Coburg

Mit Selbstkritik und neuer Zuversicht

Die Bilanz für die abgelaufene Spielzeit sieht nicht gut aus. Ein deutlicher Besuchereinbruch prägte die erste Saison von Intendant Bernhard F. Loges. Doch glauben die Verantwortlichen, das Ruder bereits wieder herumgerissen zu haben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wird's noch was mit der Liebe zwischen der neuen Intendanz und den Theatergängern in der Region? Bernhard Loges und seine Mannschaft meinen ja, trotz des missglückten Auftaktes. Die Sommerfestspiele im Hofgarten jedenfalls , hier eine Szene mit Eva Marianne Berger und Frederik Leberle, haben die Stimmung wieder deutlich verbessert.  Foto: Henning Rosenbusch
Wird's noch was mit der Liebe zwischen der neuen Intendanz und den Theatergängern in der Region? Bernhard Loges und seine Mannschaft meinen ja, trotz des missglückten Auftaktes. Die Sommerfestspiele im Hofgarten jedenfalls , hier eine Szene mit Eva Marianne Berger und Frederik Leberle, haben die Stimmung wieder deutlich verbessert. Foto: Henning Rosenbusch
+1 Bild

Carolin Herrmann Selbstkritisch, aber nicht zerknirscht, so präsentierte gestern das Führungsteam des Landestheaters die Bilanz der ersten Spielzeit von Intendant Bernhard F. Loges. Denn: "Nach dem holprigen Beginn ist es wichtig zu sehen, dass das Theater wieder in der Stadt angekommen ist", gibt sich Loges zuversichtlich.

Die puren Zahlen für die Spielzeit 2018/2019 sind schlecht, 13 000 Besucher weniger im Großen Haus, acht Prozent geringere Auslastung. Doch damit ist das eigentliche Problem, das bereits mit Loges düsterer Auftaktpremiere, Mozarts "Zauberflöte" begann, gar nicht charakterisiert. "Dass die Stimmung innerhalb kürzester Zeit so kippen kann, hatten wir nicht erwartet", so Loges. Er habe Stadt und Publikum anders eingeschätzt, gehofft, dass er erstmal seine Ästhetik zeigen dürfe. "Ich musste die Menschen hier erst einmal kennenlernen. Ich bemühe mich sehr um das persönliche Gespräch, um die Zuschauer zurückzugewinnen."

Worauf Ballettchef Mark McClain und Schauspielchef Matthias Straub einwerfen: "Da lernt man aber auch nie aus." Denn auch Straub wurde vom mangelnden Erfolg seiner großen Produktion "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" überrascht. "Es war wie eine Kettenreaktion. Plötzlich hat nicht mehr funktioniert, was bisher funktioniert hat, nämlich eine Mischung aus purer Unterhaltung und Unterhaltung mit höherem Anspruch." Nicht einmal Tschechows "Drei Schwestern" kam noch auf 40 Prozent Auslastung.

Die Zahlen und mehr noch Stimmung und Image einigermaßen wieder herausgerissen haben der Riesenerfolg von "Drei Nüsse für Aschenbrödel" mit 25500 Besuchern (mehr als das gesamte sonstige Schauspiel), der Dauerbrenner der Vorsaison "A Spider Murphy Story" und die Sommerfestspiele im Hofgarten, bei denen sich 8900 Besucher in 27 Vorstellungen verzaubern ließen. Man erhalte mittlerweile wieder sehr viel gute Resonanz.

"Wirtschaftlich können wir nicht zufrieden sein", muss Verwaltungsdirektor Fritz Frömming eingestehen. "Doch der Trend ist gebrochen." Mit dem neuen Spielplan habe man bereits "nachjustiert". Und der Beitrag des Landestheaters zum Albert- und Victoria-Jubiläumsjahr, Konzert des Philharmonischen Orchesters in London und Gegenbesuch, sei ein "Riesending" fürs Image des Landestheaters gewesen. "Wir sind mit schlechten Zahlen gestartet und sind bereits jetzt, noch innerhalb dieser Spielzeit, wieder besser geworden. Das ist doch gut", macht Frömming Mut.

"Glauben Sie nicht, dass wir hier nicht sehr kritisch und offen über die Lage gesprochen haben und sprechen", geht Matthias Straub nochmals in die Offensive. Ja, eben weil sie ein gutes Team seien, freut sich Intendant Loges auch sehr darüber, dass Schauspielchef Straub und Ballettchef McClain, beide bereits mit Bodo Busse im Jahr 2010 gekommen, jetzt ihre Verträge nochmals verlängert haben, parallel zu Loges eigener Verpflichtung bis 2023.

Die Sommerfestspiele im Hofgarten sollen übrigens im übernächsten Jahr fortgesetzt werden, auch wenn dieses Open air mit hohen Kosten und hohem Aufwand verbunden ist. "Wichtig ist dabei auch, dass wir einen alternativen Spielort erprobt haben und der funktioniert. Wer weiß, wie wir den noch brauchen werden angesichts der bevorstehenden Generalsanierung", betont Fritz Frömming.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren