Zeil am Main

Musikspaß mit La Finesse

"ZuP" wagt und gewinnt. Das Frauenstreichquartett um Birgit Förstner erobert am Samstagabend die Herzen.
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Fotos: Brigitte Krause
Fotos: Brigitte Krause
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Brigitte Krause "Zeiler unternehmen Projekte", kurz "ZuP", diesen Namen haben sich die Zeiler Geschäftsleute selbst gegeben und wagten nun auch einmal ein solches Projekt, indem sie die Klassik-Pop-Gruppe "La Finesse" aus Aschaffenburg für einen Sommerabend engagierten.

In der Königsbesetzung Streichquartett treten die Streicherinnen um Birgit Förstner und Daniela Reimertz zumeist auf, etliche Musikerinnen haben die Gründerinnen der Formation inzwischen um sich geschart - und machen bundesweit Furore. Edle Anlässe wie die Euro Fashion Awards in Görlitz 2018 oder jüngst ein Auftritt beim Theaterball in Freiburg, wo sie Altkanzler Gerhard Schröder bezirzten, das ist ihr Metier.

Auf jeder Bühne mit guter Figur

Sie gaben zu, an einem solchen Auftrittsort wie am Festplatz der Zeiler Narrenzunft am Söhrlein doch eher selten zu stehen. Charmant. Die Behelfsbühne über der Altach - so liebevoll gebaut und fränkisch-funktional sie ist - geht allenfalls mit Augen-zu und sehr viel gutem Willen als atmosphärisch passender Rahmen durch. Gleichwohl verstanden es Anna Kränzlein (Erste Geige), Pamela Rachel (Zweite Geige), Maria Frances (Bratsche) und Birgit Förstner (Cello), diesem Ort mit ihren Darbietungen ein Flair zu verleihen, das die Besucher mitriss. Elektronische Verstärkung, Background-Percussion, Lautsprecherboxen gaben dem Quartett zwar zusätzliches Standing, doch die Basis ist hundertprozentige Qualität: Bei diesen Musikerinnen handelt es sich um Virtuosinnen, die ihr jeweiliges Streichinstrument hervorragend beherrschen. Wie aus einem Guss in gefälliger Harmonie flossen die Stücke mit, wie man so schön sagt, "größter Spielfreude" dahin. Der Trick von "La Finesse": Ihre Stücke leben davon, dass sie aus den Originalwerken ausgeschnitten, verkürzt und neu aneinandergesetzt werden. Sehr unterhaltsam und geschickt gemacht, das alles, durchaus ein Hörgenuss. Ob es sich um Takte aus Bizets Oper "Carmen" handelt, zu denen die Frauen - natürlich - in Rot gewandet erscheinen, oder um ein Beethoven-Cross-over mit AC/ DC-Elementen.

In jeder Sekunde voll dabei

Gestisch und mimisch in lebendiger Choreographie vereint, stecken die Musikerinnen ihr Publikum an, reißen es mit. So viel gute Laune ist einfach ansteckend. Herrlich ihre gemeinsam gezupfte Adaption der Titelmusik von Orson Wells "Der Dritte Mann".

Glissandi, Dissonanzen, Abstraktion, das beherrschen diese hochmusikalischen Frauen, wenn sie "Das Boot" durch das Söhrlein schicken. Oder ihre Kunst beweisen bei einem "Quod Libet" aus vier Liedern: "Himmel und Erde", "Hab mein Wagen vollgeladen", "Caffee", "Es tönen die Lieder". Alles parallel gespielt, wird es mit dem singenden Publikum hochgradig polyphon...

In Norderney, plaudert Birgit Förster, hatte sie ihre "Singklinge" vergessen, da tat es auch ein Sägenblatt, und so zeigt die Cellistin, wie artifiziell ein solches klingen kann bei "Somewhere over the Rainbow". Wirklich schön. Mitraten hieß es bei dem Potpourri aus James-Bond-Motiven und nie klang wohl "Game of Thrones" dramatisch schöner. Mit "Kashmir" (und zwei Zugaben) endete ein interessanter Abend, den es so noch nie in Zeil gab. Durchaus möglich, dass diese Darbietungen und vor allem der Zuspruch durch Besucher teils aus dem ganzen Landkreis den Zeiler "ZuPs" Mut macht, noch mehr solcher Projekte zu wagen. Nur zu.

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