Kaltenbrunn im Itzgrund
Unser Thema der Woche // Mut & Courage

Mit 14 PS durch den Itzgrund

Norbert Reimann besitzt einen Vespa 400 aus dem Jahr 1959. Er nutzt das teilrestaurierte Vehikel für kleinere Ausfahrten auf Landstraßen. Das Auto wird am Sonntag beim Vespa-Treffen in Kaltenbrunn zu sehen sein.
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Norbert Reimann in seinem Vespa 400, einem heute sehr raren Kleinwagen aus den 1950er-Jahren. Aus heutiger Sicht gehört ein bisschen Mut dazu, sich mit einem solchen fahrbaren Untersatz in den Straßenverkehr zu begeben. Foto: Matthias Einwag
Norbert Reimann in seinem Vespa 400, einem heute sehr raren Kleinwagen aus den 1950er-Jahren. Aus heutiger Sicht gehört ein bisschen Mut dazu, sich mit einem solchen fahrbaren Untersatz in den Straßenverkehr zu begeben. Foto: Matthias Einwag

Matthias Einwag Es gehört schon ein wenig Mut dazu, sich heute mit einem Kleinwagen aus den 1950er-Jahren im Straßenverkehr zu bewegen. Norbert Reimann aus Memmelsdorf/Ufr. hat so ein Auto - einen Piaggio Vespa 400. Damit fährt der 76-Jährige gern über die Landstraßen des Itzgrundes. Am Sonntag wird dieses seltene Fahrzeug der Star beim 12. Vespa-Treffen in Kaltenbrunn sein.

Der Vespa 400 steht seit vergangenem Herbst in Norbert Reimanns Garage. Der gelernte Kfz-Meister hatte sich das Wägelchen mit 14 PS und 400 Kubikzentimeter Hubraum angeschafft, um es originalgetreu aufzupäppeln und dann damit kleine Ausfahrten zu unternehmen.

Luxus: Zwei Scheibenwischer

Diese Cabrio-Limousine wurde 1959 in Frankreich hergestellt, sagt er. Insgesamt seien 30 076 solche Autos gebaut worden, die heute sehr rar sind. Sein Vespa 400 sei die Luxus-Version, merkt er an. Aber was hat man in den 1950-ern unter Luxus-Ausstattung verstanden? Nun, der Kleinwagen besitzt zwei Scheibenwischer statt nur einem, er hat ein Tachometer und ein Armaturenbrett sowie ein Zündschloss.

Gemessen an heutigen Standards sind das Interieur und die Bauweise des 360 Kilogramm schweren und bis zu 85 km/h schnellen Vehikels höchst spartanisch: Sicherheitsgurte, Kopfstützen und Airbags verbaute man damals noch nicht. Der Ersatzreifen liegt unter dem Beifahrersitz. Immerhin verfügt das Fahrzeug bereits über Hydraulikbremsen, nicht mehr über Seilzüge. Und die Plexiglasfenster der hinten angeschlagenen Selbstmördertüren sind nicht zu öffnen - die Fenster lassen sich erst bei Modellen ab 1961 herunterkurbeln.

Und wie fühlt man sich, wenn man sich einem solchen Fahrzeug in den Straßenverkehr der Gegenwart einfädelt? Norbert Reimann grinst. "Man wird leicht übersehen - und man guckt immer nach oben", antwortet er und meint damit, dass ein wenig himmlischer Beistand nicht schadet. Momentan, ergänzt er, sei der Vergaser defekt, was dazu führe, dass der Zweitakter immer mal wieder plötzlich den Dienst versage. Doch das werde er bald reparieren. Ansonsten "fährt er sich wie ein normales Auto".

Die einfache Technik ist für den Kfz-Meister jedenfalls keine große Herausforderung. Wie alle Kleinwagen aus dieser Zeit sei der Vespa 400 leicht zu warten. Goggomobil, Isetta, Zündapp Janus, Messerschmitt Kabinenroller, Fuldamobil und Fiat 500 sind vom gleichen Kaliber. Fahrzeuge dieser Klasse lösten in den 1950ern allmählich die Mopeds und Motorroller ab. Sie waren kaum stärker motorisiert, boten aber den echten Luxus eines Daches gegen Witterungseinflüsse.

Fahren in der ursprünglichsten Form: Wer heute in so ein Auto steigt, wird verblüfft sein, dass man sich damit auch ohne Navi und Spurassistenten von A nach B bewegen kann. Ein solches Auto muss natürlich anders bedient werden als ein moderner SUV. Vorausschauendes Fahren ist unverzichtbar, denn die Trommelbremsen wirken nur spärlich auf die kleinen Räder. Die Reifen der Größe 145/80R10 sind übrigens noch immer mühelos zu haben, denn "aufm Schubkarren sind auch so ähnliche", scherzt Norbert Reimann. Mit den 23 Litern Tankinhalt lassen sich immerhin 450 bis 500 Kilometer zurücklegen - das reicht im Itzgrund allemal.

Obwohl der Vespa 400 äußerlich ganz respektabel aussieht, möchte Norbert Reimann ihn innen noch überarbeiten: "Man restauriert ihn so, dass er hält und dass man damit fahren kann."

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