Burgpreppach

Museum weicht Umbauplänen

Das Rathaus in Burgpreppach soll zum Bürgerzentrum umgebaut werden. Dafür muss Heinz Braunreuthers Nostalgie-Sammlung aus den 50er Jahren weichen. Sie wird dauerhaft einen neuen Platz im Dorf finden.
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Bürgermeister Hermann Niediek und Heinz Braunreuther (von links) wollen das Nostalgiemuseum als Burgpreppacher Besonderheit erhalten.
Bürgermeister Hermann Niediek und Heinz Braunreuther (von links) wollen das Nostalgiemuseum als Burgpreppacher Besonderheit erhalten.
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Eckehard Kiesewetter Burgpreppach — Für Burgpreppach wirkte es wie ein kleines Wirtschaftswunder und Heinz Braunreuther denkt wehmütig an die Aufbaujahre zurück. An die Zeit um 1998, als er das Museum "Nostalgie der 50er Jahre" 1998 im Rathaus seines Heimatdorfes Burgpreppach einrichten konnte. Seither hat es Tausende von Besuchern in den Markt gelockt. Es ist - auch dank Sonderausstellungen - zum Werbeträger fürs Dorf geworden.

Doch jetzt muss die Sammlung Umbauplänen weichen. Das Rathaus soll zu einem Bürgerzentrum umgestaltet und mit zeitgemäßer Pelletsheizung ausgerüstet werden. Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates stellte der Schweinfurter Architekt Sebastian Pollach die Pläne vor. Baubeginn soll im April sein. Die Zeit drängt also.

Nostalgie weicht Umbau

Im Erdgeschoss, wo Braunreuther einen Tante-Emma-Laden der Nachkriegszeit aufgebaut und in mehr als 25 Jahren mit immer mehr selten gewordenen Dingen aus dieser Zeit angefüllt hat, wird ein großer Bürgersaal entstehen, ein Technik-, ein Putz- und ein Wickelraum mit behindertengerechtem WC, außerdem eine kleine Küche. Im Obergeschoss, in das ein Aufzug führen wird, hatte der Sammler eine komplette Wohnung im Stil der 1950er Jahre eingerichtet, mit Einrichtungs-, Gebrauchs- und Ziergegenständen, die man nicht nur bestaunen, sondern auch in die Hand nehmen und ausprobieren durfte. Die original erhaltene Wandfassung ergänzte den authentischen Zeitreise-Effekt. Dieser Bereich wird einem weiteren Versammlungsraum, einem zeitgemäßen Bürgerbüro und Toilettenräumen weichen. Das Gemeindearchiv wird seinen angestammten Platz behalten.

Braunreuthers Raritäten, beispielsweise das alte Büroinventar, der Textilfundus aus den 50er und 60er Jahren und all seine Schreibmaschinen, werden in wenigen Wochen fast komplett in Umzugskartons verschwinden. Im Februar spätestens, soll alles draußen sein.

Bauhofleiter Manfred Schirdewahn würde am liebsten sofort loslegen mit Einpacken. Doch Heinz Baunreuther bremst. Nicht nur der nostalgischen Gefühle wegen. Aber "zum Weihnachtsmarkt muss das Museum noch geöffnet bleiben, da kommen immer ein Haufen Leute", sagt er. Und wie all die Jahre zuvor will der 72-Jährige dann wieder ins Nikolaus-Kostüm schlupfen und die Kinder beschenken.

Dann heißt es Abschied nehmen von den meisten Dingen, die Braunreuther in ungezähmter Sammelwut über Jahre angehäuft hat. Neben dem Museum, betreibt er etliche Außenlager, beispielsweise in Breitbrunn, Ebern, Zeil, Sand und seinem heutigen Heimatort Kirchlauter.

Einig ist er sich mit Burgpreppachs Bürgermeister Hermann Niediek, dass das Nostalgie-Museum unbedingt erhalten bleiben soll. Eine längerfristige Schließung "könnte tödlich sein", sagt der CSU-Politiker: "Wir müssen das Ding unbedingt am Leben halten." Beim Wie allerdings wird der Museumsdirektor noch manche Kröte schlucken müssen.

Umzug ins Wirtshaus

Nach langem Suchen hat Niediek "für etwa zwei Jahre", wie er sagt, ein Ausweichquartier gefunden. Direkt hinter dem Rathaus steht eine alte Gastwirtschaft seit Jahren leer. Man wird sie etwas aufpäppeln und dort ein Interims-Museum schaffen - allerdings nur im früheren Wirtsraum. Zuletzt hatte die Ausstellung fast das komplette Rathaus (rund 300 Quadratmeter) belagert, selbst das Bürgermeister-Zimmer mit einer Spielesammlung belegt.

Vor allem die Glasvitrinen sollen im Ausweich-Museum Platz finden. Einerseits, um längere Transporte und damit Bruchgefahr zu vermeiden, andererseits um wechselnde Ausstellungen zu ermöglichen. Braunreuthers Elvis-Presley-Devotionalien werden dort einen Ehrenplatz erhalten. Der Rest des Museumsfundus wird erst mal in der alten Schule in Sulzbach (zwischen-)gelagert.

"Dort erkennt man den Wert"

Braunreuther ist froh, in all den Jahren in München und Berlin eifrig die Werbetrommel für sein nicht-staatliches Museum gerührt zu haben. "Dort erkennt man den Wert", sagt er. Der Bezirk Unterfranken, vertreten durch Heimatpfleger Klaus Reder, unterstützt den Umzug, dessen Kosten auf 20 000 Euro geschätzt werden. Er hat bereits eine Fachkraft entsandt, die Braunreuthers Schätze, auch in den Außenlagern, inspizierte. Sie riet der Gemeinde dazu, sich auf die Bestände im Rathaus zu konzentrieren. Bürgermeister Niediek will vertraglich klären, dass die Museums-Gegenstände in Gemeindebesitz übergehen.

Die Kommune, so der Bürgermeister weiter, wird das Raiffeisengebäude samt Lagerhalle erwerben. Die Büroräume will er wieder an die Bank vermieten, aus der Halle aber das neue Nostalgiemuseum machen. Ein Raum mit etwa 200 Quadratmeter Fläche könnte dann genutzt werden, barrierefrei.

"In zwei Jahren hast Du Dein neues Museum", versichert Niediek einem stirnrunzelnden Braunreuther. Dieser soll, so Niedieks Wunsch, Museumsleiter (und nebenher auch Fremdenführer mit großer Ortskenntnis) bleiben. "Das, was der Heinz für Burgpreppach geleistet hat, kann uns kein anderer mehr geben", sagt er, "dafür verdient er höchste Anerkennung".

Und dies wolle man für Jahrzehnte bewahren.

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