Kronach

Modellprojekt wird Auslaufmodell

Zum letzten Mal rücken Siebtklässler am Frankenwald- Gymnasium in eine achte Jahrgangsstufe auf, die sowohl das G8 als auch die Mittelstufe Plus umfasst. Wir sprachen mit Schulleiter Harald Weichert über drei Systeme an einer Schule.
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Fotos: Marco Meißner
Fotos: Marco Meißner

Marco Meissner Noch herrscht Ruhe in der Aula des Frankenwald-Gymnasiums (FWG). Erst am 10. September werden sich die Räume wieder mit Hunderten Schülern füllen. Hinter den Kulissen ist der Betrieb dagegen längst angelaufen. Schulleiter Harald Weichert und seine Kollegen zurren das Korsett für das neue Schuljahr fest. Und da gibt es heuer eine spürbare Veränderung.

"Erstmals seit langem werden wir wieder eine Veranstaltung für Siebtklässler durchführen ohne das Thema ,Mittelstufe Plus‘", stellt der Schulleiter fest. Das FWG zählte zu den bayernweit 47 Pilotschulen, die das Modellprojekt ab 2015/2016 in Angriff nahmen. Nun wird die letzte Runde für den zweigleisigen Weg mit achtstufigem Gymnasium (G8) und Mittelstufe Plus eingeläutet. Die letzten Schüler daraus rücken in die Mittelstufe auf, wo für die Plus-Schüler eine Dehnung des Stoffes durch ein zusätzliches Schuljahr ermöglicht wird. Die Schüler, die im kommenden Jahr in die achte Klasse kommen, sind dann schon im Lehrplan des neuen neunstufigen Gymnasiums (G9) unterwegs.

Die drei Systeme an einer Schule weiterhin unter einen Hut zu bringen, macht Weichert keine Bange. Das G9 wachse kontinuierlich hoch und nehme heuer erstmals die gesamte Unterstufe ein. Mittelstufe Plus und G8 seien inzwischen etablierte Wege, die keiner Nachjustierung mehr bedürften.

Kein Freifahrtschein

Eine Daseinsberechtigung können seiner Ansicht nach alle drei Systeme vorweisen. Die Mittelstufe Plus sei eine gute Ergänzung zu den G8-Regelklassen gewesen. Beide Formen hätten bei den Schülern Interesse geweckt. "Wir konnten eigentlich immer drei gleichgroße Klassen bilden", erklärt er. Und die beiden Varianten boten die Möglichkeit, den individuell geeigneten Weg für die Schüler zu finden. Der von einigen vermutete Freifahrtschein sei die Mittelstufe Plus übrigens nicht gewesen. Manchem Schüler habe die Entschleunigung gut getan - einige hätten sich aber auch verzettelt, weil sie sich zu sehr in die "Hängematte" fallen ließen.

Mit großem Interesse blickt Weichert schon auf das Jahr 2025 voraus. Dann erwartet er eine spannende Situation nach dem Abitur. Es sei ein wenig wie bei Asterix und Obelix im von Römern umringten Gallierdorf, sagt er mit einem Schmunzeln. Die letzten G8-Schüler werden nämlich schon 2024 fertig, die nachfolgenden G9-Abiturienten erst 2026. Das heißt, dass dazwischen in Bayern nur Mittelstufe-Plus-Schüler ihren Abschluss machen werden. Wie die Universitäten mit dieser ungewohnten Lage umgehen werden, vermag der Schulleiter nicht einzuschätzen. "Zu sagen, ob daraus ein Vor- oder Nachteil für die Schüler entsteht, wäre jetzt noch Kaffeesatz-Leserei."

Hilfreiches "Frühwarnsystem"

Derweil rückt das G9 immer weiter in den Jahrgangsstufen auf. "Es ist wie eine Baustelle", sagt der Schulleiter, "insofern, dass man mit jeder Jahrgangsstufe neue Erfahrungen sammelt." Doch schon beim Wechsel vom alten G9 zum G8 hätten die Schulen gelernt, mehrgleisig und mit einem neuen System ihren Unterricht zu gestalten. Deshalb ist Weichert auch jetzt nicht bange.

Schwieriger könnte es für Schüler an der Schnittstelle der Systeme werden, wenn sie wiederholen müssen und aus dem acht- ins neunstufige Gymnasium zurückfallen. Sie müssten sich in einem Lehrplan zurechtfinden, der ihnen nicht vertraut wäre. "Da müsste man trotzdem versuchen, sich anzupassen. Man kommt dann schon in den neuen Takt", stellt Weichert fest. Allerdings sind er und seine Kollegen sehr bemüht, solchen Situationen vorzubauen. Er spricht von einem "Frühwarnsystem am FWG", das gefährdete Schüler rechtzeitig erkennen lässt. So könne man ihnen frühzeitig und individuell passende Hilfen an die Hand geben.

Positiver Effekt

Was die Außenwirkung des neuen G9 angeht, freut sich Weichert über eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. "Das Gymnasium wird nicht mehr gleichgesetzt mit dem Ausruf: ,Hilfe, mein Kind hat vollgeknallte Nachmittage!‘", sagt Schulleiter Weichert. "Das Gespenst des Nachmittagsunterrichts in der fünften und sechsten Klasse hat sich aufgelöst."

Auch wenn die Jugendlichen im G8 - trotz mehr Nachmittagsunterrichts - immer erstaunlich viel Engagement über das schulische Pflichtprogramm hinaus gezeigt hätten, böten sich nun doch größere Möglichkeiten - für Wahlunterricht, Vereinsaktivitäten, aber auch für Hausaufgaben und Lernen.

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