Forchheim

Mühsamer Weg zu den Helfern

Obwohl die Zahl der Bedürftigen steigt, ist es nicht leicht, sie zu erreichen. Diese Erfahrung machen aktuell die Gründer und Betreiber der Anton-Landgraf-Stiftung, die arme Senioren in Forchheim unterstützt.
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Ekkehard Roepert Forchheim —  Egon Landgraf hat nicht nur den unternehmerischen Geist seines Vaters, des Schuhfabrikanten Anton Landgraf geerbt. Sondern auch dessen soziale Einstellung - und die Devise, dass man Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, helfen muss.

Daher gründete Egon Landgraf gemeinsam mit seiner Frau Gabriele eine Stiftung, um in Not geratene Senioren zu unterstützen. Grundlage der Anton-Landgraf-Stiftung ist die Mieteinnahme eines Mehrfamilienhauses. Gut 80 000 Euro fließen so jährlich in die Stiftung, etwa zwei Drittel davon kommt direkt von der Armut Bedrohten zugute. "Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Irene Mattle, die Tochter von Egon und Gabriele Landgraf, die als Geschäftsführerin agiert.

Jedoch steht die Anton-Landgraf-Stiftung, die im Januar vergangenen Jahres ihre Arbeit aufgenommen hat, vor einer überraschenden Herausforderung: "Ich kann´s nicht fassen, den Großteil des Geldes ruft bislang keiner ab", wundert sich Egon Landgraf.

Zehn Prozent der Senioren in Deutschland leben an der Armutsgrenze. "Gemessen daran sind die Anfragen bei der Stiftung gering", sagt Gabriele Landgraf. Erst ein vierstelliger Betrag sei abgerufen worden, berichtet Irene Mattle. Und dies, obwohl es nur minimalen Formalitäten verbunden sei, einen Antrag zu stellen. Wünsche bis zu 500 Euro würden zügig erfüllt; wenn die 500-Euro-Grenze überschritten werde, berate der Stiftungsrat.

Dass das Angebot bislang nur zögerlich ausgeschöpft wird, dafür hat Lisa Hoffmann zwei Erklärungen. Die SPD-Stadträtin und Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt hat gemeinsam mit der Diakonin Beate Wagner die Rolle der Ansprechpartnerin bei der Stiftung übernommen. "Es ist gar nicht so einfach, das Wissen um eine Stiftung zu verbreiten", sagt Lisa Hoffmann. Zudem hätten viele Menschen "Scheu", sich zu melden, obwohl die Hilfe unkompliziert und die Anonymität gewahrt sei. Eine Dame, erzählt Lisa Hoffmann, habe ihr ihre Not anvertraut: Sie habe Hemmungen, denn am Ende kenne doch jeder jeden.

Lisa Hoffmann und Beate Wagner haben Pfarreien, Wohlfahrtsverbände und Wohnungsbaugesellschaften auf die Anton-Landgraf-Stiftung hingewiesen. "Es wird sich rumsprechen", ist Hoffmann überzeugt: "Vor allem, dass die Stiftung unbürokratisch hilft."

Hilfesuchende Menschen ab 60 sollten von der Stiftung profitieren, sagt Irene Mattle. "Auch Senioren, die keine Sozialhilfe erhalten." Die zentrale Idee sei, "Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten". Der Kauf einer Waschmaschine, von Nahrung, Kleidung oder Medikamenten, oder eine Autoreparatur seien Beispiele, wo die Stiftung ihren Zweck erfülle, betont Irene Mattle.

Wenn der Herd kaputt geht...

Viele Leute hätten eine Grundsicherung oder Rente, die knapp über der Armutsgrenze liege, weiß Lisa Hoffmann. Doch wenn der Herd kaputt ist, oder eine neue Matratze oder eine Brille benötigt werde, sei das für einige dann plötzlich nicht mehr leistbar. "Wenn es um solche zusätzliche Bedarfe geht, helfen wir gern." Wobei Lisa Hoffmann auch hervorhebt: "Armut ist etwas, das verborgen wird." So lobenswert es sei, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die Politik müsse die Armut "an den Wurzeln" bekämpfen.

Denn die Bedürftigkeit sei im Wachsen, beobachtet Lisa Hoffmann: "Wir sehen es beispielsweise an der Aktion Weihnachten für alle in Forchheim, dass die Zahl der Armen gestiegen ist."

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