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Dechsendorf

Mit Tretbooten im Weiher gestrandet

Existenzangst  Der Dechsendorfer Weiher ist ein traumhaftes Erholungsgebiet, dachte sich ein Forchheimer und nahm in den Ferien seinen Enkel und dessen Freund auf einen Ausflug mit. Doch entwickelt sich das Gewässer langsam zum Alptraum - vor allem für den Bootsverleiher Norbert Ratzka.
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Norbert Ratzka zeigt den beiden Jungs Leo und Emil sowie Helmut Haselmann, wo die Boote normalerweise liegen. Nun sind dort Algen, die den Bootsbetrieb verhindern.  Foto: Michael Busch
Norbert Ratzka zeigt den beiden Jungs Leo und Emil sowie Helmut Haselmann, wo die Boote normalerweise liegen. Nun sind dort Algen, die den Bootsbetrieb verhindern. Foto: Michael Busch

von unserem Redaktionsmitglied 
Michael Busch

Dechsendorf — Es war eine gute Idee. Das fand zumindest der Forchheimer Helmut Haselmann, als er seinen Enkel und dessen Freund zu sich rief, um ihnen das Programm für den Ferientag vorzustellen. "Wir fahren an den Dechsendorfer Weiher und dort Tretboot, habe ich den beiden, Leo und Emil, gesagt. Die waren natürlich sofort Feuer und Flamme."
Doch das Bild, das sich dem Trio dann zeigt, hat mit Idylle, Freizeitspaß oder Naherholung nichts zu tun. Weite Teile des Weihers sind mit Algenteppichen bedeckt. Und am Bootsverleih steht der frustrierte Norbert Ratzka. "Das wird heuer nichts", meint er mit einem Blick auf den Weiher.

35 Boote in der Garage

Es hat die letzten Jahre immer wieder Probleme gegeben, aber heuer sei es extrem. Die Blaualgen hätten seine Gäste, darunter der Stammgast Haselmann, immer weggesteckt. Die durften dann halt nicht schwimmen gehen, aber wenigstens war die sportliche Kahnfahrt möglich. Trotz immer weniger werdender Gäste hatte er immer sein Ein- und Auskommen mit seinem kleinen Geschäft.
35 Boote, davon sechs Elek trobootchen, sind normalerweise auf dem Wasser zu sehen. In diesem Jahr haben die Boote den Schuppen noch nicht verlassen. Denn das erste Quartal sei nicht durch den Algenteppich ein Problem gewesen. "Wir hatten zu wenig Wasser im Weiher", beklagt der Dechsendorfer.
Es ist üblich, dass der Weiher Jahr für Jahr im Herbst abgelassen wird. Über die Wintermonate füllt sich das natürliche Bassin wieder und im Grunde ist bereits zur Schlittschuhsaison der Weiher gut gefüllt. In diesem Jahr ließ die Stadt die Schotten im unteren Bereich des Weihers allerdings offen. Große Mengen des einfließenden Wassers strömßen durch den Priel im Weiher regelrecht hindurch.
"Gut ein Meter fehlte mir, um die Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen in Richtung der Stege, und nach unten war das Wasser ebenfalls zu niedrig, da ich mindest 50 Zentimeter Wasserhöhe benötige, um überhaupt fahren zu können."
"Wir haben das Wasser tatsächlich nicht aufgefangen", gibt Reiner Baum vom Umweltamt der Stadt Erlangen zu. Das habe aber einen Grund gehabt. Denn das einfließende Wasser sei stark belastet gewesen, so dass man das Risiko nicht eingehen wollte, dass sich diese Mengen an Schadstoffen im Weiher absetzen. Erst wenn die Fischwirte ihre Weiher abgefischt hätten, werde das Wasser wieder gesammelt.
Baum ergänzt: "Wir hatten aber auch einen ausgesprochen trockenen Winter, so dass in der Folge Wasser fehlte." Einen schwimmenden Steg statt der festen Installation habe man vorgeschlagen, "damit kann Herr Ratzka sich den jeweiligen Gegebenheiten anpassen und die Fahrzeuge unabhängig der Wasserhöhe einsetzen". Das macht es für Ratzka zunächst nicht einfacher, zumal solch ein schwimmender Steg eine ordentliche Investition bedeute. Das gesamte Frühjahr fiel als Einnahmezeit aus. Seit wenigen Tagen ist der Wasserstand etwas höher, dafür sind nun die Algen da. "Das passiert, das ist auch gar nicht das Thema", meint Ratzka. Ihn ärgert aber, dass sich von der Stadt keiner gemeldet habe.
Das wiederum bestreitet Baum. "Der Oberbürgermeister selber hat bereits einen Brief in der Sache geschrieben." In der Algenfrage werde man nächste Woche aktiv. "Das Sport- und Bäderamt rückt mit einem Mähboot an, damit sollen die Algen beseitigt werden", kündigt Baum an. Bereits jetzt würden immer wieder Algen aus dem Weiher genommen.
Drei Generationen, 50 Jahre lang, wird der Verleih von den Ratzkas betrieben. Nun steht der Kleinunternehmer vor dem Aus. "Im Sommer verdiene ich ja auch das, was ich im Winter ausgebe - was soll ich denn jetzt machen?" Denn eines bleibt ebenfalls nicht aus: die Betriebskosten.
"Ich habe erst die Stege gemacht", sagt Ratzka. "Für nichts und wieder nichts." Auf mindestens 10 000 Euro belaufen sich die Kosten im Jahr - ohne die Pacht. Ein weiteres Problem, das auch nicht geklärt ist. Die Pacht geht nämlich an die Stadt Erlangen. "Ich weiß nicht, ob die mir erlassen wird." Es sei allerdings kein großer Pachtbetrag, den Ratzka bezahlen müsse, erklärt der städtische Vertreter Baum auf Nachfrage.
"Wir wissen, es ist ein schwieriges Jahr. Aber wir sehen den Schimmer am Horizont, dass die Umlaufleitung den gewünschten Erfolg bringt!" Baum ist zuversichtlich, dass der Dechsendorfer Weiher nach dieser Maßnahme wieder den Ertrag für alle Beteiligte bringt.
Ratzka ist nicht der Einzige, der klagt. Die beiden Kioske am Weiher haben Einbußen, das Forsthaus, eine Gaststätte direkt am Weiher, der Campingplatz - alles Gewerbetreibende in Erlangen, klagen über die ausbleibenden Einnahmen.

Angst vor dem Aus

Ratzka lacht bitter auf: "Es ist vor allem heftig, wenn man sieht, wie der Weiher beworben wird: Boote von mir, Segelboote der beiden Vereine in Dechsendorf, Schwimmer und eine wunderbare Umgebung - und nichts davon ist da!"
Die Stadt Erlangen hat auf ihrer Seite im Internet mittlerweile alle Bilder entfernt. Helmut Haselmann versucht Ratzka Mut zu machen. "Ich würde den neuen Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) einschalten, ich würde die Landtagsabgeordneten hierherholen." Es sei eine Schande, wie mit solch einem Kleinod umgegangen wird.
Ratzka stimmt mit einem Kopfnicken zu. Schaut auf das Wasser im See und weiß, dass er dieses Jahr auf dem Trockenen sitzt.

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