Altenkunstadt

Mit der Rauschbrille im Parcours

Die sechsten und achten Klassen der Altenkunstadter Mittelschule beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Alkohol - nicht nur, aber auch im Straßenverkehr.
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Die Rauschbrille simuliert bei Mittelschüler Umair, wie sich unter Alkoholeinfluss das Blickfeld und die körperliche Verfassung verändern. Der Achtklässler verliert auf dem Landschaftsparcours die Orientierung und kommt vom Weg ab.  Foto: Bernd Kleinert
Die Rauschbrille simuliert bei Mittelschüler Umair, wie sich unter Alkoholeinfluss das Blickfeld und die körperliche Verfassung verändern. Der Achtklässler verliert auf dem Landschaftsparcours die Orientierung und kommt vom Weg ab. Foto: Bernd Kleinert

Auf wackeligen Beinen torkeln Nina und Tim durch einen im Klassenzimmer errichteten Landschaftsparcours. Sie kommen immer wieder von der Straße ab, verlieren die Orientierung und rammen sogar Bäume. Die Jugendlichen sind aber nicht alkoholisiert, sondern tragen eine Rauschbrille. Diese simuliert, wie sich das Blickfeld und die körperliche Verfassung unter Alkoholeinfluss verändern. Um das Thema "Drogen" - und dabei ganz speziell um den Alkohol als legale Variante - ging es bei einem Informationstag des ADAC Nordbayern für die sechsten und achten Klassen der Altenkunstadter Mittelschule.

Ein wichtiges Thema, für das man gerne den Stundenplan änderte. Denn nach wie vor haben junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren das höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr. Obwohl 2013 weniger junge Männer und Frauen im Straßenverkehr ums Leben kamen als im Vorjahr, gehörte trotzdem noch jeder fünfte Getötete und Verletzte dieser Altersgruppe an, die gerade mal 8,1 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. "Als Unfallursache spielen bei jungen Fahrern Alkohol und Drogen eine große Rolle", erklärt Uwe Hauber, der beim ADAC Nürnberg für die Verkehrserziehung zuständig ist. Im Gespräch mit den Schülern erörtert der Fahrlehrer die körperlichen Veränderungen, die Alkoholgenuss zur Folge hat.

Die Jugendlichen wissen erstaunlich gut Bescheid: "Das Gesichtsfeld wird eingeschränkt, es kommt zu Gleichgewichtsstörungen, die Wahrnehmungs- und Reaktionszeit wird länger, man traut sich mehr zu, wird enthemmter, möglicherweise auch aggressiver und macht Sachen, die man sonst nicht tun würde." Trinken auf nüchternen Magen, "Sturztrunk" sowie Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel könnten die berauschende Wirkung des Alkohols verstärken. Wie Hauber betont, machen sich bereits geringe Alkoholmengen im Blut bemerkbar; bei 0,8 Promille verlängere sich die Reaktionszeit schon um 50 Prozent. Die gesundheitlichen und rechtlichen Konsequenzen einer Trunkenheitsfahrt wirken sich nach Aussage des ADAC-Mitarbeiters verheerend auf die Zukunft des Betreffenden aus. Deshalb dürfe sich niemand in alkoholisiertem Zustand ans Steuer setzen, will er nicht sein eigenes und das Leben Anderer gefährden. Was für Autofahrer gelte, treffe auch auf Motorradfahrer und Radfahrer zu. Dem Referenten zufolge beeinträchtigt Alkohol das Leistungsvermögen immens: "Bereits bei 0,5 Promille verdoppelt sich das Unfallrisiko." Die Verkehrsstatistik spricht eine deutliche Sprache: "Aufgrund überhöhten Alkoholgenusses sind im Jahr 2013 314 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. 4843 wurden schwer und 13 514 leicht verletzt."

Während die Schüler nach dem Abnehmen der Rauschbrille sofort wieder klar im Kopf und körperlich fit sind, baut der Organismus den Alkohol langsam ab: "Wer bis spät in die Nacht zecht, der ist selbst am Morgen danach noch nicht nüchtern". Das Fahrvermögen bleibe weiter beeinträchtigt. Je nach Geschlecht, Konstitution, Größe und Gewicht würden Menschen Alkohol völlig unterschiedlich vertragen.

"Nach der Faustformel dauert es zehn Stunden, bis 1,0 Promille Alkohol im Blut abgebaut sind", erklärt der Fahrlehrer. Er warnt die Schüler vor Medikamenten wie Hustensaft, die Alkohol enthielten, und Köstlichkeiten mit verstecktem Alkohol: "Dazu gehören viele Torten und die leckeren Pralinen mit der berühmten Piemont-Kirsche". Selbst alkoholfreies Bier sei nicht "komplett ohne". "Wer schon bei geringer Alkoholkonzentration fahruntüchtig ist oder Fahrfehler begeht, muss bereits ab 0,3 Promille mit Bestrafung oder Entzug der Fahrerlaubnis rechnen", so der Referent.

Für Fahranfänger in der Probezeit und junge Fahrer unter 21 Jahren gelte ein absolutes Alkoholverbot, also 0,0 Promille. Ideal wäre es, wenn Verkehrsteilnehmer grundsätzlich auf Alkohol verzichten würden und das nicht nur bis zu einem bestimmten Alter. Doch die Realität sieht anders aus.

"Wenn ihr als Gruppe zu Feten geht und auf Alkohol nicht verzichten wollt, dann entscheidet schon vorher, wer fahren soll und deshalb trocken bleibt", legt Hauber den jungen Zuhörern ans Herz. Wer allein zu einer Party geht, sollte für eine sichere Heimfahrgelegenheit sorgen. "Alkohol ist eine Droge und damit ein Stoff, der abhängig macht", betont der Referent. Abhängig sei der, der regelmäßig trinkt. Alkohol töte Gehirnzellen im Kurzzeitgedächtnis ab, was zum "Filmriss" führen könne: "Man weiß dann nicht mehr, was am Tag zuvor war."

Kann zu Selbstmord führen

Alkohol greife nicht nur Leber und Nieren an, er führe auch zu Übergewicht, was Herz- und Kreislauferkrankungen zur Folge haben könne. Alkohol betäube die Sinne, könne depressiv machen und zum Selbstmord führen. "Am besten, ihr verzichtet komplett auf Alkohol. Also 0,00 Promille", appellierte Hauber an die Mittelschüler. Ähnlich wie bei Alkohol und Medikamenten verringern aber auch Drogen die nötige Leistungsfähigkeit beim Fahren. Nach Mitteilung des Referenten ereigneten sich 2013 1388 Unfälle unter Drogeneinfluss. 35 Menschen wurden dabei getötet, 457 schwer verletzt. "Insbesondere die sowieso schon stark gefährdete Personengruppe der 18- bis 24-jährigen Fahrer konsumiert vermehrt Drogen, fühlt sich aber noch fahrtüchtig und setzt sich hinters Lenkrad", erklärte Hauber.

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