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Ludwigsstadt

"Mit freiwilligem Tun nicht verstecken "

Das evangelisch-lutherische Dekanat Kronach-Ludwigsstadt lud am Freitag zum Neujahrsempfang nach Ludwigsstadt. Eindringlich stellte Horst Moser die Bedeutung des Ehrenamts heraus.
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Festredner Horst Moser huldigte beim Neujahrsempfang dem Ehrenamt. Foto: Heike Schülein
Festredner Horst Moser huldigte beim Neujahrsempfang dem Ehrenamt. Foto: Heike Schülein

Ludwigsstadt —  Warum entschließen sich Menschen dazu, ihre Freizeit mit einem Ehrenamt zu verbringen? Dieser Frage ging beim heuer in Ludwigsstadt stattfindenden Neujahrsempfang des evangelisch-lutherischen Dekanats Kronach-Ludwigsstadt das Präsidiumsmitglied der Dekanatssynode, Horst Moser, nach. Sicher zeigte er sich, dass dies keinesfalls Langeweile oder gar Flucht vor Stress zuhause sei. Vielmehr drückten damit die Ehrenamtlichen die Liebe Gottes aus.

"Die Liebe, die Jesus Christus uns vorgelebt hat, wollen wir alle in unserem Wirken weitergeben", meinte Moser im Gemeindezentrum St. Michael-Schafstall. Als schönes Zeichen des Miteinanders hatten sich hier erneut viele haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter sowie Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft sowie benachbarter Kirchengemeinden und der katholischen Kirche eingefunden. Jeder von uns habe - so Moser - ein unterschiedliches Talent von Gott erhalten. Dieses Talent solle jeder Christ versuchen, zum Wohle seiner Mitmenschen einzusetzen. Dass er dies auch mit Freude ausübe, hänge mitunter auch von einer guten hauptamtlichen Begleitung ab, wofür er ebenfalls dankte. Als Vertrauensperson aller Ehrenamtlichen im Dekanat möchte er dieses gute Zusammenwirken nur lobend unterstreichen. Die Arbeit der Ehrenamtlichen werde in Zukunft noch bedeutsamer, da die von den Hauptamtlichen zu leistende Arbeit weiter zunehmen und auf immer weniger werdenden Schultern verteilt werde.

"Das Ehrenamt braucht öffentliche Anerkennung und Aufwertung", betonte Moser, denn der Stellenwert ehrenamtlicher Arbeit werde nicht immer deutlich, sondern habe eher ein negatives Image. "Reden Sie über Ihr Ehrenamt, Ihr Engagement. Wir dürfen uns mit unserem freiwilligen Tun und Wirken nicht verstecken", appellierte an alle Anwesenden, das Ansehen dieses überaus christlichen Engagements ins rechte Licht zu rücken. Nur wenn man sein Ehrenamt frei und offen nach außen trage, würden andere neugierig und beteiligten sich auch; kämen doch die meisten Ehrenamtlichen durch die Ansprachen anderer Ehrenamtlicher dazu.

Stellvertretende Dekanin Kristine Wachter freute sich über die große Besucherschar des abwechselnd im Norden und Süden abgehaltenen Neujahrsempfangs. Ludwigsstadts Zweite Bürgermeisterin Eva Jahn stellte die gute Zusammenarbeit der kirchlichen und politischen Gemeinde heraus; könne man doch nur gemeinsam Weichen für die Zukunft stellen. Die Stadt sei sehr dankbar, dass die Kirche verschiedene kommunale Pflichtaufgaben durch die Trägerschaft von Einrichtungen beziehungsweise Gebäuden abdecke. Gerne unterstütze man dies im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel - so wie die kürzlich abgeschlossene Sanierung des Kindergartens St. Michael. Die Grüße der katholischen Kirchengemeinden sowie von Domkapitular Thomas Teuchgräber übermittelte Dekan Detlef Pötzl. Das Leben sollte - so der Dekan - für uns nicht nur eine Ansammlung von Tagen, zufälligen Begegnungen und Gelegenheiten sein. Vielmehr sollten wir dies als geschenkte Zeit betrachten, unserem Auftrag gerecht zu werden, Spuren von Jesus Christus zu hinterlassen.

Der Blick eines Rheinländers

Dem Neujahrsempfang vorausgegangen war ein Gottesdienst in der Michaelis-Kirche. Festprediger war Pfarrer Christian Leist-Bemmann. Der gebürtige Bonner war von 2002 bis 2013 für die Thüringer Landeskirche in Probstzella tätig; seitdem ist er evangelischer Gemeindepfarrer für Bad Füssing. Die mittlerweile verabschiedete Dekanin Dorothea Richter hatte ihn gebeten, einen Blick auf 30 Jahre Mauerfall aus Sicht eines Rheinländers zu werfen.

"Mein Blick auf den Mauerfall war die Fernsehperspektive", räumte er ein; habe es doch in Bonn keine Trabis gegeben. Nach dem rheinländischen Grundgesetz "Et is wie et is und et küt wie et küt", habe er die Grenzöffnung mit typisch rheinländischer Gelassenheit, vielleicht sogar Ignoranz betrachtet. Seine persönliche Grenzöffnung sei 2002 gewesen, als er mit seiner Familie nach Probstzella gekommen sei.

"Die Euphorie der Wende war damals längst verflogen", erinnerte er sich. Geblieben aber sei der Stolz darüber, an der Grenzöffnung beteiligt gewesen zu sein und mit der Kraft der Kerzen und Gebete ertrotzt zu haben. "Da lag noch immer ein Glanz der Befreiungs-Erfahrung auf den Gesichtern", blickte er zurück. Heute jedoch werde das Murren ehemaliger DDR-Bürger oftmals lauter; es sei doch gemütlich gewesen damals in der DDR; keiner hätte gefroren, keiner gehungert.

Dieses Sehnen nach der Zeit vor der Wende sei kein Phänomen "nur" der Bevölkerung der neuen Bundesländer, sondern gelte auch für viele Menschen in den alten Bundesländern. Er selbst nehme von seiner Zeit in Thüringen schöne Erinnerungen, insbesondere Begegnungen mit - wie auch das Wissen um die "weltbesten Pralinen des Universums" als ständiger Wegbegleiter.

Die stimmungsvolle Umrahmung des Gottesdienstes oblag dem SMS-Chor des evangelisch-lutherischen Dekanats Kronach-Ludwigsstadt unter Leitung von Dekanatskantor Sigurd Knopp.

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