Zeil am Main

Mit Willensstärke durchs Leben

Die Neubrunnerin Frieda Geissendoerfer feierte in Zeil den 100. Geburtstag.
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Gemeinsam sind sie 270 Jahre alt: Zum 100. Geburtstag von Frieda Geissendoerfer (Mitte) gratulierten Bruder Hermann (links) und Schwester Klothilde.
Gemeinsam sind sie 270 Jahre alt: Zum 100. Geburtstag von Frieda Geissendoerfer (Mitte) gratulierten Bruder Hermann (links) und Schwester Klothilde.
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Christiane Reuther "Warum 100 Jahre?", wundert sich Frieda Geissendoerfer insgeheim. Aber die Hundert sind eine Tatsache. Die rüstige Seniorin feierte am Freitag im Seniorenzentrum in Zeil ihren 100. Geburtstag.

Viele Gratulanten waren gekommen, um die "Mutti", wie sie von ihren Verwandten liebevoll genannt wird, hochleben zu lassen. Unter anderem gratulierten der stellvertretende Landrat Michael Ziegler, Zeils Dritte Bürgermeisterin Christl Pottler, Pfarrer Michael Erhart, Neubrunns Bürgermeister Karl Heinz Kandler und die ehemalige Betriebsrätin Rosl Pflaum (Firma Kugelfischer).

Als ältestes von sieben Geschwistern hat Frieda Geissendoerfer, eine geborene Knab, in Neubrunn das Licht der Welt erblickt und ist auch dort aufgewachsen. Die Kindheit war nicht leicht, wie sie sich erinnert.

Der Vater war krank, und so musste die junge Frieda schon von Kindheit an in der elterlichen Landwirtschaft mithelfen und für die Großfamilie kochen. Als junges Mädchen ging Frieda nach Lülsfeld in die Haushaltsschule, um danach als Hauswirtschafterin in einem Geschäftshaushalt in Schweinfurt zu arbeiten.

In Schweinfurt lernte sie mit Wilhelm, genannt Willi, die große Liebe ihres Lebens kennen. Mit ihm gründete sie 1940 eine eigene Familie und zog zur Großfamilie ins Elternhaus in Neubrunn. Tochter Erika kam 1941 zur Welt. Es folgten die Söhne Wilhelm (1948) und Werner (1950) sowie die Tochter Rita (1952). Bis auf Tochter Rita, die seit 30 Jahren in Hamburg lebt, sind alle Kinder bereits in jüngeren Jahren verstorben. Der Lebensmittelpunkt war stets die Familie, zu der im Laufe der Jahre noch sieben Enkel und drei Urenkel kamen.

Nachdem sich der Ehemann von der Familie getrennt hatte, ist Frieda Geissendoerfer als alleinerziehende Mutter 25 Jahre lang Tag für Tag bei Wind und Wetter von Neubrunn mit dem Fahrrad zur Firma "Kufi" nach Eltmann gefahren. Ihren Haushalt hat die Jubilarin bis ins hohe Alter mit der Unterstützung der Familienangehörigen selbst versorgt. Gesundheitsbedingt ist sie mit 99 Jahren ins Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt nach Zeil gezogen, wo sie mit ihrer 93-jährigen Schwester Klothilde Dehn in einer Gruppe wohnt.

Frieda Geissendoerfer war zeit ihres Lebens ein großer Fußballfan und hofft natürlich, dass ihr Lieblingsverein, der FC Bayern München, am heutigen Samstag die Meisterschaft unter Dach und Fach bringt. Als gute Köchin war die Jubilarin in jungen Jahren gefragt, vor allem bei Hochzeiten kochte sie auf.

Aus ihrer Heimatgemeinde Neubrunn, die sie als "Nabel der Welt" bezeichnet, wollte die Seniorin nie weg. In der Dorfgemeinschaft von Neubrunn über Jahrzehnte hinweg fest integriert, ist die Jubilarin eine große Gönnerin der örtlichen Vereine. Umso mehr freute sie sich über das Geburtstagsständchen der Neubrunner Dorfmusikanten. Lange Jahre hatte sie für das Neubrunner "Käppele", das in der Nähe ihres Wohnhauses steht, Sorge getragen, dass es erhalten bleibt, und die Sanierung finanziell unterstützt.

Frieda Geissendoerfer hat stets ihre eigene Meinung vertreten. Ein eiserner Wille und die eigene Stärke, die sie als Alleinerziehende wie auch beim Neubau eines eigenen Familienhauses in ihrer Heimatgemeinde an den Tag legte, sowie ein einfaches und karges Leben könnte man als Rezept für die zehn bewegten Lebensjahrzehnte der Jubilarin aufführen.

Frieda Geissendoerfer blickt dankbar auf die 100 Jahre.

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