Haßfurt
gericht

Mutter bezeichnet ihre eigene Tochter als "Bestie"

Dass es zwischen Mutter und Tochter mal Streit oder Krach gibt, kommt fast in jedem Elternhaus mal vor. Aber dass die Mutter ihre eigene Tochter als "Bestie" und "Psychopathin" bezeichnet und die beid...
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Dass es zwischen Mutter und Tochter mal Streit oder Krach gibt, kommt fast in jedem Elternhaus mal vor. Aber dass die Mutter ihre eigene Tochter als "Bestie" und "Psychopathin" bezeichnet und die beiden ein Verhältnis zueinander haben wie Hund und Katz', das fällt schon arg aus dem Rahmen. Weil eine 18-Jährige in einem Wutanfall ihr Handy so heftig gegen den VW Polo der Mutter warf, dass ein Schaden von rund 1000 Euro entstand, darf sie nun drei Tage im Jugendknast darüber nachdenken, ob diese Aktion wirklich nötig war.


Bemerkenswerter Auftritt

Äußerlich kindlich ungezwungen und fast schon freudestrahlend betrat die junge Angeklagte den Gerichtssaal. Ob aus Verlegenheit, Unsicherheit oder Gleichgültigkeit - darüber kann man nur spekulieren. Dabei saß sie nicht zum ersten Mal vor dem Kadi: Auf ihrem strafrechtlichen Kerbholz stehen bereits Verurteilungen wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und vorsätzlicher Körperverletzung.
Der unsägliche Vorfall muss allen Beteiligten noch lebhaft in Erinnerung sein, denn das Drama ereignete sich vor wenigen Wochen am 7. Juni. Mutter und Tochter hatten an diesem Tag vereinbart, dass die junge Lady ein neues Handy erhält. Wie so oft gab es dann wieder mal ordentlich Zoff zwischen den beiden, weil sie sich nicht einigen konnten, welches Mobiltelefon gekauft werden sollte.


Altes Handy kracht gegen Pkw

Ein Wort gab das andere, und schließlich platzte der Mutti der Kragen und sie sprach ein Machtwort: "Jetzt kriegst du gar kein Handy!" Daraufhin verlor die Jugendliche die Beherrschung und Kontrolle: Sie rastete aus und warf ihr altes Handy mit voller Wucht gegen das Auto. Die Geschädigte stellte daraufhin Strafanzeige gegen das rabiate Töchterlein. Da die Beschuldigte alles zugab, war es nicht mehr erforderlich, die als Zeugin geladene Mutter anzuhören.
Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe berichtete, dass sich die alleinerziehende Mutter schon des Öfteren telefonisch gemeldet habe, weil sie sich ihrem rebellierenden Kind gegenüber macht- und hilflos gefühlt habe. Das Verhältnis sei völlig zerrüttet. Sollten die beiden weiter in einem Haushalt leben, schloss er nicht aus, dass die Situation dramatisch eskalieren könnte. Alle bisherigen Versuche zur beruflichen Integration seien fehlgeschlagen.
Der Backfisch seinerseits schob die Schuld daran, dass die Beziehung zu der Mutter so miserabel ist, dieser in die Schuhe. Weil diese angeblich die an die Heranwachsende gerichteten Briefe öffne, habe sie sich nicht bei der Jugendgerichtshilfe gemeldet. "Wenn sie mit mir reden will, höre ich einfach nicht zu", sagte der Teenager.


Plötzlich Panik

Als dann der Staatsanwalt Matthias Eichelsdörfer in seinem Plädoyer einen dreiwöchigen Dauerarrest forderte, bekam sie das große Muffensausen. Sichtbar verging der Angeklagten das Lachen, und sie sagte in ihrem letzten Wort vor der Urteilsverkündung mit flattriger und fast schon panischer Stimme: "Ich kann da nicht hingehen und würde mich umbringen."
Jugendrichter Martin Kober drückte dann doch ein Auge zu, betonte aber, dass es das letzte Mal sei. Eindringlich legte er der Verurteilten nahe, sich eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle zu suchen und von zu Hause auszuziehen. Eigentlich, so der Jurist, müsste der Streit innerfamiliär und nicht vom Strafrichter geregelt werden. Da aus der letzten Verurteilung auch noch zwei Tage Freizeitarrest anstehen, muss das Fräulein fünf Tage absitzen. Ob der Staatsanwalt gegen das eher milde Urteil in Berufung geht, bleibt abzuwarten.
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