Kronach

Mit "Zoey" zurück ins Leben

Schlimme Angstzustände erschweren Elisa T. den Kontakt zu anderen Menschen. Die Ausbildung ihres Hundes zu einem "Assistenten" durch die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing in Kronach könnte ihr helfen.
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Ein speziell ausgebildete PTBS-Assistenzhund kann den Schritt vor die Tür bzw. hinaus ins Leben erleichtern. Foto: pr
Ein speziell ausgebildete PTBS-Assistenzhund kann den Schritt vor die Tür bzw. hinaus ins Leben erleichtern. Foto: pr

Elisa T. (Anm.: Name geändert) leidet an einem sogenannten posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS), ausgelöst u.a. durch Gewalt und Missbrauch in der Kindheit. Sie ist 46 Jahre alt, wohnt im Landkreis Kulmbach und ist gelernte Bauzeichnerin. Ihren Beruf kann sie aufgrund der krankheitsbedingten, starken Beeinträchtigungen mit einem Grad der Behinderung von 70 Prozent nicht mehr ausüben. Zu groß ist die Angst, sich unter Menschen zu begeben. Helfen könnte ihr die Ausbildung ihres Hundes "Zoey" zu einem PTBS-Assistenzhund.

Zwischenmenschliche Kontakte (Telefonieren, Treffen mit Freunden, Einkaufen, Arzt- und Ämtertermine, etc.) sind für Elisa stark stressbehaftet und oft überhaupt nicht möglich. Die Angst vor Übergriffen ist allgegenwärtig. Neue Situationen meidet sie gänzlich.

Ein Hund, der Raum schafft

Elisa erhofft sich von einem PTBS-Assistenzhund, dass dieser ihr die notwendige Sicherheit in Alltagssituationen vermittelt. Sie erhofft sich, dass durch eine "tierische" Begleitung ihr Stresspegel sinkt und sich ihre Ängste reduzieren. Der PTBS-Assistenzhund soll ihr Raum verschaffen, indem er Elisa einen Sicherheitsabstand zwischen ihr und einer fremden Person schafft. Einen solchen "Sicherheitsabstand" benötigt Elisa zum Beispiel beim Einkaufen an der Kasse dringend.

Der PTBS-Assistenzhund bildet eine Brücke zur Außenwelt. Er hilft, Stress und Ängste zu reduzieren, und schafft mehr Energie für soziale Kontakte. Er begleitet Elisa Schritt für Schritt auf dem Weg zurück ins Erwerbsleben - wenn es auch anfangs nur für wenige Stunden sein werden. Der PTBS-Assistenzhund hilft auf dem langen Weg zurück ins Leben.

Elisa beschreibt ihre Situation wie folgt: "Nachts habe ich oft Alpträume und tagsüber Flashbacks. Hier durchlebe ich die Traumata erneut. Mein Körper zeigt das durch Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern. Manchmal dauert es Stunden, bis ich mich von der Angst lösen und mich beruhigen kann. Dies empfinde ich als große seelische Belastung. Hinzu kommen Dissoziationen. Bei zu großem Stressempfinden oder triggernden Situationen ,klinke' ich mich aus. Ich habe rückblickend an diese Situationen keine Erinnerung mehr. Diese Blackouts können über mehrere Stunden anhalten und verunsichern mich zusätzlich. Hier wünsche ich mir, dass ein Assistenzhund die Abläufe unterbricht. Das heißt, dass er mich bei einem Alptraum aufweckt und das Licht anschaltet. Bei Flashbacks und Dissoziationen kann ein Hund ebenfalls den Kreislauf durch Anstupsen durchbrechen und so das negative Erleben verkürzen."

Elisa hat die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing - Rettungshundestaffel & Therapiehundezentrum - in Kronach gebeten, ihren Hund "Zoey" als PTBS-Assistenzhund auszubilden. Die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing ist die einzige Organisation im deutschsprachigen Raum, die sowohl von der European Association for Animal Assisted Therapy (ESAAT) akkreditiert und von der Animal Assisted Intervention International (AAII) zertifiziert ist. Die Expertise des Vereins ist einzigartig. Und obgleich die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing als gemeinnütziger Verein ehrenamtlich arbeitet, ist die Ausbildung eines PTBS-Assistenzhundes mit Kosten verbunden. Kosten, die von Elisa aufgrund ihrer andauernden Arbeitsunfähigkeit nicht aufgebracht werden können.

2600 Euro fehlen noch

Die Arbeitsgemeinschaft Mantrailing hat sich bereiterklärt, die Begleitung des Mensch-Hund-Teams und die Ausbildung von "Zoey" als PTBS-Assistenzhund zu übernehmen. Auch die Hälfte der Ausbildungskosten trägt der Verein. Dennoch werden noch 2600 Euro benötigt, damit Elisa der Weg zurück ins Leben ermöglicht werden kann. Deswegen bittet der Verein um Unterstützung in Form von Spenden, die steuerlich abzugsfähig sind. Übrigens: Der angehende PTBS-Assistenzhund "Zoey" (geb. ca. 2017) wurde von einer Tierschützerin aus einer ausländischen Tötungsstation ausgelöst. red



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