Ebermannstadt
Lesung

Michael Zeller stellte Gymnasiasten vor grundlegende Fragen

"Es ist ein sehr harter Weg, aber er ist sehr empfehlenswert. Ich muss aber auch davor warnen", antwortete Schriftsteller Michael Zeller bei seiner Lesung im Gymnasium Fränkische Schweiz. Eine Schüler...
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"Es ist ein sehr harter Weg, aber er ist sehr empfehlenswert. Ich muss aber auch davor warnen", antwortete Schriftsteller Michael Zeller bei seiner Lesung im Gymnasium Fränkische Schweiz. Eine Schülerin hatte gefragt, ob er ihr rate, Schriftstellerin zu werden.

Zeller erzählte, dass er Literatur studiert habe und als Professor für Literatur Dozent an der Universität in Erlangen war. "Das würde ich nicht mehr machen. Deshalb rate ich Interessierten, ein Jahr nach Australien oder Neuseeland zu fahren und Erfahrungen zu sammeln", meinte der Schriftsteller weiter.

Falls aus diesen Erfahrungen "etwas rauskommt", dann solle man schreiben, ansonsten einen Beruf erlernen. Bei ihm war der Wunsch, zu schreiben, bereits in der Schule da. Beim Lesen war er gefangen im Zauber dieser Parallelwelt - in der Welt von Indianern, Rittern oder Göttern.

Mit den ersten Schreibversuchen begann ein "Kampf mit der Welt", den er beschrieb mit: "Entweder man zerbricht daran oder man besteht." Mit Mitte 30 fasste Zeller den Mut und entschied sich, nur noch zu schreiben. Daraus entstanden über 40 Bücher, davon acht Romane. Mittlerweile lebt er in Wuppertal und sagt: "Ein Literat wird in der Schule geboren."

Deutschlehrerin Steffi Nikolai hatte Zeller eingeladen, im Rahmen des Unterrichtsthemas "Moderner Roman und Roman der Gegenwart" aus seinen Büchern vorzulesen und mit den Schülern der 12. Jahrgangsstufen darüber zu diskutieren.

"Ich halte hier schon seit 20 Jahren literarische Lesungen und fühle mich wohl hier", meinte Michael Zeller. Er las aus seinen Romanen "Die Sonne! Früchte. Ein Tod", "Der Wiedergänger" und "Falschspieler" den Anfang vor und fragte die Schüler, was sie jetzt erfahren, welche Bilder sie gesehen und was sie empfunden hatten.

"Die angenommenen Zeitsprünge sind typisch für den modernen Roman", meinte einer der Schüler und Zeller erklärte, dass diese Art der Literatur nicht einfach zu lesen sei, denn der Leser müsse "mitarbeiten", also aktiv bei der Sache dabei sein und sich auf den Roman einlassen.

Zeller erklärte, dass er den Trick angewandt habe, eine fiktive Welt real erscheinen zu lassen. "Wir Erwachsenen haben unseren Kopf. Wir wollen nur Wahres glauben", erläuterte der Schriftsteller.

Aus seiner Erzählung "Bruder Tod" las Zeller ein wenig mehr vor. Hier war den Schülern gleich die kindliche Perspektive des Protagonisten aufgefallen, die Verzweiflung der Mutter, die zum toten Sohn gerufen wird, und der Versuch des Bruders, mit der Situation fertig zu werden. "Hätte man die Verzweiflung der Mutter weglassen sollen", fragte der Schriftsteller die Schüler, die das verneinten. Eine Schülerin meinte, dass jede andere Mutter ebenfalls in ihrer Verzweiflung alles versucht hätte, um am Tod des Kinds etwas zu verändern. "Der Junge auf der Bahre war in eurem Alter", erklärte Zeller, denn er habe hier eigene Erfahrungen verarbeitet. "Mein Bruder war 17, als er starb. Ich wollte seine Spur verbreitern und ihn nicht völlig in der schwarzen Nacht verschwinden lassen", sagte Michael Zeller.

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