Bamberg

Meister im Meistern verrückter Situationen

Bambergs neuer Cheftrainer Luca Banchi will der Brose-Mannschaft neues Selbstvertrauen geben und sie in die Play-offs führen.
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Foto: Daniel Löb Grafik: Micho Haller
Foto: Daniel Löb Grafik: Micho Haller
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Luca Banchi soll beim neunmaligen deutschen Basketball-Meister Brose Bamberg in dieser verkorksten Saison retten, was noch zu retten ist - vor allem in der Bundesliga, denn in der Euroleague ist der Play-off-Zug längst ohne die Bamberger abgefahren. Am Dienstagabend leitete der 52-jährige Italiener, der wie sein Vorgänger Andrea Trinchieri gerne Pasta kocht, das erste Training bei seinem neuen Klub. Mitte Januar hatte er trotz Platz 5 in der italienischen Liga und dem Erreichen der Top 16 im Eurocup auf Grund von Unstimmigkeiten mit dem Management seine Arbeit in Turin beendet.
Im Trainingszentrum in Strullendorf stellte sich der seit 28 Jahren verheiratete Familienvater (eine Tochter und ein Sohn), der erstmals außerhalb seines Heimatlandes tätig ist, im Interview vor und erläuterte ruhig und sachlich seine Pläne.
Wie sehen Sie Ihre Aufgabe, die alles andere als einfach ist?
Luca Banchi: Derzeit ist sie das sicher nicht, aber dank des Teams, der Tradition, der Mentalität und der Organisation war es einfach für mich, Ja zu sagen. Ich finde eine sehr gute Mannschaft vor, die sich in der Euroleague sehr ordentlich geschlagen hat, aber in der Bundesliga ein wenig ins Straucheln geraten ist. Das ist auch der erste Punkt, den wir angehen müssen. Aber schon in Gießen hat das Team eine solide Leistung gezeigt. Das war ein guter Start auf dem Weg, die Hauptrunde bestmöglich zu beenden.

Wie sieht Ihr erster Schritt aus, die Mannschaft wieder in einen Rhythmus zu bringen?
Ich muss liefern. Das ist nicht einfach, weil ich nur wenig Zeit habe. Meine Rolle besteht darin, jeden zu beruhigen und Vertrauen zu geben. Ich habe in dieser kurzen Zeit nicht die Möglichkeit, viel zu verändern. Ich habe einige Spieler und den Trainerstab befragt, damit ich schnell einen Kenntnisstand darüber bekomme, was hier abläuft. Ich werde meinen Stil im Training, im Spiel und im Verhältnis untereinander einbringen. Dann werden wir schnell sehen, ob das ausreicht, um unsere Ziele zu erreichen.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Ich bin kein Trainer, der seine Spieler fertig macht. Aber ich fordere schon, dass die Mannschaft mit viel Energie trainiert. Denn so wie du trainierst, präsentierst du dich auch im Spiel. Dieses Team hat gezeigt, dass es die richtige Mentalität besitzt, aber einfach mehr Konstanz und Selbstvertrauen benötigt. Diesbezüglich werde ich alles versuchen, den Jungs zu helfen. Da helfen aber nur Siege entscheidend weiter. Wir müssen demütig sein und begreifen, dass wir in einem Programm arbeiten, das viele große Siege eingefahren hat. Die Erwartungen sind riesig. Deshalb müssen wir hart arbeiten und uns auf die richtigen Werte konzentrieren. Wir dürfen nicht nur darüber reden, dass wir groß sind, wir müssen es auch zeigen.

Können Sie sich vorstellen, die Mannschaft wieder zur Meisterschaft zu führen?
Es ist nicht einfach, mit dem Druck umzugehen. Jeder in Bamberg hat es verdient, dass wir diese Saison erfolgreich zu Ende spielen. Siena hat sechs Titel in Folge gewonnen, als ich vom Assistenten zum Headcoach befördert wurde. Viele Leute haben gesagt, ich sei verrückt, diesen Posten zu übernehmen. Aber wir haben den Pokal und die Meisterschaft gewonnen. Dann ging ich nach Mailand, wo es 19 Jahre kein Coach geschafft hat, das Team zur Meisterschaft zu führen. Wieder sagten alle, ich bin verrückt. Aber wir waren erfolgreich. Vielleicht bin ich auch ein bisschen verrückt, mich für die Aufgabe hier entschieden zu haben ... (lacht).
Was ist aus Ihrer Sicht realistisch?
Zuerst einmal die Mannschaft auf das Spiel in Piräus vorzubereiten. Wir müssen Schritt für Schritt gehen. Speziell in der Bundesliga haben wir noch zwölf Partien, in denen wir uns einen Platz unter den ersten acht sichern wollen. Vier Teams haben das Play-off-Ticket schon sicher, dahinter kämpfen acht Teams um vier Plätze. Wir wollen die Play-offs erreichen - und dafür gilt es, Siege einzufahren.

Wie gehen Sie die ersten Spiele an?
Wir müssen eine Möglichkeit schaffen, unsere Fans glücklich zu machen - das ist das Hauptziel. Die Partie in Ulm ist genauso wichtig wie das Spiel in Gießen, denn auch die Ulmer sind ein direkter Konkurrent im Play-off-Rennen. Deshalb müssen wir dieses Spiel bestmöglich vorbereiten. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Mannschaft mit der richtigen Mentalität und Einstellung auf dem Feld steht. Und damit werden wir in Piräus beginnen, auch wenn das Spiel in Ulm ein ganz besonderes für uns ist.

Die Fragen stellte Klaus Groh.
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