Bamberg

Mit blauem Auge davongekommen

Zwei 17- und 19-jährige Brüder aus dem Landkreis mussten sich vor dem Amtsgericht wegen zahlreicher Delikte verantworten.
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Da kam einiges zusammen bei den zwei Brüdern: gefährliche und versuchte Körperverletzung, Sachbeschädigung und versuchte Nötigung sowie Erschleichen von Leistungen (Schwarzfahren). Vor dem Amtsgericht kamen sie mit einem blauen Auge davon.

Viel ist an an diesem späten Montagabend im Juni 2017 am Ortseingang Altendorfs in Richtung Hirschaid nicht zu sehen. Um etwa 23 Uhr ist es am Parkplatz in der Nähe des Baggersees ruhig. Robert L. (Name geändert) ist mit dem Fahrrad dorthin unterwegs. Von einem Bekannten möchte der 17-jährige Auszubildende dort Marihuana kaufen. Als er sich der Sitzbank

nähert, kommen plötzlich zwei dunkel gekleidete und vermummte Gestalten auf ihn zu und beginnen, auf den Ahnungslosen einzuschlagen. Mit Fäusten und Knien wird Robert L. "bearbeitet" und trägt etliche Prellungen im Gesicht und blaue Flecken am Bauch davon. Trotz der vor das Gesicht gebundenen Kopftücher (Bandanas) erkennt Robert L., wen er da vor sich hat.

Einige Wochen später bekommt ein anderer Schulfreund die "schlagenden Argumente" zu spüren. Ihm gegenüber hatten sie mit ihrer Verprügelungsaktion geprahlt. Nun gilt es, ihn durch eine Drohung im Klassenzimmer davon zu überzeugen, die Sache für sich zu behalten. Und ihn dazu zu bringen, belastende Chat-Verläufe und ein Video der Tat zu löschen. Was der eingeschüchterte 17-jährige Auszubildende dann auch tut. Er wird nur nicht verletzt, weil eine Lehrerin eingreift.

Vor Jugendrichter Martin Waschner, dem Vorsitzenden des Jugendschöffengerichts, zeigten sich die Brüder geständig. Sie gaben an, sie hätten ihr Opfer nur "verarschen" wollen, und ihm sein Smartphone wegnehmen und kaputtmachen. Schaden etwa 200 Euro. "Wir wollten ihn nicht verletzen."

Im Hintergrund klang auch an, dass die Schwester der beiden Angeklagten von Robert L. sexuell belästigt und er dafür auch verurteilt worden war. Außerdem scheinen sich alle drei im Drogenmilieu zu bewegen, wie eine Hausdurchsuchung bei den Brüdern erbrachte, die nicht nur Marihuana-Reste und Joints zum Vorschein brachte, sondern auch Utensilien wie eine Feinwaage und einen Grinder zum Zerkleinern der Hanfpflanzen.

"Ganz wilde Story"

Bei einem Drogenankauf in Nürnberg, als sie "einige Dealer abziehen" wollten, fühlten sich die Brüder von Robert L. nicht richtig unterstützt, so dass sie "von sechs Kanaken fertiggemacht" worden waren. Man war auf den ehemaligen Kumpel also nicht gut zu sprechen.

"Das ist was wert", so der Jugendrichter. Das hatte sich in der Nacht der Tat gegenüber den eigenen Eltern und der Polizei noch ganz anders angehört. Da erzählten die Brüder "eine ganz wilde Story", so Staatsanwältin Schütte. Sie seien selbst überfallen und geschlagen worden. Als "Beweis" hatten sie ihre T-Shirts zerrissen und beschmutzt. Die Anklagevertreterin hatte für den älteren Bruder sogar eine siebenmonatige Jugendstrafe zur Bewährung und einen einwöchigen Warnschuss-Arrest gefordert. "Damit er einmal sieht, wie es in der JVA Nürnberg zugeht." Das hatten die Brüder trotz einiger Prozesse bislang tatsächlich noch vermeiden können.

Seit 2013 waren sie wegen Diebstahls, versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung, Bedrohung sowie der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgefallen. In letzterem Fall handelte es sich 2016 um das Verschicken eines Videos der antisemitischen Neonazi-Band "Kommando Freisler" per WhatsApp und das Zeigen des Hitler-Grußes.

Auf beide Brüder, die keinen Rechtsanwalt an ihrer Seite hatten, wandten Richter Waschner und seine beiden Schöffen das Jugendstrafrecht an. Der Bericht Klaus Grasers von der Jugendgerichtshilfe des Landkreises erzählte schließlich von einer minderjährigen Mutter, einem wegen Rauschgiftdelikten vier Jahre inhaftierten Vater, von Selbstverletzungen und Suizidversuchen, von stationären Aufenthalten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, von Intelligenz-Defiziten und Verhaltensauffälligkeiten ...

Der ältere der beiden muss eine Woche Dauerarrest in der Jugendarrestanstalt Würzburg absitzen und dafür einen Teil seines Urlaubes opfern. Der jüngere lernt an zwei Wochenenden das Gefängnis von innen kennen. Durch diesen Freizeitarrest kann er weiterhin ohne Einschränkung zur Schule gehen.

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