Höchstadt a. d. Aisch

Mutige Frauen im Heizhaus

Zur Ausstellungseröffnung über die Mütter des Grundgesetzes kam auch Katharina Schulze nach Höchstadt.
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"Ist das der Karpfenkreisel?" Katharina Schulze kannte sich schon ein wenig aus in Höchstadt, als Zweiter Bürgermeister Günter Schulz ihr einen Schirm mit den Wahrzeichen der Stadt überreichte.
"Ist das der Karpfenkreisel?" Katharina Schulze kannte sich schon ein wenig aus in Höchstadt, als Zweiter Bürgermeister Günter Schulz ihr einen Schirm mit den Wahrzeichen der Stadt überreichte.
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Sie waren mutig, sie zeigten Courage, sie bäumten sich auf gegen die herrschenden Machteliten. Und sie erkämpften sich ihr Recht. Das Recht für Millionen Frauen in Deutschland, gleichberechtigt zu sein. Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel sind die Mütter des Grundgesetzes. Die Ausstellung "Mütter des Grundgesetztes - 100 Jahre Frauenwahlrecht" handelt von diesen Kämpferinnen. Zwar wurde das Frauenwahlrecht bereits 1918 eingeführt, die Rechte der Frauen verankerten die Vier aber erst 1949 im Grundgesetz.

Am Freitag eröffnete Zweiter Bürgermeister Günter Schulz (SPD) gemeinsam mit Bernd Riehlein von der Fortuna Kulturfabrik und Landtagsabgeordneter Katharina Schulze (Grüne) die Ausstellung im Heizhaus in Höchstadt. "Man hört immer viel von den Gründervätern des Grundgesetzes, aber nicht von den Müttern", stellte die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion fest.

In ihrer flammenden Rede bekräftigte sie das Grundgesetz, verdeutlichte dessen Strahlkraft und schwärmte von seiner Klarheit. Doch sie sagt über Artikel 3, der die Gleichberechtigung von Mann und Frau sichert, auch: "Das haben wir noch nicht zu hundert Prozent erreicht!"

Frauenrechte sind kein Geschenk

In einem Zusatz zu Artikel 3, der nach dem Mauerfall verankert wurde, wird der Staat direkt dazu aufgefordert, Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen zu beseitigen. Deshalb fordert die Grünen-Politikerin die Hälfte der Macht für Frauen, denn: "Frauenrechte werden dir nie geschenkt."

Bemerkenswert sind auch die Forderungen der Gründermütter vor 70 Jahren, verglichen mit den aktuellen. Vor allem Frieda Nadig und Helene Weber setzten sich für Lohngleichheit ein. Bis heute konnte das nicht realisiert werden. Noch immer verdienen Frauen und Männer in Deutschland oft nicht dasselbe. "Da ist noch Luft nach oben", merkte Schulze an. Die Politik müsse hier einen Rahmen schaffen, so dass diese Ungleichheit beseitigt werde, meinte die Grünen-Politikerin. Es sei noch viel zu tun, doch wir leben in einer Gesellschaft, die politischer sei als früher.

"Wir würden gerne 50:50 machen", entgegnete da Zweiter Bürgermeister Günter Schulz. Doch zu wenige Frauen würden sich kommunalpolitisch aufstellen lassen.

Auch Stadträtin Jeanette Exner (Junge Liste) war vor Ort und brachte sich in die Diskussion um Frauen in der Kommunalpolitik ein. Es liege auch an den Männern, meinte sie. "Man hat immer ein wenig gegen die Männer zu kämpfen", so Exner. Weiter sagte sie: "Manchmal wird man auch nicht ernst genommen." Im Bayerischen Landtag ist die Frauenquote ebenfalls gering. Nur knapp 27 Prozent der Abgeordneten sind weiblich.

Zwei Mitglieder des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) hielten außerdem einen Vortag im Heizhaus neben der Fortuna Kulturfabrik. Der Dachverband setze sich für die Frauenrechte in der katholischen Kirche ein.

Timo Sabat und Karina Moi umrahmten den Eröffnungsabend mit zarten Gitarrenklängen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Juni zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zugänglich. Sonderführungen sind nach vorheriger Anmeldung ebenfalls möglich.

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