Lichtenfels
Unter uns am Obermain (526)  Es gibt Gespräche, die glaubt man nicht. Aber sie werden in Zukunft vielleicht sogar noch bekloppter.

Moderne Zeiten und Gespräche

Markus Häggberg Neulich saß ich in Lichtenfels mit einem Manager zusammen und da tastet man sich natürlich ab. Bildlich gesprochen. Man versucht herauszubekommen, wie der jeweils andere tickt, um sich...
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Markus Häggberg Neulich saß ich in Lichtenfels mit einem Manager zusammen und da tastet man sich natürlich ab. Bildlich gesprochen. Man versucht herauszubekommen, wie der jeweils andere tickt, um sich darauf einzustellen oder darüber zu erheben. Wie ich so mein neckisches Notizbüchlein zücke (vielleicht habe ich aber auch nur mein Notizbüchlein neckisch gezückt), fallen mir die Comic-Figuren darauf auf. Da waren jede Menge Supermans und Batmans, der Rote Blitz war auch da und Wonderwoman sowieso.

Irgendwie zeigte der Manager Interesse an diesem Büchlein und so waren wir auf dem Weg zu einem eigenwilligen Plausch. Die Zeichnungen auf dem Notizbüchlein sind dem Comic-Zeichenstil der späten 70er Jahre zuzuordnen und somit war die Muskulatur der Superhelden ausgesprochen definiert. Als Kind mochte ich das immer sehr und nahm mir fest vor, dass ich, wenn ich mal groß bin, selbst so auszusehen habe. Dem Manager gegenüber stellte ich aber heraus, dass es doch wirklich unsinnig sei, wenn Muskelgruppen angespannt gezeichnet werden, obwohl die Bewegung das doch überhaupt nicht hergibt. Als Beispiel führte ich den Superhelden Grüne Laterne an, der auf meinem Notizbuch ja eigentlich nur einen Schritt vor den anderen setzt, dabei aber nicht nur seinen Musculus latissimus dorsi über Gebühr angespannt hält, sondern auch seinen Musculus pectoralis major und selbst noch die Halsmuskulatur. Das ist doch unsinnig, führte ich an.

"Ach, und dass die da alle fliegen können, das finden Sie nicht unsinnig?", erwiderte der Manager. Ich mochte ihn nicht, irgendwie erreichte unser Gespräch bald einen ziemlich toten Punkt. Aber das lag vielleicht auch daran, dass er mir später seinerseits erzählte, dass er sich für neuartige Zugänge zu biologischen Fragen interessiere. Genau wie meine Freundin vertrat er die These, wonach es mehr als nur zwei Geschlechter geben soll, sogar mehr als drei, 20 oder 50. Exakt seien es 60, meinte er. Auch meinte er, dass es darum Toiletten für Menschen geben sollte, die sich nicht als männlich oder weiblich definieren, sondern für divers halten.

Ob man solche Toiletten dann mit D kennzeichnen sollte, wollte ich wissen und gab zu bedenken, dass Damentoiletten ja auch schon mit einem D gekennzeichnet werden. Überdies zettelte sich noch eine Diskussion darüber an, wie sich 60 Geschlechter auf eine starre Frauenquote auswirken könnten, sollten oder müssten. Ich meine, so was will ja schließlich geregelt werden und in Deutschland erst recht.

Abgesehen davon fand ich Frauen im Vergleich zu Männern immer schon ziemlich divers. Dazu bemerkte der Mann, dass man besser keine Witze über derlei Dinge machen solle. Stattdessen möge ich mich doch bitte mal in die Lage eines solchen bedauerlichen Menschen versetzen, der sich über sein wirkliches Geschlecht nicht oder nicht immer im Klaren ist.

Aber da konnte ich ihn beruhigen, fühlte ich mich an diesem Tag doch als Nummer 61 (ist allerdings nur ein Näherungswert), etwas präziser gesagt als "VFiKH". An diesem Kürzel interessiert, hinterfragte der Mann dieses "VFiKH" im Besonderen und ich erklärte ihm, es stünde für "Verhinderte Forellenzüchter im Körper eines Hausmeisters".

Mein Eindruck war, dass ich nun endgültig verspielt hatte und ich über den Mann nicht an die Fleischtöpfe im Leben gelangen werde. Moderne Gespräche sind eben sehr ernsthaft zu führen, da darf man nicht zu leger sein. Ansonsten waren wir uns in einer Sache aber einig: Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas!

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