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Forchheim

Mit Plakaten zugepflastert

Alle Jahre wieder: Parteien und Oberbürgermeister-Kandidaten werben mit Hunderten von Plakaten um die Gunst ihrer Wähler. Manchmal auch entgegen der Regeln.
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Jeder Lichtmast entlang der Adenauer-Alle und der Theodor-Heuss-Alle ist voller Wahlwerbung.
Jeder Lichtmast entlang der Adenauer-Alle und der Theodor-Heuss-Alle ist voller Wahlwerbung.
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JOsef Hofbauer Es scheint, als sei die ganze Stadt zugepflastert mit Wahlplakaten. Zumindest an den Hauptverkehrsadern, der Adenauerallee, der Bamberger, der Bayreuther und der Nürnberger Straße gibt es keinen Laternenmast mehr, an den ein Plakat hinpassen würde.

So sind die Standorte, die durch rechtliche Vorschriften weiter eingeschränkt werden, heiß umkämpft. "Rein rechtlich", so Klaus Backer, Leiter des Forchheimer Ordnungsamtes, "wäre der Startschuss für das Aufstellen der Plakate am Sonntag, 2. Februar, Null Uhr gefallen. Uns war es aber lieber, dass die freiwilligen Helfer bei Tageslicht ihre Plakate anbringen und haben den Start um zwölf Stunden vorverlegt." Wegen der geringeren Unfallgefahr.

Dennoch konnten einige diesen Zeitpunkt nicht erwarten. Die Kleber-Kolonnen der Freien Wähler starteten bereits um 10 Uhr. Zum Unmut der Mitbewerber . "Das muss ich auf meine Kappe nehmen. Ich war der festen Meinung, das Plakatieren sei ab 10 Uhr erlaubt", räumt Manfred Hümmer, der Fraktionschef der Freien Wähler im Forchheimer Stadtrat ein.

Seine Leute waren zwar schnell, aber offenbar nicht gründlich genug. Der überwiegende Teil der Werbeträger mit der Botschaft "Forchheims soziale Mitte", Forchheims kulturelle Mitte", "Forchheims grüne Mitte" und "Forchheims starke Mitte" auf rotem, schwarzem, grünem und orangem Untergrund machte witterungsbedingt bereits nach einem Tag die Grätsche. Dauerregen und Sturm hatten den Aushang weitgehend zerstört. Die Plakate würden frühestens ab Mittwoch ersetzt. Vorher mache das witterungsbedingt keinen Sinn, so Hümmer.

Sauer auf die Mitbewerber

Auch die doppelseitigen Plakate mit dem Konterfei des Oberbürgermeister-Kandidaten Udo Schönfelder litten unter den extremen Witterungsbedingungen. Acht Teams hatten sich pünktlich 12 Uhr aufgemacht, um rund 550 Plakate an den Einfallstraßen und in den Ortsteilen Burk, Buckenhofen, Kersbach und Reuth zu verteilen. Was sich schwieriger gestaltet habe als gedacht, denn durch den Frühstart der Mitbewerber seien einige Standorte bereits besetzt gewesen, zeigt sich Schönfelder höchst empört. Dabei habe er einen detaillierten Plan ausgearbeitet, wo welche Plakate positioniert werden sollten. "Wer sich um den Posten eines Oberbürgermeisters bewirbt, muss hier mit gutem Beispiel voran gehen", findet Schönfelder.

Sebastian Körber (FDP), dessen Wahlkampfteams sich rechtzeitig postiert, aber nicht vor zwölf angefangen hätten zu plakatieren, rechtfertigt die hohe Anzahl von gut 200 Werbeträgern: "Wir wollen unsere Stadtratskandidaten publik machen." Den Wählern solle ein Gesicht zu den Namen präsentiert werden. Damit die (Wahl)Werbung ankommt, hat Körber seine Helfer angewiesen, Standorte auszukundschaften, an denen besonders viele Bewerber der FDP hintereinander präsentiert werden. "Das fällt besser auf, als die doppelte Anzahl von Plakaten verstreut auf das ganze Stadtgebiet", findet Körber.

Das Geheimnis, warum die beschichteten, wetterfesten Kartons der FDP die Unbilden der Witterung besser überstanden haben als jene der Mitbewerber, erklärt Körber so: "Die zusätzlichen Kabelbinder in der Mitte der Plakate haben sich bezahlt gemacht. Ein bisschen mehr Plastik, aber das könne ja der Wiederverwertung zugeführt werden.

