Laden...
LKR Coburg

München soll den Wäldern helfen

Als die fränkischen Waldbauern vor Monaten auf Schäden in ihren Wäldern hinwiesen und um Hilfe baten, reagierte die Landespolitik nicht. Jetzt holten sie den Vorsitzenden des agrarpolitischen Ausschusses im Landtag her.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wolfgang Schultheiß, Manfred Herter, Sebastian Schultheiß und Martin Schöffel besichtigen ein Waldstück, in dem junge Bäume mit Einzelschutz vor Verbiss gut nachgewachsen sind. Foto: Rainer Lutz
Wolfgang Schultheiß, Manfred Herter, Sebastian Schultheiß und Martin Schöffel besichtigen ein Waldstück, in dem junge Bäume mit Einzelschutz vor Verbiss gut nachgewachsen sind. Foto: Rainer Lutz

Das Dürrejahr 2018 ist ein Begriff. Doch dass auch 2019 vor allem für den Wald in der Region viel zu wenig Niederschlag kam, das scheint bei der Landesregierung nicht ins Bewusstsein zu dringen, meint Wolfgang Schultheiß als Vorsitzender der Forstlichen Vereinigung Oberfranken und der Waldbauernvereinigung Coburger Land.

Als er vor kurzem vom Fernsehen interviewt wurde, ging er noch schonend mit Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) um. Als er jetzt den Vorsitzenden des agrarpolitischen Ausschusses im Landtag Martin Schöffel (CSU) in die geschundenen Wälder des Coburger Landes führte, platzte ihm doch der Kragen: "Andere Bundesländer setzen die Bundeswehr ein und in Bayern weiß man gar nicht, was in Franken los ist. Es kommt keiner, der sich umschaut. Die Ministerin pflückt lieber Weintrauben oder krönt Königinnen und besucht Almen, als sich bei uns umzuschauen."

Was los ist, scheint Schöffel dann gar nicht so fremd. Sein Landtagskollege, der regionale Abgeordnete Martin Mittag (CSU), hat ihn vorab informiert. Die Dürre 2018 hat die Böden tief hinein ausgetrocknet. Die wenigen und ungleich verteilten Niederschläge in diesem Jahr erreichten die Wurzeln landwirtschaftlicher Kulturen. Hinunter zu den Wurzeln der Waldbäume gelangte nichts. Gerald Oehrl zeigt den Abgeordneten eine Fläche der Waldkorporation mit 42 Hektar, deren Vorsitzender er ist. Hunderte Fichten mussten gefällt und abtransportiert werden, weil sie dem Borkenkäfer zum Opfer fielen. Für eine Nachpflanzung muss er die 21 Mitglieder der Korporation zur Kasse bitten. Der Erlös aus dem Holz deckt kaum die Kosten für die Ernte.

Die Folge: Käferbäume werden im Privatwald oft nicht gefällt, obwohl es das Waldgesetz vorschreibt. Wo sie gefällt und abtransportiert werden, wird wegen der Kosten nicht nachgepflanzt. "Holunder, Schlehen, Pulverholz und ähnliche Arten breiten sich aus. Das ist kein Wald mehr, das ist Busch", erklärt Manfred Herter, Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung. Aus Gesprächen mit Waldbesitzern weiß Martin Mittag: "Die Leute kriegen das Holz nicht mehr aus dem Wald raus." In Eigenleistung ist die Arbeit oft nicht zu bewältigen. Firmen sind überbucht. Der Holzerlös deckt die Kosten nicht.

Was soll gepflanzt werden?

Bei Anpflanzungen stellt sich für Waldbesitzer die Frage nach den Baumarten. Für die Fichte wird in der Region keine Zukunft gesehen. Doch auch die Kiefer fällt auf immer mehr Flächen aus und selbst Buche und Eiche stecken Extremjahre wie 2018 nicht mehr so einfach weg, zumal danach eben auch kein ausreichender Niederschlag kommt. Pflanzen kosten Geld, ihr Schutz vor Wildverbiss noch mehr. Zäune werden nicht gefördert und sind teuer. Einzelschutz für jede Pflanze ist ebenfalls aufwendig.

Christoph Hübner, Bereichsleiter Forst am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg/Lichtenfels, rät den Waldbauern zu sogenannten truppweisen Ergänzungspflanzungen. Auf den Flächen werden dabei Gruppen von 20 bis 30 jungen Bäumen gepflanzt, die für den Standort geeignet sind. Damit lassen sich die Kosten für Pflanzgut und Schutz senken. "Es muss wieder eine mit Waldbäumen bestockte Fläche entstehen", betont Hübner.

Martin Schöffel drückte Wolfgang Schultheiß ein Positionspapier in die Hand, das die Vorsitzenden der Forstlichen Vereinigungen aus Niederbayern, der Oberpfalz, Schwaben sowie Ober- und Unterfranken unterzeichnet haben. Darin fordern sie eine angemessene Förderung für die Räumung der geschädigten Flächen in Höhe von 20 Euro je Festmeter. Höhere Förderung für die Wiederaufforstung und den Zaunbau als schnelle Hilfe. Mittelfristig rufen sie nach intensiver Forschung zu klimatoleranten Baumarten und Förderung der Wegepflege.

Sie wünschen sich aber auch eine Honorierung des Waldes als CO2 -Senke sowie der weiteren Leistungen aus dem Ökosystem Wald und Stärkung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse als Selbsthilfeorganisationen.

Waldbesitzer motivieren

"Wir müssen es schaffen, dass die Waldbesitzer in ihren Wäldern etwas tun, sonst bekommen wir Buschlandschaften", sagt Wolfgang Schultheiß. Dass die nicht entstehen, sehen die Waldbauern als wichtiges Ziel für den Klimaschutz.

Wirtschaftswälder, so der Grund, binden deutlich mehr Kohlendioxid als Buschlandschaften - nicht nur wegen der größeren Bäume. Werden Bäume gefällt und etwa in Möbeln oder Häusern verbaut, bleibt das CO2 in ihnen gebunden. In Buschlandschaften absterbende Pflanzen verrotten und setzen das CO2 wieder frei.

Abgesehen davon gewinnt Holz als nachwachsender Energieträger und ökologisch wertvoller Baustoff immer mehr an Bedeutung. Doch aus Holunder und Weiden baut niemand einen Dachstuhl. Da bleibt die Nachfrage nach Nadelholz groß. Wege zu finden, trotz aller Klimaänderung dafür Rohstoff zu liefern, ist eine Herausforderung für die Förster der kommenden Jahrzehnte.

Martin Schöffel und Martin Mittag werden das Anliegen der Coburger und fränkischen Waldbauern und das Positionspapier, das ihnen überreicht wurde, in München vortragen. Wie dann eine konkrete Hilfe aussehen wird, muss sich zeigen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren