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Burgkunstadt

Mitreißend und melancholisch zugleich

Unter dem Titel "John, come kiss me now - Spirit & Pleasure goes Folk" luden am Sonntag vor einem überschaubaren Publikum britische, irische und schottische Weisen zum Träumen ein.
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Einen sehr persönlichen Abend bereiteten Johanna Seitz an der Barockharfe und Christoph Mayer an der Barockvioline ihrem Publikum beim Kultursonntag "John, come kiss me now - Sprit & Plaesure goes Folk".  Foto: Corinna Tübel
Einen sehr persönlichen Abend bereiteten Johanna Seitz an der Barockharfe und Christoph Mayer an der Barockvioline ihrem Publikum beim Kultursonntag "John, come kiss me now - Sprit & Plaesure goes Folk". Foto: Corinna Tübel

"Miss Georgina Mackay's Reel" oder "Morrisons's Jig": Schon die Titel der Stücke versprechen Elan, Sinnlichkeit und Vergnügen. Beim Kultursonntag in Burgkunstadt erlebten die wenigen Zuschauer zahlreiche Gefühlslagen: Heiterkeit, Aufbruchsstimmung, aber auch Melancholie, Herzschmerz und Sorgen. Zum ersten Mal traten die beiden international bekannten Künstler Johanna Seitz an der Barockharfe und Christoph Mayer an der Barockvioline in der Alten Vogtei auf, fühlten sich aber sichtlich "zu Hause".

Schafe, Highlands, Whiskey

Der Titel des Abends "John, come kiss me now - Spirit & Pleasure goes Folk" deutete an, was der Mann an der Violine selbst aussprach: Wer an Irland, Schottland oder England denkt, denkt an Schafe, Highlands, wildes Klima, Steilküsten und Whiskey - und dahin entführten die beiden Musiker in ausgewählten Stücken.

Besonders eindrucksvoll blieb an diesem Abend das "Lament", ein frühes Klagelied, wie Christoph Mayer erklärte. Seine Worteinschübe, die teils poetisch, teils wissenschaftlich anklangen, rundeten die jeweilige Stimmung in Herz und Kopf ab. Auch die Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Komponisten, sofern bekannt, wie etwa Turlough O'Carolan, zeigten: Diese Musik war und ist für das Volk da: Der blinde Mann, dem man heute noch den Titel "größter irischer Nationalkomponist" zuspricht, liebte die Musik und die Kunst, aber auch Bier und Whiskey gleichermaßen und hielt den Überlieferungen zufolge wohl auch so manchen derben Witz aus.

Vielleicht war es ein Stück der Verbundenheit zu dieser Volksnähe heraus, warum sich die beiden Künstler überhaupt in der aktuellen Situation um Corona und verschiedene Vorsichtsmaßnahmen hierzu zu einem Auftritt entschieden haben: "Wir werden nicht mit gedrückten Mienen auf der Bühne stehen. Wir haben so viel Spaß zu zweit und mit unserer Musik - und die überträgt sich in der Regel auch immer auf das Publikum. Diejenigen, die da sind, sollen Freude und Spaß haben", so Christoph Mayer vor der Veranstaltung. Dennoch spricht auch er von einer "Ausnahmesituation". Er betont aber auch: "Oft ist es aber auch die Kunst, die in solchen Zeiten die Stimmung hebt." So bekam der Abend vor einem kleinen Publikum eine sehr persönliche Note, die eventuell nur dadurch etwas getrübt wurde, dass manche Liedtitel nicht für das ältere Publikum ohne ausreichende Englischkenntnisse ins Deutsche übersetzt wurden.

Persönlicher Abend

Verständlich dagegen waren die Erläuterungen zu den Instrumenten der Künstler, die mit Herzblut Besonderheiten und Historie erklärten. So habe die Geige etwa seit ihrer "Erfindung" um 1750 in ihrer Form keine nennenswerte Veränderung erfahren, sie sei von Anfang an perfekt auf die Welt gekommen, so Seitz. Dies unterscheide sie von vielen anderen stetig weiterentwickelten Instrumenten. Auch die Barockharfe ließ das Publikum staunen: So wiegt das imposant erscheinende Instrument mit 90 Saiten gerade mal acht Kilogramm - eine moderne Konzertharfe dagegen um die 40. Leicht und beschwingt erklangen die Töne, aber auch düster und ausweglos. Mal schien sich der Zuhörer auf einer Wanderung im Sonnenschein zu befinden, kurze Zeit später schienen Wolken aufzuziehen - und das auf hohem Niveau.

Während Johanna Seitz auf Festivals in ganz Europa auftritt, u .a. am Mozarteum in Salzburg unterrichtet und ihrer Passion für originale Harfenmusik nachgibt, spielt ihr Musikpartner in vielen renommierten Barockorchestern. Auch er lehrt den Nachwuchs, ist als Kammermusiker und Dirigent aktiv und möchte vor allem durch die Entwicklung neuer Konzertformen das "Livekonzert", das echte Erleben von Musik, wieder in den Fokus bringen.

Eine Besucherin aus Altenkunstadt verriet am Ende des Konzerts: "Mal habe ich mich gefühlt wie in einer irischen Bar, mal auf einer Weide, mal mit meinem Mann, mal alleine in Gedanken versunken. Ein wunderbarer Abend! Ich habe solche Musik vorher nicht gekannt!"