Pressig

Mit Pantoffelwerfen auf Männerfang

Der erfolgreichen Brautschau wurde im Frankenwald in der Vergangenheit mit mancherlei kuriosen Bräuchen nachgeholfen.
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Unverheiratete Einhaltpaare aus Pressig anlässlich der Kirchweih im Jahr 1919 vor der Gastwirtschaft Barnickel. Oft fanden die jungen Leute bei der Kerwa die große Liebe ihres Lebens. Foto: Privatarchiv Georg Dinkel, Pressig
Unverheiratete Einhaltpaare aus Pressig anlässlich der Kirchweih im Jahr 1919 vor der Gastwirtschaft Barnickel. Oft fanden die jungen Leute bei der Kerwa die große Liebe ihres Lebens. Foto: Privatarchiv Georg Dinkel, Pressig
In den Sturm- und Drangperioden brachten einst heiratslustige Mädchen im Frankenwald spektakuläre Verkupplungstechniken zum Einsatz. Und die Burschen mussten auf der Hut sein.
Wenn Schule und Kindheit im Frankenwald der Vergangenheit angehören, so übt man sich im heiratsfähigen Alter besonders fleißig in der Zukunftsbefragung. Um des Heiratens willen befolgt man oft manchen alten Brauch und glaubt an magische und übersinnliche Zeichen.


"Köbbla" mit Anziehungskraft

Einem jungen Burschen redet man ein, dass er keine Frau bekommt, sobald er einmal mit einem Besen oder "Bettbladdsche" verdroschen wird. Nach altem Glauben sollen junge Leute möglichst viele "Köbbla" (Brotanschnitte) essen, wenn ihnen das andere Geschlecht nachlaufen soll. Dagegen darf man sich auf keinen Fall bei der Suche nach dem Herzblatt lauwarmen Kaffee über die Schürze oder Hose schütten. Es wäre der Super-Gau!
Als Unterhändler an der obersten Singlebörse tritt der Apostel Andreas im 19. Jahrhundert in Erscheinung. An der Fränkischen Linie war das Pantoffelwerfen am Andreastag ein äußert beliebtes Orakelspiel, bei dem sich unverheiratete Mädchen auf die Ankunft ihres Bräutigams schon mal mental vorbereiten konnten. Dabei warfen sie den linken Pantoffel über die rechte Schulter hin zur Tür. Zeigte die Spitze des Schuhs zum Ausgang, so durfte mit großer Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr mit einem Heiratsantrag gerechnet werden.
Wer schon viel zu lang in der Warteschleife stand, probierte es mit Plan B. Die ungeduldige Jungfer warf den Pantoffel dann so lange in einen Apfel- oder Birnbaum, bis er in den Ästen hängenblieb. Auf diese Weise würde bestimmt an ihr auch einmal ein Mann "hängenbleiben". Konnte sie dabei einen Hund bellen hören, wusste sie auch gleich, aus welcher Richtung der Hochzeiter kommen würde. Und wer noch nähere Angaben zur Person in Erfahrung bringen wollte, brauchte nur das Apfelorakel als Zusatzjoker zu ziehen. Hierbei wurde ein Apfel derart geschält, dass die Schale ein langes Band bildete, welches dann nach hinten über die Schulter geworfen wurde. Aus der Formung und Lage der Apfelschale konnte mit etwas Fantasie der Anfangsbuchstabe des Zukünftigen gedeutet werden.


Das "Lichtlaschwimma"

Im Rodachtal erfreute sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das "Lichtlaschwimma" großer Beliebtheit. Doppelt so viele Walnussschalen wie anwesende Mädchen wurden mit kleinen Kerzen bestückt und in die Rodach gesetzt. Jede der versammelten weiblichen Singles hatte so zwei Lichter, ihr eigenes und ein weiteres, dem es den Namen des Zukünftigen gab. Jene Nussschalen, die sich auf dem Wasser trafen, symbolisierten ein künftiges Paar.
Einen weiteren Brauch stellte das Bettstatttreten dar. In manch entlegenem Weiler des "stürmi-schen" Nordwaldes trat des Bauers Töchterlein vor dem Schlafengehen schon mal kräftig nach dem Bettpfosten und hauchte händeringend den frommen Wunsch: "Bettstatt, ich tritt dich, heiliger Andreas ich bitt' dich, lass mir bei der Nacht erscheinen, den Herzallerliebsten, den meinen". Sicherlich ist dieser Traum bei der einen oder der anderen Dorfschönheit nicht spurlos vorübergegangen. Die Andreasnacht war in früheren Zeiten von so großer Bedeutung, dass sie sogar Eingang in das bekannte Werk "Deutsche Sagen" der Gebrüder Grimm gefunden hat, wenn auch mit tragischem Ausgang. Die Brüder Wilhelm und Jakob schildern dies folgendermaßen: "Es ist Glaube, dass ein Mädchen in der Andreasnacht ihren zukünftigen Liebsten einladen und sehen kann. Es muss einen Tisch für zwei decken, es dürfen aber keine Gabeln dabei sein. Was der Liebhaber beim Weggehen zurücklässt, muss sorgfältig aufgehoben werden. Er kommt dann zu derjenigen, die es besitzt, und liebt sie heftig. Es darf ihm aber nie wieder zu Gesicht kommen, weil er sonst der Qual gedenkt, die er in jener Nacht von übermenschlicher Gewalt gelitten, und er des Zaubers sich bewusst wird, wodurch großes Unglück entsteht."
So wollte einst ein schönes Mädchen aus dem oberen Haßlachtal in der Andreasnacht in Erfahrung bringen, wer ihr Zukünftiger sein werde. Nach Ausübung der gebräuchlichen Rituale erschien ein Schusterjunge, welcher ihr seinen Dolch hinterließ. Diesen verwahrte das Mäd-chen sorgfältig in einer Truhe auf, und tatsächlich hielt kurz darauf der Jüngling um ihre Hand an.
Als Jahre später die Frau zufällig die Truhe öffnete, trat der Ehemann neugierig an ihre Seite, um in Erfahrung zu bringen, was sich darin befinde. Als sie ihn davon abhalten wollte, stieß er sie beiseite und entdeckte so seinen verloren geglaubten Dolch. Die Frau gestand ihm ihre damalige Durchführung eines Liebesorakels, wodurch der Schuster an sie gebunden werden sollte. Dieses Geständnis löste den Liebeszauber und erzürnte ihn derart, dass er ihr den Dolch mitten ins Herz stieß.
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