LKR Coburg

Mit "Coburgin forte" Sucht wecken

In Stadt und Land Coburg wächst die Angst vor einer Unterversorgung mit Hausärzten in der Zukunft. Mit einer neuen Kampagne ergänzt die Gesundheitsregion jetzt ihr Ringen um die Gunst nicht nur junger Ärzte.
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Die Region wirbt mit ihren Reizen um Ärzte vom Medizinstudenten bis zum gestressten Krankenhausarzt. Foto: Regionalmanagement/Stefanie Rebhan
Die Region wirbt mit ihren Reizen um Ärzte vom Medizinstudenten bis zum gestressten Krankenhausarzt. Foto: Regionalmanagement/Stefanie Rebhan

Constanze Scheibl wünscht sich alle Hände voll zu tun. Nicht, dass es ihr als Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus langweilig wäre. Aber wenn sie sich bald vor Nachfragen von Ärzten und Medizinstudenten kaum retten könnte, die sich für die Arbeit im Coburger Land interessieren, dann wäre die neue Kampagne, die jetzt anläuft, ein voller Erfolg. Und die Versorgung mit genügend niedergelassenen Hausärzten wäre wohl in der Zukunft gesichert.

Die Sorge um eine ausreichende medizinische Versorgung vor allem im Landkreis ist nicht neu. Sie erhielt aber vor kurzem besondere Aufmerksamkeit, als eine Statistik den Landkreis Coburg zum Schlusslicht bei der Ärztedichte in Bayern erklärte. Landrat Sebastian Straubel (CSU) machte zwar darauf aufmerksam, dass bei der Statistik die Ärzte in der kreisfreien Stadt ebenso wenig einbezogen wurden wie angestellte Ärzte in Praxen der Landkreisgemeinden. Doch der Mangel wird nicht bestritten.

Kein neues Problem

Seit einigen Jahren klagen die Kommunen über einen hohen Altersdurchschnitt von 55 Jahren bei den Hausärzten. Viele von ihnen werden in den kommenden Jahren altersbedingt ihre Praxis aufgeben. Nachfolger sind rar. Dazu kommt, dass wegen des demografischen Wandels hin zu immer mehr älteren Menschen in der Region die Zahl der Patienten und der Arztbesuche rasch gestiegen ist und weiter steigt.

Daran wird gearbeitet. Seit 2014 lockt die Region mit Stipendien, die Medizinstudenten in den ersten fünf Jahren ihres Studiums mit monatlich 300 Euro unterstützen. Danach beginnt ihr praktisches Jahr und sie verdienen Geld. Ebenso in der fachärztlichen Ausbildung, die weitere fünf Jahre dauert. Danach verpflichtet sie das Stipendium, zwei Jahre im Coburger Land zu arbeiten. Elf Stipendiaten nehmen das Förderprogramm zurzeit an. Die "Medical school", die ein Studium in Rumänien unterstützt, ist eine weitere Säule.

Auffallen in der Menge

Doch das ist der Gesundheitsregion nicht genug. Viele Regionen werben um Ärzte. Umso mehr muss sich ins Zeug legen, wer Gewinner sein will. Das versucht die Gesundheitsregion in Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement von Stadt und Landkreis. Eine Kampagne, die von einer Berliner Agentur ausgearbeitet wurde, soll helfen.

Zielgruppen umwerben

"Wir wollen auf verschiedenen Wegen zielgruppenorientiert werben", erklärt Regionalmanager Stefan Hinterleitner. Vier Zielgruppen wurden ausgemacht: Medizinstudenten, Mediziner in der Facharztausbildung, Krankenhausärzte und niedergelassene Ärzte. "Der Wechsel wird immer schwerer, je mehr Zelte der Umworbene abbrechen muss", weiß Stefan Hinterleitner.

Die Agentur hat sich einiges einfallen lassen, um zuallererst überhaupt auf die Region aufmerksam zu machen. Alle Zielgruppen werden über Werbung auf Facebook, Online-Banner und auf Apps der Universitäten angesprochen.

Ärzte in der Fachausbildung und Etablierte in Krankenhäusern und Praxen bekommen "Post aus der Praxis" und Probepackungen des "Medikaments" "Coburgin forte", dessen Beipackzettel Infos über die Vorzüge der Region für niedergelassene Ärzte bietet. Alle Werbung soll zu Constanze Scheibl führen - oder online auf die Seite als-arzt-nach-coburg.de. Auf beiden Wegen soll jedem, der schon ein wenig "angebissen" hat, eindringlich klargemacht werden, was das Coburger Land an Lebensqualität, Bildungs-, Kultur- und Freizeitangeboten bietet. Aber auch kurze Wege, ausreichende Kitaplätze und Pflegeeinrichtungen, etwa für die älteren Angehörigen der Ärzte, werden als Pluspunkte ins Feld geführt. Constanze Scheibl lädt zu Besuchen in der Region ein, bringt Interessierte in Kontakt zu Ärzten, die schon in der Region arbeiten, hilft bei der Wohnungssuche und vermittelt Kontakte zu Praxen, die Verstärkung oder einen Nachfolger suchen. Die Werbetrommel wird also kräftig gerührt.

Doch: "Wir hätten uns noch einige andere Dinge vorstellen können, doch so etwas kostet auch Geld und unser Budget ist eben begrenzt", sagt Stefan Hinterleitner.

Geld, das in die Hand genommen werden sollte, sagt Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD). "Die Kammern berichten von Nachfragen durch Fachkräfte in Industrie und Handel, wie es mit der ärztlichen Versorgung in der Region aussieht, wenn sie sich für eine Arbeitsstelle hier interessieren", sagt er. Medizinische Versorgung der Bürger ist für ihn daher eine Pflichtaufgabe für alle Kommunen.

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