Lichtenfels

Mit "Rocky" in die blaue Stunde

Die Big Band des Lichtenfelser Meranier-Gymnasiums zeigte ein Repertoire von Jazz bis Pop.
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Iris Arnal dirigierte am Donnerstagabend gekonnt eine ungemein spielfreudige junge Big Band, die sich auch Stilwechsel zutraute. Foto: Häggberg
Iris Arnal dirigierte am Donnerstagabend gekonnt eine ungemein spielfreudige junge Big Band, die sich auch Stilwechsel zutraute. Foto: Häggberg

Es gibt ein besonderes Blau am Himmel, das so zwischen Dämmerung und Sonnenuntergang zu sehen ist. Chansonniers nehmen Bezug darauf, Romanautoren auch. Blue Hour - die blaue Stunde taugt für Konzerte oder wenigstens als Programmtitel. So wie am Donnerstagabend in der Turnhalle des Meranier-Gymnasiums, während der Himmel alles andere als blau war.

Aber was das Gemüt der Besucher ab 19 Uhr erhellte, war das Konzert der MGL-Big-Band unter Leitung von Iris Arnal. Letztlich sollte aus der Big Band sogar eine Very Big Band werden. Das Meranier-Gymnasium verfügt nicht nur über eine große Jazz-Band, sondern auch über gehörigen Nachwuchs an Interessenten für einen Musikstil, der in den 20er Jahren aufkam.

Blaues Programmblatt

So gesellten sich für die letzten Nummern nach der Pause auch Schüler der Unterstufe auf die Bühne, bis sogar eine Besetzungszahl von 37 erreicht war. Das blaue Programmblatt zur blauen Stunde, ausliegend nahe der Turnhallentür, wies jede Menge Melodien auf, die für den Big-Band-Stil umgeschrieben wurden und erst nach den 20ern entstanden. So wie "Gonna Fly Now", Bill Contis weltberühmten Hymnus zu den Rocky-Filmen. Ein toller Einstieg, der Vorgeschmack auf die Leidenschaft gab, mit der die zu diesem Zeitpunkt 23-köpfige Big Band den Abend bewältigen würde.

In dem Moment wurde klar, dass es schade war, dass die Hälfte der Bestuhlung frei geblieben war. Doch die, die gekommen waren und im Regelfall dem Verwandtschaftskreis der Ensemble-Mitglieder zuzurechnen waren, durften sich auch über eine ausgesprochen gut bearbeitete Versionen des Rhythm-and-Blues-Klassikers "I Heard It Through The Grapevine" freuen. Doch neben dem musikalischen Können bewies die Big Band noch etwas anderes: so etwas wie Korpsgeist. Immerhin spielten junge Menschen mit, die ihr Abitur schon in der Tasche haben, die sich in diesem Sommer aus dem Schul-Big- Band-Betrieb hätten ausklinken können. Und dennoch saß einer wie Dennis Streicher mit seinem sechs Kilo schweren Bariton-Saxophon pflichtbewusst in der ersten Reihe.

Stilvielfalt gab es auch zu hören, so gab es einen Ausflug in den Funk und somit in den anspruchsvollen 16tel-Noten-Bereich. Selbst ein Duett zwischen Bassgitarre und Trompete sollte unter den 16 Nummern des Abends auftauchen. Von Jazz bis Pop und zwischen Ehrgeiz und Engagement vergingen die eineinhalb Stunden, angereichert auch mit Infotainment durch Musiklehrerin Arnal. "Sing Sing Sing" sei das erste Jazz-Stück gewesen, das es in die Carnegie Hall schaffte. Eben das, mit dem ausgeklügelten Trommelvorspiel, gab es auch zu hören.

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