Ein Wettrennen

Auch der SPD-Ortsvorsitzende Michael Hartmann versichert, dass die Plakate mit Oberbürgermeister Uwe Kirschstein komplett über das Altpapier entsorgt werden könnten. Er zeigt sich zufrieden, dass die Hohlkammerplakate aus den Straßen verschwunden seien. Bei der Anzahl der Werbeträger habe sich die SPD an der Anzahl der Mitbewerber orientiert und gut rund 200 Plakate an den Forchheimer Hauptverkehrsstrecken verteilt.

Sebastian Hösch (Junge Bürger) bestätigt, die Gruppierung habe deutlich mehr Plakate drucken lassen als die 250, die von den Laternenmasten grüßen. Damit sie der Witterung trotzen, seien sie auf drei Millimeter starken Holzplatten aufgeklebt worden.

Auch Annette Prechtel (Forchheimer Grüne Liste) hat keine Probleme mit der Standfestigkeit ihrer Werbeträger. "Wir verwenden seit langem massive Holzständer. Die sind wetterfest und wir können sie gut befestigen, damit kein Sturm sie davon weht." Annette Prechtel spricht von rund 200 Plakaten, die aufgestellt wurden. Teilweise früher als erlaubt. "Stimmt schon, Regeln sollten grundsätzlich eingehalten werden", räumt die Grünen-Kandidatin ein, aber das Plakatieren sei auch ein Wettrennen um die begehrtesten Plätze.

Deutliche Zurückhaltung haben sich Mitglieder des Forchheimer Bürgerforums (FBF) auferlegt. Ihr Motto aus dem Jahr 2014: "Plakate zu Konfetti!" Nach kontroverser Diskussion, so Stadtrat Paul Nerb, habe sich das Forchheimer Bürgerforum dafür entschieden, 70 Plakate drucken zu lassen. 50 sollen im Stadtzentrum verteilt werden. "An einer Materialschlacht wollen wir uns nicht beteiligen", betont Nerb.

Er ist der Überzeugung, weniger sei mehr. So ist die freiwillige Selbstbeschränkung der Forchheimer Parteien, Plakate nur an den Hauptverkehrsadern zu platzieren, auf einen Vorstoß der FBF zurückzuführen. Noch schöner wäre es, wenn es gelingen würde, dass sich bei der Anzahl der Plakate alle auf eine Obergrenze einigen würden, findet Nerb.

Das sei "politisch verhindert worden", sind sich Annette Prechtel (FGL), Udo Schönfelder (CSU), Manfred Hümmer (FW) und Sebastian Körber (FDP) einig. Der Vorstoß von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), darüber in den Stadtratsgremien zu entscheiden, sei der falsche Weg gewesen, unterstreicht Annette Prechtel. Das sei undemokratisch, denn nicht im Stadtratvertretene Parteien blieben außen vor. Die Mengenbegrenzung der Plakate müsse auf Parteienebene und unmittelbar nach der Wahl gelöst werden, sind sich die Forchheimer Mandatsträger einig.

Nachbesserung angemahnt

Vorher müssen sie aber noch auf die mahnende Mail von Klaus Backer, Chef des Ordnungsamtes, reagieren. Er hat den Parteien eine Frist bis Mittwochnacht gesetzt, überall dort nachzubessern, wo die Plakatierung mit der gesetzlichen Regelung nicht konform geht. Ansonsten werde das Ordnungsamt die Plakate auf Kosten der Parteien entsorgen.

Teure Angelegenheit

Apropos Kosten: Billig ist die Materialschlacht nicht. Zwar halten sich die Parteien zurück, was die Bekanntgabe der Kosten für Wahlwerbung anbelangt, doch ein Blick in die Angebotspalette von Parteien belegt: Für ein AllwetterDoppelplakat im DIN A1-Format sind schnell vier bis fünf Euro fällig, abhängig von der georderten Anzahl. 250 solche Wahlplakate, wie sie die Parteien bestellt haben, hat ein Forchheimer Druckunternehmen für 1416 Euro im Angebot. Inklusive Mehrwertsteuer.

Basierend auf den Angaben der Parteien sind derzeit zwischen 1500 und 2000 Plakate aufgehängt.Weiter geht's ab dem 15. Februar in der Forchheimer Innenstadt.

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