Ein Jahr ist es her, dass in der Seibelsdorfer Kirche Rossinis "Stabat Mater" für viele begeisterte Reaktionen sorgte. Nun nehmen sich der Dekanats-Chor Kronach, der Konzertchor Coburg "Sängerkranz" und der Lehrerchor im BLLV Kronach zusammen mit Solisten der "Petite Messe Solennelle", Rossinis zweiter großer kirchenmusikalischer Schöpfung, an.
Das Alterswerk des großen italienischen Opernkomponisten (1792 - 1868) entstand im Jahr 1863 und wurde der Gräfin Louise Pillet-Will gewidmet, die es für die Einweihung ihrer privaten Kapelle in Auftrag gegeben hatte.


Ungewöhnliche Besetzung

"Petite Messe Solennelle" ("kleine feierliche Messe") ist dabei nicht wörtlich zu verstehen. Die Messe ist nämlich alles andere als "petite": Mit einer Dauer von rund 90 Minuten ist sie länger als die meisten herkömmlichen Messen. "Das "petite" meint in diesem Fall die Größe des Instrumentariums", erklärt Dekanatskantor Marius Popp, der erneut die Gesamtleitung des "Bonbons der romantischen Chorliteratur" innehat.
Rossini schrieb diese (zusammen mit dem "Stabat mater") schönste Komposition seiner späten Jahre in der ungewöhnlichen Besetzung für Soli, Chor, Klavier und Harmonium, also lediglich für zwei Instrumente. Komponiert wurde es von ihm im Alter von 71 Jahren, in Passay bei Paris. Dort lebte der begnadete Tonschöpfer ab 1855, nachdem er sich auf dem Gipfel seines Ruhmes vom öffentlichen Musikleben zurückgezogen hatte.
Der Meister verknüpft in dem Werk historische Traditionen mit moderner Schreibweise. Dem Geist der "Petite Messe Solennelle" entsprach auch die ursprüngliche Besetzung mit Klavier- und Harmonium-Begleitung, durch die er die neapolitanische Cembalo-Tradition des 18. Jahrhunderts aufleben ließ. Die Uraufführung war am 14. März 1864 zur Einweihung der Kapelle. Die erste öffentliche Aufführung folgte am Tag darauf im Pariser Théâtre Italien und wurde ein großer Erfolg.
Die Vorfreude bei den drei Chören wie auch beim Dekanatskantor, die farbenreiche und melodisch abwechslungsreiche Messvertonung am Samstag erklingen zu lassen, ist groß. So ist ihnen auch an diesem Probenabend im evangelischen Gemeindehaus in Kronach die Freude an dieser schönen Musik, ein Wohllaut zwischen religiöser Innigkeit und opernhaftem Frohsinn, ins Gesicht geschrieben.
"An alle Aufführenden werden bei diesem Werk höchste Anforderungen gestellt und es wird ihnen ein Höchstmaß an Konzentration abverlangt. Da es nur zwei Instrumente gibt, die den Chorgesang nicht überdecken, sind die Sänger und Sängerinnen sehr stark solistisch gefordert. Die Präsenz des Chors steht im Vordergrund, die Instrumente begleiten", betont Popp.
Als Chorleiter sei er aber auch stets bestrebt, den Chor in seiner Entwicklung voranzubringen und mit seinen Aufgaben wachsen zu lassen. Die ungewöhnliche Besetzung der Messe steht in der neapolitanischen Cembalo-Tradition des 18. Jahrhunderts.
Der Dekanatskantor setzt bei der Aufführung am Samstag mit dem Instrument Akkordeon anstatt Original Harmonium einen besonderen Akzent und ein eigenes Klangbild um. Da das Akkordeon seiner Meinung nach die Musik lebendiger wiedergibt, denkt er, damit den Intentionen Rossinis besser gerecht zu werden.
In seiner Entwicklungsgeschichte ist das Akkordeon eng mit dem Harmonium verbunden, mit dem es auch die Technik der Klangerzeugung durch die durchschlagende, frei schwingende Zunge teilt. Eine durchschlagende Zunge ist ein meist metallenes Plättchen, das innerhalb eines eng passenden Rahmens durch Luft zum Schwingen gebracht wird.


Renommierte Solisten

Erneut gelang es dem Chorleiter, für das Werk hoch angesehene Solisten zu gewinnen, darunter einige dem treuen Stammpublikum wohlbekannte Gesichter wie die italo-chinesische Sopranistin Gina Ianni, Tenor Sebastian Köchig sowie der gebürtige Albanier Frano Lufi (Bass).
Erstmals in Seibelsdorf zu hören sein wird der italienisch-brasilianische Countertenor Julio Fiorovanti, dessen Auftritt gleich in doppelter Bedeutung eine Premiere darstellt. "Julio Fiorovanti singt in der Mezzosopran-Stimme, die sonst Frauen vorbehalten ist", erklärt der Dekanatskantor, dem es ein großes Anliegen ist, den Freunden guter Musik in unserer Region ein möglichst breit gefächertes Musikangebot unterschiedlicher Stilrichtungen und Epochen der verschiedensten Komponisten und Länder zu präsentieren.


Spannende Premiere

Früher sei es, erklärt Popp, gängige Praxis gewesen, dass der Sopran nicht wie heute von Frauen, sondern von Knaben gesungen wurde. Da er selbst noch nie mit einem Countertenor musiziert habe, sei dies auch für ihn sehr spannend.
Den Part am Klavier übernimmt der Italiener Claudio Rizzi, der seit der Spielzeit 2012/13 als Korrepetitor und Sprachcoach am Landestheater Coburg tätig ist. Für nicht "alltägliche" Klänge im Gotteshaus wird der studierte Akkordeonist Jörg Reinhardt sorgen.
Das Publikum in Seibelsdorf kann sich also auf einen besonderen Abend geistlicher Musikdarbietung freuen. Einladung ergeht an die gesamte Bevölkerung.
Eintrittskarten kosten 15 Euro für Erwachsene und acht Euro für Schüler und sind in allen Pfarrämtern im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt zu den üblichen Bürozeiten erhältlich. Außerdem gibt es Restkarten an der Abendkasse.