Haßfurt

Mehrwert durch Mehrgenerationenhaus

Die Erfolgsgeschichte des Mehrgenerationenhauses in Haßfurt wird nunmehr seit zehn Jahren geschrieben. Ein Blick hinter die Kulissen.
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Anne Borst überreichte jedem Gast der MGH-Zehnjahrfeier ein selbst gebackenes Lebkuchenherz, darunter auch der bayerischen Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer. Foto: Ulrike Langer
Anne Borst überreichte jedem Gast der MGH-Zehnjahrfeier ein selbst gebackenes Lebkuchenherz, darunter auch der bayerischen Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer. Foto: Ulrike Langer

Ulrike Langer "Als wir 2008 das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Haßfurt gegründet haben, bin ich mit sehr viel Elan, Euphorie und Herzblut an die Arbeit gegangen", erzählte MGH-Leiterin Gudrun Greger anlässlich der Zehnjahresfeier am Samstag. "Denn das Konzept hat mich begeistert und ich dachte, dass sich die Kommunen, Behörden und Akteure im sozialen Bereich darum reißen würden. Für mich war das ein Zukunftsprojekt für die Stadt Haßfurt und den Landkreis Haßberge."

Doch die Realität sah ein bisschen anders aus. Denn Gudrun Greger und ihre Mitarbeiter mussten die ersten sechs Jahre sehr viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit leisten: "Nicht jeder fand das Konzept toll und nicht jeder sah den Bedarf gegeben. Doch heute sind wir angekommen." Rund 300 Nutzer zählt das MGH am Marktplatz in Haßfurt jeden Tag, das in der Woche 65 Stunden lang geöffnet ist.

Den Erfolg führt die Leiterin darauf zurück, dass sie und ihre Mitarbeiter an den Bedarf und an die Bedürfnisse der Bürger angeknüpft haben. "Wir haben stets zukunftsorientiert gearbeitet und wir haben keine Parallelstrukturen aufgebaut, sondern Lücken im Angebot geschlossen", betonte sie. So hatte sie beispielsweise schon lange vor der Zeit Themen wie Alterseinsamkeit, Selbstbestimmtheit im Alter oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen aufgegriffen.

Dass das MGH den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie den Nutzern ans Herz gewachsen ist, wurde an der Zehnjahrfeier im Rathaus verdeutlichtet. Es gab sehr viele Beiträge und noch mehr Glückwünsche zum kleinen Jubiläum von vielen Seiten.

Danksagungen von allen Seiten

So war zum Beispiel Kerstin Schreyer, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, eigens aus München angereist, weil ihr der Kontakt so wichtig ist. "Das MGH Haßfurt, eines von 90 Häusern in Bayern, ist ein Mehrgenerationenhaus der ersten Stunde", sagte sie. "Das MGH ist durch seinen Zusammenhalt eine Kraftquelle für Jung und Alt, ein Zusammenspiel von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern und dieses freiwillige Engagement müssen wir sehr hoch schätzen", betonte sie. Sie forderte die Verantwortlichen auf, den Politikern mitzuteilen, was sich in der Gesellschaft verändere.

Weitere Redner schlossen sich dieser Meinung an. Die Laudation hielt Detlef Krüger, der das MGH als Prozessbegleiter kennenlernte und es als "Generationenverbund von Menschen, ein Markt der Möglichkeiten mit seinen vielleicht einhundert Angeboten" bezeichnete. Es sei ein ausbalanciertes Geben und Nehmen, "ein Leuchtturm mitten in der Stadt und die Liste der Auszeichnungen ist sehr lang."

Per Film kam sogar der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder zu Wort, der die Förderung der Mehrgenerationenhäuser als "wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt" bezeichnete. Auch für Bürgermeister Günther Werner ist das MGH eine "treibende Kraft des bürgerlichen Engagements in der Stadt und in seiner Arbeit sehr überzeugend".

Gerade in den Zeiten des demographischen Wandels und der Digitalisierung sei es unglaublich wichtig, dass das Zusammenleben in der Gesellschaft funktioniere. "Diese Arbeit könnte unsere Kommune gar nicht leisten", sagte er. Was die in den vergangenen zehn Jahren 184 405 ehrenamtlich geleisteten Stunden im MGH kosten würden, wenn nur der (alte) Mindestlohn bezahlt werden müsste, erhielten die Gäste in Form einer Postkarte schriftlich: Es wären 1,63 Millionen Euro.

Familienzentrum als Ergänzung

Landrat Wilhelm Schneider teilte zudem mit, dass es derzeit Diskussionen über die Gründung des Familienzentrums am Landratsamt Haßberge gebe. "Doch wir sollten uns nicht als Konkurrenten, sondern als Ergänzung sehen", sagte er und betonte: "Das MGH ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden und an der Finanzierung des Landkreises soll es nicht scheitern."

Leiterin Gudrun Greger hoffte am Ende der Feier, dass alle kommunalen Entscheidungsträger erkennen, welchen finanziellen Mehrwert sie durch die Arbeit der Mehrgenerationenhäuser haben. Immer noch muss sie jedes Jahr die Stadt und den Landkreis um notwendige Gelder bitten. Nach zehn Jahren hervorragender Arbeit wünscht sie sich "dass unser MGH finanziell auf sichere Beine gestellt wird".

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