Ebern

Mit wachem Geist und "Altersmilde"

40 Jahre in kirchlichen Diensten sind für Eberns Pfarrer Pater Rudolf Theiler Anlass für eine Zwischenbilanz.
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Eckehard Kiesewetter Cäsar hält ihn ganz schön auf Trab, denn der Labrador-Rüde ist trotz seiner drei Jahre noch mächtig verspielt. Er ist eine der großen Freuden im Privatleben des Rudolf Theiler. Außerdem schwimmt der katholische Priester gerne, aber das ist dann schon wieder ein Heilmittel, vom Arzt verordnet, denn "die alten Knochen" machen nicht mehr so mit. Der Karmelitenpater, der seit 13 Jahren als Stadtpfarrer in Ebern und zudem als Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft "Gemeinsam unterwegs" (Ebern-Jesserndorf-Unterpreppach) fungiert, ist 68 Jahre alt, also eigentlich im besten Rentenalter.

Aber bei Kirchenmännern gibt es die Rente mit "60 plus" nicht. Die arbeiten, bis sie nicht mehr können. Das ist auch bei Theiler so, denn ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Er will seinen Schäfchen in den Haßbergen treu bleiben.

"Ziemlich lang, und doch kurz"

Und doch ist das 40. Jubiläum seiner Priesterweihe eine Zäsur. Theiler beging dieses Jubiläum am Montag, 20. Mai; die offizielle Feier mit großem Kirchenchor und unter Beteiligung etlicher Priesterkollegen findet im Gottesdienst am Pfingstsonntag statt. "Solche Jubiläen zeigen einem selbst, dass man alt wird", sagt der gebürtige Oberfranke.

"Eine ziemlich lange Zeit ist das, auch wenn ich immer noch das Gefühl habe, sie wäre kurz." Heute erlebt er selbst die Konzentration für einen Gottesdienst als körperlich anstrengend und ist abends oft viel zu geschafft, um noch die geplante Büroarbeit zu erledigen. Eine Lungenembolie und ein Unfall, bei dem er vor Jahren das rechte Augenlicht verlor, haben dem Geistlichen zugesetzt.

Der Körper altert, doch der Geist ist jung geblieben. Die gleiche Erfahrung hatte der gebürtige Oberfranke schon früher mehrfach gemacht. Zum Beispiel, als er sich mit knapp 40 Jahren als Stadtjugendseelsorger in Erlangen bei Zeltlagern eingestehen musste, dass es nichts mehr für ihn ist, spät nachts noch am Lagerfeuer zu sitzen, oder als die Jugendlichen, die allesamt im Kreis am Boden saßen, für ihn als einzigem einen Stuhl bereitstellten. Ähnlich erging es ihm später als Bamberger Hochschulpfarrer bei nächtlichen Studententreffen mit Alkohol und lauter Musik.

"Irgendwann merkt man, man passt nicht mehr hinein, die Phase ist vorbei", sagt Theiler, der sich inzwischen mehr in der Seniorenarbeit beheimatet fühlt.

Ja, wenn er noch jünger wäre, dann würde er sich einmischen, auch politisch das Wort ergreifen, wie er das früher tat. Jasagen war nie das Ding des Rudolf Theiler, eher ein entschiedenes "Jetzt-erst-recht" - ein "68er" eben.

"Was mir die Leute nicht zugetraut haben, hab ich erst recht gemacht", sagt Theiler. So schaffte er Zweiflern zum Trotz das Abitur, so wurde und blieb er Ordensmann und so studierte er Theologie. Statt nach dem "Warum" zu fragen, fragte er stets: "Warum nicht?"

An der Uni initiierte er Patenschaften mit dem Ausland, engagierte sich für Arbeitslose und im Ausländerbeirat.Die schönen Erfahrungen in der kirchlichen Jugendarbeit oder die Zeit als Studentenpfarrer wünscht er sich manchmal zurück: "Da konnte ich machen, was ich wollte, mich selbst einbringen". So hat er Städtepartnerschaften mit Jena und Wladimir, Städte in der damaligen DDR und Sowjetunion, mitbegründet oder Gastvorlesungen in Russland gegeben sowie Reisen organisiert.

