Lichtenfels
Gericht

Mit zwei Bier ziemlich mittig unterwegs: Gericht lässt Milde walten

Zwei Weißwürste samt Apfelschorle zum Frühstück und vier Tassen Kaffee am Nachmittag sollten nicht ausreichen, um die beiden Biere am Nachmittag nicht auffällig anschlagen zu lassen. Doch der Mann set...
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Zwei Weißwürste samt Apfelschorle zum Frühstück und vier Tassen Kaffee am Nachmittag sollten nicht ausreichen, um die beiden Biere am Nachmittag nicht auffällig anschlagen zu lassen. Doch der Mann setzte sich ins Auto, fuhr los und entwickelte einen auffälligen Fahrstil. Am Ende sollte es nicht ganz so schlimm für den bald 60-jährigen Staffelsteiner kommen, der als Kraftfahrer tätig ist.

Seine Befürchtung vor und während der Verhandlung am Dienstag im Amtsgericht war, dass er durch eine Verurteilung mit überlanger Fahrsperre schlichtweg seinen Job los sein könnte. Tatsächlich mochte für einen unbeteiligten Zuhörer diese Gefahr bestanden haben, denn spätestens bei der Aussage eines Polizeibeamten, der dem Mann am 5. Januar dieses Jahres gegen 17.20 Uhr in einem Staffelsteiner Ortsteil nachfuhr, stand das zu befürchten: "Er war mit 90 km/h statt mit 60 mittig auf der Fahrbahn unterwegs", so der Beamte. Wenig später habe der Mann gar "eine scharfe Linkskurve ganz links genommen". Also suchte man ihn anzuhalten und sendete eindeutige Signale. Erst habe das Stopp-Signal aufgeleuchtet und als das nicht bemerkt oder ignoriert wurde, habe man das Blaulicht dazu geschaltet. Letztlich sollte noch das Martinshorn ertönen, bis der 59-Jährige anhielt und sich ins Gespräch mit den Beamten begab. Die aber, so ein 46-Jähriger jener Beamten im Zeugenstand, hätten "in Atemluft Alkohol wahrgenommen". Was folgte, war der Alkoholtest. Aber hierbei kann man Fehler machen, kann man sich sträuben, falsch pusten und das Gerät nicht ordnungsgemäß handhaben. Es habe zehn Anläufe bedurft, so der Polizist, bis letztlich immer noch kein auswertbares Ergebnis vorlag.

Test ergibt 0,6 Promille

Also kam es zum Bluttest und der ergab dann nach 18 Uhr einen unmissverständlichen Wert von 0,61 Promille. So landete die Sache erst bei der Staatsanwaltschaft und dann im Sitzungstag von Richter Alexander Zenefels. "Ich bin ganz überrascht, weiß gar nicht, wo das herkommt", erklärte der wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr angeklagte Mann. "Es ist nicht außerhalb des Denkbaren, dass es von den zwei Bieren kommt", entgegnete Zenefels zu der Menge Bier, bei der es sich ja immerhin um einen Liter handelte. Zu der Verzögerung, mit der er auf die Signale der Polizisten eingegangen ist, erklärte der 59-Jährige, er habe "erst nicht gewusst, was die von mir wollten".

Tatsächlich gab es aber auch Plausibles in den Äußerungen des Angeklagten. Vor allem sein Verteidiger Daniel Linster hob diese hervor. So erlaube die Strecke, auf der der Mann so weit links fuhr, eine weite Sicht auf den Zielort, weshalb sein Mandant ruhig in der Mitte habe fahren können. Noch dazu, wo es eine alltägliche Fahrstrecke für ihn war. Auch ein Brief vom Arbeitgeber des Angeklagten, der laut seines Bundeszentralregisters auch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, sorgte für ein Aufhorchen. In ihm stand, dass für den Fall des Führerscheinverlusts der Job dahin wäre, da es zu keiner anderweitigen Einsetzbarkeit im Betrieb kommen könnte.

Staatsanwalt Mario Geyer hielt dem Angeklagten auch zugute, dass die Linkskurve weit einsehbar war und dass es auch laut Polizeiaussage nie zu einer "Schlangenlinienfahrt" kam. Seine Forderung: 500 Euro Geldstrafe und ein Monat Fahrverbot. Dem schloss sich Linster an und im Ergebnis sollte auch genau das herauskommen. Allerdings nicht für eine fahrlässige Trunkenheit im Verkehr, sondern für eine durch Alkohol bedingte Fahrlässigkeit im Gebrauch eines Kfz. Was den Fahrstil anbelangte, so hielt der Richter fest, dass "salopp zu fahren für einen ortskundigen Fahrer Routine gewesen sein" mochte.

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