Hallstadt

Mehr Baustellen packen sie nicht

Die Hallstadter Gewerbetreibenden ächzen unter der Vielzahl der Verkehrsbehinderungen in der Stadt und haben deswegen auch beim Bürgermeister vorgesprochen.
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Die Bamberger Straße in Hallstadt: Auch hier ist das Durchkommen wegen diverser Baustellen schwierig.  Foto: Ronald Rinklef
Die Bamberger Straße in Hallstadt: Auch hier ist das Durchkommen wegen diverser Baustellen schwierig. Foto: Ronald Rinklef

Anette Schreiber Fast sein ganzes Hallstadter Berufsleben lang hat sich Apotheker Peter Gicklhorn mit Baustellen konfrontiert gesehen: Zuerst war es die des Umbaus in der eigenen Apotheke; dann wurde die Sparkasse im gleichen Gebäude umgebaut. Im Anschluss entstand die Marktscheune, danach die Kindertagesstätte und zuletzt hat vor etwa einem Jahr die Großbaustelle am Marktplatz ihren Betrieb aufgenommen. Und wenn die beendet ist, so haben die Mitglieder des Hallstadter Gewerbevereins jüngst vernommen, soll die Bamberger Straße an die Reihe kommen. "Das überleben wir nicht", ist sich Gicklhorn sicher.

Harald Stretz von Zweirad-Stretz sowie Mathilde Biesterfeld und ihr Mann Hermann (Optik Biesterfeld) sehen das genauso. Sie sind seit vielen Jahren im Hallstadter Gewerbeverein organisiert, und der hatte jüngst einen Termin mit dem Bürgermeister. Von gut 80 Mitgliedern war fast die Hälfte erschienen. Eben wegen der Baustelle und deren Auswirkungen für die Gewerbetreibenden. Der Gewerbeverein begrüßt zwar die Gesprächsbereitschaft von Bürgermeister Thomas Söder (CSU), hat aber in Sachen Baustellen Kritikpunkte beziehungsweise Anregungen.

Baustellenmanagement

Die Hauptkritik aus dem Gewerbeverein gilt dem aus seiner Sicht fehlenden Baustellenmanagement. Denn neben der Großbaustelle an Marktplatz und Lichtenfelser Straße werde dann auch an dem innerstädtischen Quartier gearbeitet. Für dieses wiederum sei die Hochwasserfreilegung eine Voraussetzung, wissen die Wortführer. Ebenfalls Auswirkungen auf die Innenstadt haben die Baumaßnahmen am Schwanenbräu (halbseitige Sperrung im Straßenabschnitt davor). Dann sei die Mainbrücke zwischen Hallstadt und Dörfleins seit kurzem nur noch einspurig befahrbar. Weiteren Baustellenverkehr bringe zuletzt auch die ICE-Baustelle.

Gicklhorn, Stretz und Biesterfelds, wie auch etliche weitere Gewerbevereinsmitglieder stört es, dass hier keine Absprachen getroffen worden waren, die Arbeiten nicht besser koordiniert wurden.Der Gewerbeverein blickt mit Schrecken dem nächsten und dritten Bauabschnitt entgegen: Ab dem Kreisel im Norden ist dann der gesamte Bereich um den SV Hallstadt abgeschnitten.

"Wie sollen gerade die älteren und gehbehinderten Patienten hingelangen und wie der dort ansässige Allgemeinarzt bei Notfalleinsätzen zu seinen Patienten", fragt Hermann Biesterfeld. Er weiß, dass sich der Arzt inzwischen einen Motorroller zugelegt hat, um seine Patienten zu erreichen. Gicklhorn wiederum musste erst kürzlich feststellen, dass er von der Apotheke bis zum Arzt 40 Minuten brauchte. Dabei hat er dann gleich miterlebt, wie ein Krankenwagen "wertvolle Minuten" an der Engstelle vor der Schwanenbräu ausharren musste, bis Linienbus und Landwirtschaftsfuhrwerk vorbei waren.

Viele der Gewerbetreibenden in der Stadt sind auf Kunden von auswärts angewiesen. Harald Stretz erklärt, 30 Prozent seiner Kunden seien Hallstadter, der Rest von auswärts. Aus dem Süden, also von Bamberg, kämen gleichwohl die wenigsten. Dabei sei er von hier noch am einfachsten anzusteuern.

Die Zahlen der Mittelständler im ersten Jahr der Marktplatz-Baustelle sprechen eine deutliche Sprache: Gut 20 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnen die rund um den Stadtkern Betroffenen. "Mindestens", ergänzt Stretz. Manche hätten sogar einen Zusatzjob annehmen müssen, um über die Runden zu kommen.

Die Geschäftsleute nennen einen weiteren gravierenden Faktor: Umsatz und Personalkosten stünden in schlechter Relation zueinander. Doch angesichts des allgemein herrschenden Fachpersonalmangels sind Entlassungen während der Baustellenzeit keine Lösung: "In ein paar Jahren, wenn die Baustellen abgeschlossen sind, bekommen wir kein Fachpersonal mehr", steht für Gicklhorn fest. Dass Hallstadt im Zentrum neu gestaltet wird, begrüßen alle vom Grundsatz her. Auch, dass mit der Verkehrsberuhigung gerade der Schwerverkehr aus der Stadt herausgehalten werden soll. Nur den Durchgangsverkehr aus den Nachbarorten, den bräuchten sie schon.

Luft nach oben sehen die Gewerbetreibenenden in der Informationspolitik der Stadt. Man würde oft zu spät über Sperrungen informiert und habe so keine Gelegenheit, Kunden mitzuteilen, wie sie jeweils zu ihnen gelangen können. "Da gehören Schilder aufgestellt", fordert Harald Stretz. Nur solche mit dem Inhalt, dass alle Geschäfte erreichbar sind, genügen den Geschäftsleuten nicht.

Trotz der Einbußen und Erschwernisse meint man, die Baustellenzeit schon irgendwie zu überstehen. Aber danach bräuchte man im Herzen Hallstadts unbedingt (baustellenbezogen) eine Verschnaufpause. "Zwei, drei Jahre", meinen Biesterfelds. "Sieben Jahre wären besser", ergänzt Stretz, "und zehn Jahre optimal", steht für Gicklhorn fest.

Sorgen ernst genommen

Was sagt Söder zu den Äußerungen des Gewerbevereins? Er nimmt sie ernst und kann ihre Sorgen verstehen, sagt er dem FT. Aus dem Gespräch habe er Anregungen mitgenommen, wie eine Ampellösung mit einspuriger Befahrbarkeit im dritten Bauabschnitt in Erwägung zu fassen. Zum Thema kurzzeitige Information entgegnet Söder, oftmals würden Fußwege im Zentrum sich alle zwei, drei Tage ändern, "die Baustelle ist immer im Wandel". Man mache zwar sehr viel, was aber nicht immer ankomme. Man habe von Anfang an kommuniziert, dass es sich um eine schwere Zeit handle. Die Ansammlung der Baustellen setze sich aus unumgänglichen wie etwa dem Marktplatz und solchen zusammen, auf welche die Stadt keinen Einfluss habe, wozu er ICE-Baustelle und Mainbrücke zählt. Dazu kämen die Auswirkungen der Sperrung in Viereth.

Was nun die Bamberger Straße betrifft, werde die Stadt sich beim Staatlichen Bauamt dafür einsetzen, dass es hier nicht nahtlos weitergeht. Fest stehe gleichwohl, dass diese Staatsstraße gemacht werden müsse.

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