Überhaupt hat ihm die Internationalität seines Ordens zu Auslandsaufenthalten quer über den Erdball verholfen. Wohin es ihn auch zog, nach Brasilien, Indien, Kenia oder in die USA, "in den Ordenshäusern der Karmeliten war ich immer ein Stück daheim".

Bis heute hat Rudolf Theiler beste Verbindungen nach Erlangen, wo er immerhin 17 Jahre wirkte. Dem dortigen Konvent gehört er an und dort könnte er auch seinen Lebensabend verbringen - wenn er wollte. Die längste Zeit war er in Bamberg, wo er neben der Hochschulseelsorge unter anderem als Mitglied der Provinzleitung und als Leiter des Bildungshauses Marianum wirkte. "Auch dort hätte ich ein Appartement", sagt er.

In Ebern zuhause

Tatsächlich aber will Theiler in Ebern bleiben und weiterhin als Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft wirken. Hier fühle er sich beheimatet und hier hat er die Leistungen der vielen Freiwilligen und Ehrenamtlichen schätzen gelernt, die das Gemeindeleben in Ebern und den westlichen Stadtteilen auch während seiner Krankenhausaufenthalte aufrechterhielten. "Gemeinsam unterwegs" sei offenbar doch mehr als nur ein frommer Wunsch. "Auf unsere Mitarbeiter kann man sich voll verlassen", sagt Theiler. Er bleibt dabei, auch wenn es immer wieder unterschiedliche Auffassungen gebe, wenn er sich inzwischen über die Unnachgiebigkeit und Unversöhnlichkeit mancher seiner Mitmenschen wundere.

Auch bedauert er, dass zu viel im rein innerkirchlichen Bereich geschehe, die Arbeit in der Pfarrei zu wenig auf das Gesamtgesellschaftliche ausgerichtet sei. Früher gab es Bildungsausschüsse, Fahrten und Brasilienkreise, heute dagegen würden nur noch Pfarrfeste organisiert und Kommuniontreffen vorbereitet. Ein Segen ist aus seiner Sicht das Engagement des Bamberger Zahnarztes Stefan Dietrich, der sich ehrenamtlich und unentgeltlich als pastoraler Mitarbeiter einbringt und für viele Menschen in der Pfarreiengemeinschaft zu einer wichtigen Kontaktperson geworden ist.

Im Stich gelassen

Frustriert ist Theiler dagegen wegen der schlechten Besetzung der Pfarreiengemeinschaft mit hauptamtlichen Kräften; eine Situation, die sich nach dem Ausscheiden von Pater Richard Pfletschinger (der Salesianer beendet zum Monatsende mit 80 Jahren aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst) weiter zuspitze. Der Versuch, den Salesianerpater Alfons Blüml (72 Jahre) als Ersatzkraft für Ebern zu gewinnen, scheitere an einem Veto des Dekanats. So fühlt sich Pfarrer Theiler in der Seelsorge alleingelassen, worunter beispielsweise die so wichtige kirchliche Jugendarbeit empfindlich leide. Sozialarbeiter und -pädagogen oder Religionslehrer stünden durchaus zur Verfügung, erklärt der Pfarrer, aber da bewege sich die Kirche zu wenig.

"Manchmal", sagt der Jubilar gegen Ende des Gesprächs, "bin ich froh, dass ich so alt bin". Dadurch sei er ruhiger geworden, nicht mehr so impulsiv, ja, altersmilde: "Mich bringt nichts mehr so leicht aus der Fassung." Dies halte ihn heute davon ab, zu verzweifeln oder gegen Wände anzurennen: "Manches ist schon sehr enttäuschend in der Kirche." Sagt er und krault Cäsar das weiße Fell. Das beruhigt.

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