Coburg

Mehr Praxis fürs Studium

Was schon der chinesische Philosoph Konfuzius wusste, wird beim Elektrotechnik-Studium an der Hochschule Coburg in die Tat umgesetzt. Denn am besten lernt man etwas, wenn man es selber ausprobieren kann.
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Studenten zeigen Studenten, wie sie ihr Wissen aus der Elektrotechnik anwenden können, zum Beispiel beim Löten von Platinen.  Foto: Hochschule Coburg
Studenten zeigen Studenten, wie sie ihr Wissen aus der Elektrotechnik anwenden können, zum Beispiel beim Löten von Platinen. Foto: Hochschule Coburg

Studenten der Elektrotechnik sollten schon im ersten Semester vieles praktisch ausprobieren, finden die Studenten Robert Falkenstein, Daniel Melzer und Markus Hülß. Die drei haben deshalb Extrastunden organisiert, in denen sie mit jüngeren Kommilitonen die Praxis üben. Das Konzept soll jetzt sogar in den normalen Stundenplan aufgenommen werden.

Es ist fast wie bei einem Rätselspiel. "Ihr habt drei Schränke zur Auswahl. Findet dort die richtigen Kabel für diese Geräte." So lautet Robert Falkensteins Aufgabe für die Studenten, die heute zum Seminar gekommen sind. Auf dem Plan steht das Thema Ladekurven. Falkenstein will der Gruppe zeigen, wie sie Spannungen und Strom unter verschiedenen Voraussetzungen messen können. Die Geräte, die noch unverkabelt auf dem Tisch stehen, sind ein Labornetzgerät und ein Multimeter. Mit dem einen kann man Strom und Spannung erzeugen, mit dem anderen kann man sie messen. Während die Ersten etwas zögerlich in die Schränke gucken, laufen zwei Studenten zielstrebig auf die Schrankwand mit den roten und schwarzen Kabeln zu. Je eins davon nehmen sie mit. Ihre Wahl war richtig. "Das sind Bananenstecker", erklärt Falkenstein. Die werden als Steckverbindung bei geringen Spannungen verwendet. Die nächste Aufgabe: Die Kabel richtig einstöpseln und die Geräte einstellen. Was auf den ersten Blick ziemlich banal klingt, ist für viele Studenten eine wichtige Grundlage.

"Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können." Was schon der chinesische Philosoph Konfuzius wusste, wird hier in die Tat umgesetzt. Denn am besten lernt man etwas, wenn man es selber ausprobieren kann.

"In den ersten Semestern nimmt man ziemlich viel Theorie durch", sagt Robert Falkenstein. "Irgendwann stellt man sich dann die Frage: Warum mache ich das eigentlich?" Später im Studium ändere sich das zwar, aber die drei Studenten fanden es schade, dass nicht schon die unteren Semester mehr Praxiserfahrungen sammeln können.

Deshalb haben sie Praxis-Workshops organisiert, der erste Durchlauf noch relativ formlos, aber es funktioniert. Die Studenten machen mit. Auch, wenn das Angebot freiwillig ist und sie keine Punkte dafür bekommen.

Dann wird Bianca Schmidt vom Projekt:ING der Hochschule Coburg auf das Angebot aufmerksam. Sie sucht gerade nach Konzepten, mit denen man Studenten in den MINT-Fächern fördern kann. Die Idee der drei Studenten gefällt ihr. "Ich habe die drei angesprochen und gefragt, ob wir das Konzept professionell aufbereiten wollen. Zusammen haben wir das Ganze dann in Form gebracht und bei der Fakultät angefragt, ob wir das nicht offiziell anbieten können", erzählt Bianca Schmidt.

In der Fakultät Elektrotechnik und Informatik stoßen sie auf Zustimmung und auf ein ungewöhnliches Angebot. Denn ab dem nächsten Semester wollen die drei Studiengänge der Elektrotechnik etwas ganz Ähnliches mit den Studierenden machen. Sogenannte Motivationsfächer für Erstsemester sollen sogar Teil des regulären Stundenplans werden. Also dürfen Falkenstein, Melzer und Hülß ihr Projekt fortsetzen und als Testlauf für die Fakultät anbieten. Bianca Schmidt schult die drei, damit die Treffen einem roten Faden folgen.

Das Angebot bekommt eine Form

Auch der zweite Durchlauf wurde gut angenommen. An sechs Terminen übten sie mit Erstsemestern, Mikrocontroller zu programmieren, Platinen zu löten und Ladekurven auszuwerten. Die Inhalte bauen auf dem Stoff auf, den die Studenten im regulären Stundenplan durchnehmen.

Die Gruppe will sich auch im nächsten Semester wieder treffen. "Das Angebot kommt an, weil es einfach sehr niederschwellig ist. Unter Studierenden kann man anders reden und Fragen stellen", sagt Bianca Schmidt. Mit dem Feedback der Gruppe soll das Konzept weiter angepasst werden und auch in den nächsten Semestern für die Studenten offen sein. Künftige Erstsemester sollen dann bereits vom neuen Stundenplan profitieren. rus

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