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Kronach

"Mensch rückt in Mittelpunkt"

IHK-Vizepräsident Hans Rebhan ist überzeugt: Ende 2020 wird der Lucas- Cranach-Campus in Kronach seinen Betrieb aufnehmen. Mit ihrem Ansatz für den Umgang mit den Studierenden wird die Region neue Wege einschlagen.
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Die Verantwortlichen für den Lucas-Cranach-Campus in Kronach setzen sich sportliche Ziele. Bereits im Jahr 2020 soll der Studienbetrieb aufgenommen werden. Symbolbild: Thomas Frey/dpa
Die Verantwortlichen für den Lucas-Cranach-Campus in Kronach setzen sich sportliche Ziele. Bereits im Jahr 2020 soll der Studienbetrieb aufgenommen werden. Symbolbild: Thomas Frey/dpa
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Der Lucas-Cranach-Campus in Kronach wird im kommenden Jahr starten, davon sind die Verantwortlichen für das Vorhaben überzeugt. Politisch werden zügig die letzten dafür noch notwendigen Grundlagen geschaffen.

Dazu zählt ein Kommunalunternehmen ebenso wie eine Stiftung. Genauso wichtig ist es aber, den jungen Menschen zu erklären, warum sie zum Studieren nach Kronach kommen sollen. Im Interview spricht einer der Motoren in der Campus-Debatte, IHK-Vizepräsident Hans Rebhan, über den Stand der Dinge. Wie profitieren die Region und die Stadt ganz konkret von einem Lucas-Cranach-Campus, wenn die angestrebten 1000 Studierenden in Kronach sind?

Hans Rebhan: Ich sehe die Belebung von Stadt und Landkreis durch junge Leute, durch eine studentische Community sowie die Ausweitung von Kultur- und Freizeitangeboten. Das Ganze ist verbunden mit einem neuen Lebensgefühl. Die Freizeit-, Kultur- und Gastroszene blüht auf. Ich sehe Forschungszentren als Inkubatoren für F & E (Forschung und Entwicklung; Anm. d. Red.) der regionalen Unternehmen. Duale Studiengänge könnten als Fachkräftemotor der Region wirken, Startup-Studiengänge als Katalysator der Gründerszene. Auf dem Nährboden dieser jungen Menschen sollte eine Innovationsökologie entstehen. Das heißt, es ist der richtige Nährboden für gute Ideen, um die Zukunftsfähigkeit der Region zu stärken. Dies kann in Form von Neugründungen oder von gemeinsamen Projekten mit den Unternehmen vor Ort erfolgen.

Es gibt so viele Studienmöglichkeiten und -orte. Warum sollte jemand ausgerechnet in Kronach studieren?

Wir können in Kronach eine familiäre und authentische Atmosphäre bieten, einen wunderschönen, mittelalterlichen Stadtkern in einer Naturlandschaft, die von außergewöhnlicher Attraktivität geprägt ist. Gemeinsam werden wir ein besonderes Wir-Gefühl wecken - mit kurzen Wegen und direktem Kontakt zu den Entscheidern. Wir sehen die Euphorie, mit der man auf die ersten Studierenden blickt. Und wir denken an die Euphorie, die sich auch mit den ersten Studierenden des Studiengangs Zukunftsdesign bemerkbar gemacht hat. Und im Gegensatz zu den Ballungszentren gibt es bei uns bezahlbare Wohnungen. Das alles spricht für Kronach.

Sie sprechen gerne von einem Alleinstellungswert in Kronach. Wie soll eine solche Markenbildung funktionieren, damit man auch in München und Berlin davon spricht?

Indem man sich radikal an den Kommunikationsmustern der Zielgruppen orientiert und von deren Bedarfen ausgeht, diese authentisch adressiert und persönliche Bindungen zur Region generiert. Als Beispiel sehe ich den Studiengang Zukunftsdesign. Man schafft etwas, das echt ist, das wirklichen Raum zur Veränderung bietet und bei dem man die jungen Menschen ernst nimmt und ihnen zuhört. Das ist eben der Unterschied zu einer Metropole und ihrer Anonymität.

Welche Rahmenbedingungen erwarten sich die Studierenden in Kronach? Welchen Nutzen kann die Bevölkerung daraus ziehen?

Die "Generation Netflix" benötigt schnelles, kostenloses Internet und die Möglichkeit zum Austausch. Die Leute lernen und kommunizieren heute anders. Wichtig ist nicht, zu sagen, früher war alles besser. Man muss den jungen Menschen zuhören und sie ernstnehmen. Der Leitgedanke ist, dass man die Bedarfe dieser Generation wahrnimmt, weil sie die erste Generation der digitalen Revolution darstellt. Man muss ihr Raum geben.

Wir werden diese Gedanken mit den Bedarfen der Industrie verbinden. Ich weiß, das wird schwierig, aber für diesen Austausch braucht es einen Raum - und das ist der Lucas-Cranach-Campus. Das ist der Geist von Kronach: von Menschen für Menschen. Digitalisierung heißt für uns nicht, dass wir allen ein Tablet in die Hand drücken, sondern dass wir anders denken. Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt.

Zurzeit ist in den örtlichen politischen Gremien von der Gründung eines Kommunalunternehmens die Rede. Stadt und Landkreis Kronach sollen sich dabei einbringen. Wozu wird ein solches Unternehmen benötigt?

Das Kommunalunternehmen muss die unabdingbaren infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen. Es geht um die Fragen: Wo findet die Lehre statt? Wo sind die Labore? Wo wohnen die Studierenden? Wie werden sie versorgt? Das Kommunalunternehmen soll der Eigentümer der Gebäude sein, die Verantwortung für das Gebäudemanagement und die Bauentwicklung sowie für die Instandsetzung der Infrastruktur tragen. Als Eigentümer vermietet es die Liegenschaften an die Bildungseinrichtungen.

Und wofür ist die Stiftung gedacht?

Die Stiftung soll die Verzahnung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft fördern und die Aktivitäten der Hochschulen unterstützen. Ich sehe hier auch die mögliche Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis.

Wie sind die zeitlichen Zielmarken für die Gesellschaft, aber auch für den Betrieb der Hochschule zurzeit getaktet?

Wir werden mit dem Wintersemester im Herbst 2020 starten, auch wenn ich weiß, dass das sehr ambitioniert ist. Damit wir die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen können, sollten die verantwortlichen kommunalen Vertreter bemüht sein, zum Jahresanfang das Kommunalunternehmen ins Leben zu rufen. Ansonsten sind wir ja mit dem berufsbegleitenden Studiengang Zukunftsdesign bereits gestartet. Wir haben 130 Masterstudierende der Hochschule Coburg in Kronach.

Wir werden ab dem Wintersemester 2020 die Angebote, die wir dann gemeinsam unter der Dachmarke Lucas-Cranach-Campus vermarkten wollen, erweitern und damit eine deutliche überregionale Sichtbarkeit erreichen. Die Angebote sollen dann sukzessive ausgeweitet werden. Ziel ist, dass wir in einem mittel- bis längerfristigen Zeitraum eine Gesamtzahl von circa 1000 Studierenden in Kronach erreichen.

Die Fragen stellte Marco Meißner

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