Kronach

Mittendrin, aber nicht live dabei

Insolvenz, Kündigungen, Investorensuche - und noch immer ist unklar, wie es mit Loewe weitergeht. Eine Situation, an der sich in absehbarer Zeit nicht viel ändern dürfte.
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Noch immer läuft die Suche nach einem neuen Investor für das Kronacher Traditionsunternehmen Loewe. Viele Mitarbeiter suchen derweil nach beruflichen Alternativen. Foto: Marco Meißner
Noch immer läuft die Suche nach einem neuen Investor für das Kronacher Traditionsunternehmen Loewe. Viele Mitarbeiter suchen derweil nach beruflichen Alternativen. Foto: Marco Meißner

Marco Meissner Die vergangenen Monate waren für den insolventen Kronacher TV-Gerätehersteller Loewe und seine Angestellten ein Hin und Her zwischen Hoffen und Bangen - bis am 19. Juli verkündet wurde, dass Kündigungen an alle 460 Mitarbeiter gehen werden. Die Suche nach einem Investor und einer möglichen Zukunft - zumindest für Teile des Traditionsunternehmens - läuft dennoch weiter. Und sie wird sich wohl noch einige Zeit hinziehen.

"Ziel ist es, spätestens bis zum Jahresende einen Deckel draufzukriegen", heißt es auf FT-Nachfrage vom Büro Wallner-Weiß, für das Rüdiger Weiß als Insolvenzverwalter das Verfahren begleitet. Sein Büro stellt weiter fest, dass es "zahlreiche Interessenten" gibt und zurzeit "diverse Termine stattfinden".

Hoffnung schwindet

Bei den Angestellten scheint die sehr lange währende Hoffnung auf die Rettung "ihres" Betriebs und eine Rückkehr an den angestammten Arbeitsplatz hingegen zunehmend zu schwinden. Das zeigen Gespräche, aber auch ein Blick auf den Arbeitsmarkt. Immer mehr Loewe-Mitarbeiter hören sich anderweitige Jobangebote an.

Das stößt bei Wallner-Weiß übrigens auf Verständnis. Und letztlich könne die Insolvenzverwaltung diese individuelle Entscheidung auch nicht beeinflussen. Sollte sich später jedoch ein interessanter Investor finden, werde sich das herumsprechen, heißt es. Dann würden sich nach Ansicht des Büros bestimmt Arbeitskräfte für einen möglichen Neustart finden, auch wenn jetzt bereits ein Teil des Personals neue Wege einschlägt.

Den Kopf in den Sand stecken müssen die Loewe-Angestellten vor dem Schritt ins Arbeitsamt offenbar nicht. Wie die Arbeitsagentur Bamberg-Coburg mitteilt, sind diese Arbeitskräfte begehrt.

"Die Arbeitgeber fragen wirklich aktiv nach Loewe-Mitarbeitern", heißt es auf Anfrage des FT seitens der Agentur. Hauptsächlich kämen die Interessenten aus den Bereichen Metall-, Maschinen- und Elektrobau. Aber auch Firmen aus der Verpackungsbranche hätten sich gemeldet.

Zurück zum Unternehmen: Nicht nur die vom Büro selbst gesetzte Deadline für die Investorensuche deutet darauf hin, dass sich hierbei keine schnelle Lösung abzeichnet. "Wir sind noch in der Prüfphase", heißt es von Wallner-Weiß. Alle Interessenten könnten jetzt "reinschnuppern" und sich ein Bild von Loewe verschaffen. Währenddessen komme ein stufenweiser Prozess in Gang. "Es wird dann immer verbindlicher. Dadurch erfolgt quasi immer mehr ein Aussieben", stellt das Büro Wallner-Weiß zur weiteren Suche nach einem geeigneten Investor fest. Dieser Prozess erfordert natürlich Zeit. Auf dem Loewe-Firmengelände herrscht derweil weiterhin kein kompletter Stillstand. Ein Team von circa 40 Mitarbeitern ist noch nicht freigestellt und vor Ort tätig. Von "letzten Abwicklungsverhandlungen" ist die Rede, von "Abverkäufen" und "Ausproduktionen", die noch getätigt werden.

Wie es mit Loewe danach weitergeht, wird sich wohl frühestens mittelfristig abzeichnen. Namen möglicher Investoren jetzt schon in den Raum zu stellen, wäre nach Ansicht von Wallner-Weiß daher pure Spekulation. Daraus folgert sich, dass auch noch immer nicht ad acta gelegte Gedankenspiele zu einem möglichen Erhalt des Standortes Kronach wie ein Blick in die Kristallkugel wären.

Das Zwischenfazit lautet also: Mögliche Investoren sind im Prozess mittendrin. Live dabei, Loewe neu zu gestalten, ist bislang aber noch keiner.

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