Lichtenfels

Mohammad auf den Weg nach Hause

Der zehnjährige Junge aus Afghanistan, der an eitriger Knochenentzündung in der rechten Hüfte leidet, wurde in Lichtenfels operiert.
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Einmal in einem Hubschrauber sitzen: Für den zehnjährigen Mohammad ging neben der erfolgreichen OP im Klinikum Lichtenfels noch ein weiterer Traum in Erfüllung. Foto: Regiomed
Einmal in einem Hubschrauber sitzen: Für den zehnjährigen Mohammad ging neben der erfolgreichen OP im Klinikum Lichtenfels noch ein weiterer Traum in Erfüllung. Foto: Regiomed

Mit unvorstellbaren Schmerzen im Rollstuhl sitzend wurde der zehnjährige Mohammad im April dieses Jahres von der Hilfsorganisation Friedensdorf International dem Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie am Regiomed-Klinikum Lichtenfels Dr. Jörg Harrer vorgestellt.

Auf Anfrage hatten sich Krankenhausdirektorin Eva Gill und Chefarzt Harrer bereiterklärt, dem afghanischen Jungen zu helfen. Seit Oktober 2018 litt er unter einer schweren, eitrigen Knochenentzündung in der rechten Hüfte. Eine Behandlung war in seiner krisen- und kriegsgeschüttelten Heimat nicht möglich und hätte sich die Familie auch im benachbarten Ausland nie leisten können.

Verzweifelte Hoffnung auf Hilfe

In der Hoffnung auf Hilfe reiste der Vater im Februar mit Mohammad von der Provinz Bamyan in die über 200 Kilometer entfernte Hauptstadt Kabul und stellte seinen Sohn dort beim Afghanischen Roten Halbmond, der Partnerorganisation von Friedensdorf International, vor. Schnell war klar, dass Mohammad dringend in Deutschland behandelt werden muss, um überhaupt eine Lebensperspektive zu haben.

Zweimal war er in der Folge für mehrere Wochen zu Gast im Klinikum Lichtenfels. Dort wurde zunächst die Entzündung behandelt und anschließend der Oberschenkelknochen mehrmals durchtrennt, welcher nun mithilfe eines Fixateurs stabilisiert und kontinuierlich um einen Millimeter pro Tag verlängert wird.

Auf derartige OPs spezialisiert

Dass Jörg Harrer und sein Team den komplexen Eingriff durchführten, ist kein Zufall: Mit einer umfangreichen Expertise in diesem Bereich ist das Klinikum Lichtenfels auf derartige Operationen spezialisiert und überregional bekannt. Nach der Verlängerung, die etwa zwei Monate dauern wird, muss der neu gebildete Knochen schließlich noch für etwa sechs bis acht Monate im Fixateur ausreifen.

Liebevolle Begleitung auf dem Genesungsweg: Während der stationären Aufenthalte wurde der Junge liebevoll vom Pflegepersonal der Klinik um-sorgt. Zusätzlich besuchten ihn ehrenamtliche Friedensdorfbetreuerinnen aus Scheßlitz und Lichtenfels, die ihm am Krankenbett die Zeit vertrieben. Im Sturm eroberte er durch sein freundliches, offenes Wesen die Herzen aller, die ihn auf seinem Genesungsweg begleiteten. Seine Tapferkeit und das tiefe Vertrauen, das er Ärzten und dem Pflegepersonal entgegenbrachte, werden allen in Erinnerung bleiben.

Von einem ganz besonderen Erlebnis wird der kleine Patient noch lange zehren: Als einmal ein Rettungshubschrauber auf dem Dach des Klinikums landete, holte ihn Chefarzt Dr. Harrer mit dem Rollstuhl aus dem Zimmer und fuhr mit ihm aufs Krankenhausdach. Zum ersten Mal in seinem Leben saß der "kleine Pilot" kurz darauf in einem Hubschrauber und strahlte über das ganze Gesicht.

Einige Monate wird der sympathische Junge nun noch in der Heim- und Pflegeeinrichtung, dem Friedensdorf in Oberhausen/NRW, verbringen. Die komplexe Behandlung, die Mohammad in Lichtenfels durchlaufen musste, erfordert eine intensive Kooperation zwischen dem Team des Klinikums Lichtenfels und den Mitarbeiterinnen des Friedensdorfes.

200 Kinder aus acht Nationen

Regelmäßig erhält der Lichtenfelser Chefarzt daher Röntgenbilder, um den Heilungsprozess zu kontrollieren und gegebenenfalls die Einstellung des Fixateurs neu zu justieren. Währenddessen erhält Mohammad in Oberhausen die notwendige Physiotherapie und erholt sich bei Spaß und Spiel mit 200 Kindern aus acht Nationen, bis er im nächsten Jahr wieder zu seiner Familie zurückkehren wird, die ihn sehnlichst erwartet. red

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