Ebermannstadt

Mit Rasenmääähern auf Reisen

Die 22-jährige Luisa Belz zieht mit 600 Schafen durch die Lande. Voraussichtlich bis Januar ist sie in den Landkreisen Forchheim und Bamberg unterwegs.
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Warme Kleidung, ein Hut und der Stock mit dem Fanghaken gehören zur Grundausstattung jedes Schäfers. Nicht zu vergessen der Hütehund.  Foto: Josef Hofbauer
Warme Kleidung, ein Hut und der Stock mit dem Fanghaken gehören zur Grundausstattung jedes Schäfers. Nicht zu vergessen der Hütehund. Foto: Josef Hofbauer

Josef Hofbauer Rund 600 Schafe auf dem abgeernteten Feld neben der Kapelle auf der Langen Meile unweit der Burg Feuerstein vermitteln Idylle pur. Seit zwei Tagen macht Schäferin Luisa Belz hier Zwischenstation. Von Heroldsberg (Kreis Erlangen-Höchstadt) aus, dem Sommerquartier der Schafherden von Erich und Franz Kißlinger zogen Luisa Belz, die "wandernden Wollknäuel" und die beiden Hütehunde über Neunkirchen am Brand, Effeltrich, Forchheim und Ebermannstadt Richtung Lange Meile. In ein paar Tagen geht es weiter Richtung Heiligenstadt.

"Heuer werden wir länger als sonst unterwegs sein, denn die Futtervorräte für die Schafe sind auf Grund des trockenen Sommers knapp", erklärt Luisa. Vermutlich bis in den Januar hinein. Trotz schwieriger Arbeitsbedingungen gibt es für die junge Frau keinen schöneren Beruf. "Seit ich in unserem Nachbarort direkten Kontakt mit Schafen hatte, wollte ich diesen Beruf ergreifen", berichtet Luisa Betz. Sie hat in der Ausbildung alles über die Pflege der Tiere gelernt, weiß über ihre Ernährung ebenso Bescheid wie über medizinische Aspekte des Berufes. Ein sehr vielfältiger Beruf, urteilt die 22-Jährige, die seit fünf Jahren bei dem Nürnberger Wanderschäfer angestellt und mit den "Rasenmäääähern" auf Du und Du ist.

Der im Ortsteil Buch beheimatete Schäfer betreibt den Beruf bereits in der sechsten Generation. Noch immer sei Wolle ein begehrter nachwachsender Rohstoff, der für Textilien ebenso genutzt werde, wie als Dämmstoff, schildert die Nachwuchs-Schäferin. Auch das Lammfleisch sei begehrt. Sie erinnert daran, dass die Lämmer seit zehntausend Jahren Weggefährten der Menschen sind. Und: Die Schafe sorgen für biologische Vielfalt. Am Fell und an den Klauen haften Samen und Sporen aber auch Kleintiere wie Käfer oder Spinnen. "Durch diese Anhalter werden Lebensräume vernetzt", erklärt Luisa Belz. Nicht wegzudenken ist der Hütehund. Seine Aufgabe ist es, die Herde zusammenzuhalten und gegebenenfalls zu verteidigen.

Innige Verbindung

Die Schäferei ist für sie Entschleunigung, Ruhe. Sie könne gut allein sein, erklärt die junge Frau, die monatelang mit ihren Tieren unterwegs ist. Das "Nomadenleben" gefällt ihr. Das Traben und Schnauben der Tiere schafft eine innige Verbindung zu ihren Schützlingen. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei den jungen Lämmern zu, die erst wenige Wochen alt sind. Nur die ersten 14 Tage verbringen sie im Stall. Dann laufen sie mit der Herde mit. Die dazu gehörenden Muttertiere sind durch einen blauen Punkt auf dem Rücken gekennzeichnet. Noch trächtige Schafe sind farblich an einem grünen Punkt zu erkennen.

Abends baut Luisa um ihre Herde einen Elektrozaun auf. "Da sind sie geschützt, da passiert nichts", weiß die Schäferin aus Erfahrung. Während für Seniorchef Erich Kißlinger ein Wohnwagen in der Nähe der Herde dient, bevorzugt Luisa ihre eigene Wohnung in Nürnberg. Aber zeitig am nächsten Morgen ist sie wieder bei ihren Lieblingstieren.



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