Untermerzbach

Mit wachem Blick auf Ratstisch

Erhard Büchner verfolgt seit über 40 Jahren Sitzungen des Gemeinderates Untermerzbach vor Ort. Er macht sich Gedanken über die Entscheidungen und die Diskussionen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Meist auf dem selben Zuhörerplatz im Sitzungssaal des Rathauses Untermerzbach nimmt Erhard Büchner Platz. Bei den Sitzungen des Gemeinderates ist er ganz Ohr.  Foto: Helmut Will
Meist auf dem selben Zuhörerplatz im Sitzungssaal des Rathauses Untermerzbach nimmt Erhard Büchner Platz. Bei den Sitzungen des Gemeinderates ist er ganz Ohr. Foto: Helmut Will

Wenn Bürgermeister Helmut Dietz aus Untermerzbach bei Sitzungen des Gemeinderates oder eines Ausschusses zum Auftakt die Anwesenden begrüßt, nennt er immer wieder "unseren treuen Zuhörer." Gemeint ist damit Erhard Büchner aus Untermerzbach, der sich für das Geschehen in seiner Gemeinde interessiert und auch kritisch über die Amtsführung der Bürgermeister, die er miterlebt hat, urteilt.

Der heute 73-jährige Erhard Büchner kam im Jahr 1971 von Dürrnhof nach Untermerzbach. "Ich kann sagen, dass ich in jeder Gemeinderats- oder Bauausschusssitzung war, wenn ich nicht durch irgendeinen Umstand verhindert war", sagt der treue Zuhörer. Auch er persönlich war und ist nicht mit allem einverstanden, was im Gemeinderat beschlossen wird. Erstmals kam er in Konflikt mit der Gemeinde, als es im Jahr 1984 um Erschließungskosten ging, die mit rund 2000 Mark angekündigt wurden, sich dann aber auf 12 000 Euro beliefen. "Damals war Jakob Becker Bürgermeister", sagt Eberhard Büchner.

Wie er weiter sagt, hat er einige Ungereimtheiten festgestellt, wogegen er vorging. "Das war für mich Anlass, mich näher mit dem Gemeindegeschehen zu befassen. Ich möchte immer informiert sein, was sich so am Ratstisch tut", sagt Erhard Büchner, der seit mehr als 40 Jahren im Rathaussitzungssaal anzutreffen ist.

Ihm ist es wichtig, diejenigen, die gewählt wurden, am Ratstisch kennenzulernen, zu sehen, wie sie sich einbringen, was sie von sich geben, was beschlossen und letztendlich auch entsprechend umgesetzt wird. Zu seinen Besuchen des Bauausschusses sagt Büchner: "Da bekommt man oft mehr mit, als wenn das dann im Gemeinderat behandelt wird, und man kann sich bei Ortseinsichten auch ein Bild machen", weiß er.

Manchmal höre man im Gemeinderat auch Sachen, die man nicht begreifen könne. "Da möchte ich manchmal was dazu sagen, was aber nicht erlaubt ist." Ihn ärgert es manchmal, wenn Geld ausgegeben wird für Sachen, die es nach seiner Meinung nicht bräuchte oder die man billiger haben könnte.

An Friedrich Gunsenheimer als Bürgermeister von Untermerzbach kann er sich weniger erinnern. So richtig verfolgte er das Gemeindegeschehen erst ab der Amtszeit von Jakob Becker. "Der war einer, der stets viel versprach, aber letztendlich nur wenig davon hielt", sagt Erhard Büchner nachdenklich.

Walter Eichhorn sei ein Bürgermeister gewesen, der stets "seinen Kopf" durchsetzen, seine Vorstellungen mit aller Gewalt durchbringen wollte. Über den amtierenden Bürgermeister Helmut Dietz sagt Büchner, dass man mit ihm reden könne. Dietz nehme die Bürger ernst und sei ein Praktiker, der von der Sache, vor allem was das Bauwesen betrifft, etwas verstehe.

Warum hat sich Erhard Büchner nicht selber in die Kommunalpolitik eingebracht? "Bei der CSU war ich einmal auf der Liste für den Gemeinderat, aber ich war mir im klaren, dass ich nicht den Sprung an den Ratstisch schaffen werde, was dann auch so kam." Vorsitzender beim VdK war Büchner zehn Jahre.

"Toller Erfolg"

Was hält er für besonders wichtig für seine Gemeinde? "Ich sehe es als tollen Erfolg unserer Gemeinde, dass die VBG, die gesetzliche Unfallversicherung mit ihrer Akademie, ins Schloss kam", sagt Büchner. Das sei für Untermerzbach gut und habe auch Außenwirkung. Er freut sich auch, dass das Feuerwehrhaus verwirklicht werden konnte, auch wenn es 15 Jahre gedauert habe, bis es soweit war. "Das Feuerwehrwesen in unserer Gemeinde halte ich für spitze", sagt Büchner. Auch die Sanierung und der Erhalt der Grundschule seien in Ordnung und die gemeindeeigene Bibliothek, das "Komm", sei eine Anlaufstelle für Jung und Alt. Als Belastung in finanzieller Hinsicht für die Gemeinde sieht er das Präckleinhaus in Memmelsdorf. "Da wurde wahnsinnig viel Geld reingesteckt, aber was bringt es für die Gemeinde?", fragt sich Büchner. Die Bürgerwerkstatt, die noch nicht lange eröffnet wurde, sieht der "Gemeindebeobachter" mehr als Prestigeobjekt. Ob das unbedingt nötig war, bezweifelt er.

Erhard Büchner jedenfalls will, solange es gesundheitlich möglich ist, weiter mit wachem Blick das Geschehen seiner Heimatgemeinde begleiten.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren