Lichtenfels
Unter uns am Obermain (516)  Manches sagt sich so dahin. Je schöner die Umgebung, umso leichter fällt das.

Mit Jerome unter Palmen im "Karibischen Eck"

I ch sitze im Strandkorb unter Palmen, trinke und lese. Im Naherholungsgebiet in Lichtenfels-Ost geht das, hier ist das "Karibische Eck", eine Außenstelle sonniger Auszeit. Ein See, Sand, Palmen, Cock...
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I ch sitze im Strandkorb unter Palmen, trinke und lese. Im Naherholungsgebiet in Lichtenfels-Ost geht das, hier ist das "Karibische Eck", eine Außenstelle sonniger Auszeit. Ein See, Sand, Palmen, Cocktails und kubanische Musik finden sich hier.

Ich bin für mich und lese also das lustigste Buch, das ich wohl je aufschlagen durfte. Es ist Jerome K. Jeromes (1859-1927) "Drei Mann in einem Boot" und die Chancen stehen gut, dass ich am Ende des Tages noch mehr Sinn für Humor entwickeln werde, denn schließlich gibt es hier Alkohol.

Es ist ein schöner Tag, es ist warm. Über den See hinweg ist das Schneyer Schloss samt Kirche zu sehen, und so verrückt es klingen mag, die beiden passen irgendwie gut zu kubanischer Musik.

Ein Bekannter sagte einmal, dass es darum ja eigentlich eher "Kubanisches Eck" heißen müsste, und ich hielt dem entgegen, dass es dann aber vielleicht falsche Erwartungen wecken könnte.

Womöglich zöge es eher Sozialisten, revolutionäre Träumer, Zigarrenraucher und Fans von Fidel Castro, Che Guevara und Umsturzplänen an. Bei Kuba denke ich automatisch an Chrustschow, Raketen und die Kuba-Krise.

Mein Bekannter bedauerte mich wegen dieser Verknüpfungen, fallen ihm beim Stichwort Kuba doch einzig dunkelhäutige Frauen mit großen Oberweiten ein. Na ja, das unterscheidet uns wohl, er ist halt recht unpolitisch.

Ich habe Spaß und denke an nichts Berufliches. Die Füße in den Sand vergraben, blättere ich von Spitzfindigkeit zu Spitzfindigkeit und blicke manchmal auf und hinüber über den See nach Schney. In Gedanken packe ich mit den drei Männern in einem Boot meinen Krempel zusammen, um mit ihnen im 19. Jahrhundert ein paar Tage auf der Themse zu verbringen.

Jerome schildert absurde Vorgänge und bleibt dabei immer elegant, augenzwinkernd und selbstironisch. Darin ist er Meister, er haut sich selber in die Pfanne und hält uns durch seine Schwächen den Spiegel vor. Das macht sein Werk so menschenfreundlich und es heißt sogar, dieses Buch habe den englischen Humor maßgeblich mitgeprägt. Sein Werk war augenblicklich erfolgreich, geliebt von Amerika bis Russland millionenfach verkauft.

Der Nachmittag schreitet voran, mehr und mehr Menschen strömen herbei, ziehen an die Bar und dann mit ihren Cocktails in einen der Liegestühle oder Sessel. "Grüß dich", sagt ein Mann zum anderen. "Ja, servus", erhält er zurück. Die beiden Männer tauschen ab da erstaunlich lang Belanglosigkeiten aus, lachen und umarmen sich.

Eine Szene, die Jerome K. Jerome sicher auch aufgefallen wäre, die er geschildert, ausgeschmückt und übertrieben hätte. Ich stecke meine Nase wieder ins Buch und erfahre von den Laufburschen und der Begebenheit mit dem stinkenden Käse.

Zwei weitere Männer trudeln ein, begrüßen einander und reden und reden. Sie sind mitfühlend, anteilnehmend und rücksichtsvoll. Der eine erzählt von dem, was er in letzter Zeit durchzumachen hatte. Da wäre sein Auto, das den Geist aufgab, und da wäre auch die Lohnerhöhung, die nicht ganz so erhöhend war wie erhofft. "Wir bekommen nur so viel aufgebürdet, wie wir auch tragen können", sagt sein Zuhörer in aufmunterndem Ton.

Jerome K. Jerome sah als Sanitätswagenfahrer im Ersten Weltkrieg viele zerschossene und zerfetzte junge Männer und hatte den Tod seiner geliebten Stieftochter zu ertragen.

Sein Sekretär schilderte Jerome als gebrochenen Mann. Er hat nie wieder etwas Lustiges geschrieben.

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