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Dechsendorf

Mit einer Idee geht es bergab

Downhillfahren macht den Radlern Spaß. Wenn dies aber auf illegal gebauten Parcours passiert, ist es mit dem Spaß schnell vorbei. Vor allem, wenn sich andere dadurch gestört fühlen oder gar bei Unfällen haften müssen.
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Schilder der Biker sprechen eine eigene Sprache.  Fotos: privat
Schilder der Biker sprechen eine eigene Sprache. Fotos: privat
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Michael Busch Der Giesberg ist bei Spaziergängern und Wanderern, Wald- und Naturliebhabern beliebt. Mehrere alte Steinbrüche locken auch Kletterer an, Geocacher und Insektenfreunde. Kurzum: ein Naturparadies im Markwald. Doch wie das so bei Paradiesen ist, sie sind empfindlich und werden leicht gestört.

Immer wieder gibt es im Erlanger Ortsteil Dechsendorf Berichte von "rücksichtslosen Radlern", die das Gelände rund um die Steinbrüche unsicher machen. Unkontrollierte Geschwindigkeiten, weite Sprünge über nicht einsichtige Strecken, die dazu führen, dass der eine oder andere Radkünstler dort Laufende beim Landen mit dem Zweirad nur knapp verfehlt habe.

Rückblende: Anfang Oktober trafen sich Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik, Vertreter der Forstwirtschaft und dem Markwald angrenzenden Gemeinden, um die neuen Informationstafeln, den benannten Wald betreffend, der Öffentlichkeit vorzustellen.

Haftung liegt beim Waldeigner

Dabei gab es am Rande der Präsentation die Idee, dass man doch die Dechsendorfer Rodelbahn, die sich am Giesberg befindet, als Down-Hill-Strecke für die Mountainbiker zur Verfügung stellen könnte. "Das nehmen wir als Idee mit und klären die Haftungsfragen", hatte der Erlanger Oberbürgermeister begeistert erklärt. Denn der Wunsch für solche Bahnen bestehe seit geraumer Zeit, es fehle lediglich das entsprechende Gelände.

Der anwesende Vertreter des Bayerischen Staatsforsten, Matthias Breuer, unterstreicht, dass man dieses Ansinnen genau prüfen müsse. "Grundsätzlich darf jedermann den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten."

Das gelte für den Wald im Allgemeinen und nicht nur für die Wege. Dieses Betreten schließt eine Befahrung mit Fahrrädern allerdings nicht mit ein. Das sei dann letztlich auch der Grund, warum die Forstbetriebe die immer wieder auftretenden Mountainbike-Anlagen eher skeptisch beäugen.

Der Bayerische Waldbesitzerverband gibt seinen Mitgliedern einen klaren Ratschlag: "Wir raten unseren Mitgliedern, jede dieser Anlagen sofort zu zerstören. Denn wenn ein Waldbesitzer Rampen oder Ähnliches in seinem Wald duldet, kann er bei Unfällen dafür haftbar gemacht werden."

Professionelle Bauten

Das sagt auch Breuer. "Wenn da etwas passiert, ist der Waldbesitzer dran." Das werde von den Radlern nicht beachtet. Abgesehen davon kommt es immer wieder zu Begegnungen mit Wanderern, die sich durch die Biker belästigt fühlen, wenn diese plötzlich mit hohem Tempo auftauchen. Waldbesitzer beklagen aber auch die Erosionsschäden, Förster, dass die Fahrer durchs Unterholz brechen und das Wild aufschrecken.

Wer den Giesberg und die Steinbrüche besucht, sieht aber auch, mit welchem Aufwand dort der Bau der Mountainbikestrecken vorangetrieben wird. Semiprofessionelle Rampen, Steilkurven, meterweite Sprungmöglichkeiten - die Jugendlichen bauen sich ihre Trails, um sich wagemutig ins Gelände und bergab zu stürzen. Mit bis zu 50 km/h geht es den Giesberg hinunter.

Eine offizielle Strecke gibt es in der Region nicht. Dass Janik nun das Thema in Angriff nehmen möchte, wird den Bikern gefallen. Es geht aber letztlich um die Verkehrssicherungspflicht, die in der Vergangenheit durch die Stadt bei anderen Strecken im Meilwald nicht übernommen wurde.

Bis es soweit ist, bleibt das vermeintliche Vergnügen am Giesberg aber illegal und die Waldbesitzer sollten die Bauten entfernen.

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