Himmelkron

Mehr Patienten - weniger Personal

Die Gewerkschaft IG Metall fordert bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Sie setzt große Hoffnungen auf das Volksbegehren "Stoppt den Pflegenotstand an Bayerns Krankenhäusern".
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Gut ausgebildetes Pflegepersonal wird an den Kliniken immer mehr zur Mangelware. Symbolbild: Daniel Bockwoldt, dpa
Gut ausgebildetes Pflegepersonal wird an den Kliniken immer mehr zur Mangelware. Symbolbild: Daniel Bockwoldt, dpa
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Stephan Herbert Fuchs Der Pflegeberuf muss attraktiver werden. Das fordert Thomas Agel, Personalratsvorsitzender der Kliniken Hochfranken mit Standorten in Münchberg und Naila. Viele Pflegkräfte könnten zum Wohle der Patienten besser arbeiten, wenn ausreichend Personal und Zeit zur Verfügung stünde, sagte Agel bei einer Veranstaltung der IG Metall am Dienstagabend in Himmelkron.

Große Hoffnungen setzt die Gewerkschaft auf den Ausgang des Volksbegehrens "Stoppt den Pflegenotstand an Bayerns Krankenhäusern". Über die Zulassung entscheidet derzeit das Bayerische Verfassungsgericht. Während die Staatsregierung auf die Zuständigkeit des Bundes und das neue Pflegestärkungsgesetz verweist, waren binnen kurzer Zeit an die 120 000 Unterschriften für das Volksbegehren eingegangen. Eine Entscheidung wollen die Richter am 16. Juli verkünden. "Wir können derzeit nur abwarten", sagte Thomas Agel. Egal wie es ausgeht, das Thema sei auf jeden Fall einmal gesetzt und habe die Köpfe vieler Menschen erreicht.

Mehr Fälle, eine höhere Patientendichte, die immense Zunahme der Dokumentationspflichten und Hygienevorschriften: all das sorge dafür, dass bei den Mitarbeitern der Leistungsdruck immens zugenommen hat. "Wenn ich mehr dokumentieren muss, bleibt weniger Zeit für die Patienten", so der Referent, der früher selbst als Pfleger tätig war und die Notfallambulanz in Münchberg leitete.

An manchen Kliniken sei die Situation so knapp, dass man zeitweise hilflos vor den Dienstplänen stehe. Kein Wunder, dass gerade beim Pflegepersonal psychosomatische Erkrankungen massiv zugenommen hätten. Viele Kollegen stünden vor dem Burnout.

Neben der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen in der Pflege hat die Gewerkschaft auch eine weitere Kernforderung des Volksbegehrens übernommen: "vernünftige Personalbedarfsberechnungen". Die sind eigentlich im neuen Pflegepersonalstärkungsgesetz vorgesehen. Da die Verhandlungen mit den Kassen erst jetzt langsam beginnen, könne man noch keine Aussage über den Erfolg des Gesetzesvorhabens treffen. Thomas Agel kann sich aber nur schwerlich vorstellen, "dass dadurch jetzt wirklich alles besser wird".

Ein weiteres Problem, das die Gewerkschaft auf die Gesellschaft zukommen sieht, ist der Fachkräftemangel, auch im Pflegebereich. "Pflegekräfte werden wirklich gesucht", so der Personalratsvorsitzende. Die Hochfranken-Kliniken seien davon noch nicht so betroffen. Hier sei der Mangel noch nicht so signifikant, weil sie eine eigene Krankenpflegeschule betreiben. Allgemein sei aber schon festzustellen, dass gut ausgebildetes Personal lieber zu niedergelassenen Ärzten geht, wo es kaum Nacht- und Wochenendschichten gibt.

Entstanden sei der Pflegenotstand nach den Worten von Thomas Agel bereits ab 2003 mit der Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen. Während Kliniken früher umso mehr von einem Patienten profitiert hätten, je länger er sich im Krankenhaus aufhielt, sei das System daraufhin auf den Kopf gestellt worden. Plötzlich habe es Grenzverweildauern gegeben, dadurch sei ein starker Leistungsanreiz entstanden. Die Antwort der meisten Häuser seien Einsparungen beim Personal gewesen. Weil man vor dem Hintergrund des Pflegenotstandes aber derzeit nicht noch schlechter bezahlen kann, werde das Personal eben heruntergefahren, so dass für die Beschäftigten ein immer größerer Arbeitsdruck entsteht.

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