalb Jahrzehnte seines beruflichen Lebens in Gerichtssälen verbracht. Streitig waren in dem Verfahren von Beginn an nämlich weder die Straftat, ein Angriff des 37-jährigen Beschuldigten Richard K. (Name geändert) auf die eigene Mutter, noch dessen weiterer Weg. Der sollte vorerst in der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus enden. Solche Einrichtungen kennt er bereits, befindet er sich doch rund neun Monate im Bezirkskrankenhaus Straubing.

Genaue Umstände unklar

Schon Staatsanwalt Patrick Keller hatte sich vom Anklagepunkt des versuchten Totschlags verabschiedet und auf gefährliche Körperverletzung plädiert. Es könne nicht mehr geklärt werden, mit welcher Intensität Richard K. zugedrückt habe. Auch seien keine ernsthaften Verletzungen aufgetreten. Zumal die Eltern ihren Jungen im Zeugenstand nicht belasten und gleich wieder mit nach Hause nehmen wollten. Wäre nicht der aufgezeichnete Notruf gewesen, es wäre bei schweigsamen Angehörigen schwergefallen, eine Straftat nachzuweisen. Keller beantragte, indem er der psychiatrischen Sachverständigen Dr. Verena Klein vom Bezirksklinikum Taufkirchen folgte, die Unterbringung des bislang nicht vorbestraften Mannes. Allerdings angesichts der Gesamtumstände zur Bewährung.

Bis auf weiteres muss Richard K. nun einmal im Monat zu einem Arzt gehen, um dort die Spritze mit den Medikamenten zu bekommen, die einen psychotischen Rückfall verhindern sollen. Denn in genau solch einer Situation, als die Tabletten nicht mehr richtig gewirkt hatten, hatte er Anfang August letzten Jahres seine Mutter attackiert. Nichtiger Anlass war gewesen, dass sie, genervt vom Lärm in seinem Zimmer, seinem Computer den Stromstecker gezogen hatte. "Aufgrund eines Realitätsverlustes hatte er sie daraufhin gepackt und gewürgt", so Staatsanwalt Keller.

Jeden Monat eine Spritze

Nachdem es zwischen Richard K. und seinen Eltern trotz der schizophrenen Erkrankung 17 Jahre lang gut gegangen war. "Wir sehen mit der Depotspritze keine Gefahr, dass er sich oder andere weiterhin gefährdet." Außerdem muss Richard K. wöchentlich die forensische Ambulanz des Bezirkskrankenhauses Bayreuth aufsuchen, um den psychischen Zustand im Auge zu behalten und therapeutisch auf ihn einzuwirken.

In einer beinahe zweiwöchigen Pause zwischen zwei Prozesstagen nutzten alle Seiten die Zeit, um die Weichen zu stellen. Richard K. bekam einen gesetzlichen Betreuer aus den Reihen der Arbeiterwohlfahrt Bamberg. Das entlastet auch die Eltern, die ihren Sohn seit dessen schizophrener Erkrankung im Jugendalter intensiv betreuen. Zudem riet der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt, sich in den nächsten Monaten um eine Arbeitsgelegenheit in einer Werkstätte für Menschen mit Handicap zu kümmern. "Sie hocken den ganzen Tag vor dem Computer und machen sonst nichts." Es sei nun an ihm und seiner Familie, dafür zu sorgen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole, so Schmidt. Denn sonst könne die Bewährung widerrufen werden und Richard K. müsste doch noch in die geschlossene Abteilung einrücken. "Wenn Sie daheim bleiben wollen, halten Sie sich daran."