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Kronach

Mehr auf regionale Produkte setzen

Im Schützenhaus fand eine Podiumsdiskussion über die Situation in der Landwirtschaft statt. Eingeladen hatte der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen.
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Wenn die Verbraucher verstärkt auf regionale Produkte setzen würden, würde das die Landwirte vor Ort stärken. Foto: Archiv/Meißner
Wenn die Verbraucher verstärkt auf regionale Produkte setzen würden, würde das die Landwirte vor Ort stärken. Foto: Archiv/Meißner
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Veronika Schadeck Grüne, Landwirte, Verbraucher - alle an einem Tisch. Darum ging es am Dienstagabend bei der Veranstaltung des Kreisverbands Bündnis 90/Die Grünen im Schützenhaus. Neben Impulsvorträgen vom Berater für Ackerbau, Thomas Gieger, und von Bioinspektor und Grünen-Kreisrat Hans Plate aus Kitzingen kamen auch die Landwirte zu Wort. Es ging dabei auch darum, einen gemeinsamen Nenner und Ideen für die Zukunft der Landwirtschaft im Landkreis Kronach zu finden. Das dies nicht leicht ist, wurde an diesem Abend deutlich.

Deutlich wurde auch, dass sich der Frust der Bauern aktuell nicht nur gegen die Verschärfung der Düngeverordnung, sondern auch gegen Preisdumping und Importkonkurrenz richtet. Außerdem wurde über zu wenig Wertschätzung geklagt. Einig waren sich die Anwesenden, dass Deutschland und der Landkreis Kronach Landwirtschaft auch künftig brauchen. Wie diese Landwirtschaft aussehen oder wie Agrarförderungen verteilt werden sollten, darüber gingen die Meinungen auseinander.

Tendenz zu größeren Betrieben

"Was Ihr im Landkreis habt, sucht seinesgleichen", lobte zu Beginn Thomas Gieger. Und dazu hätten die Landwirte einen großen Beitrag geleistet. Von den rund 700 Betrieben bewirtschafte jeder durchschnittlich 25 Hektar. Die Tendenz gehe aber hin zu größeren Betrieben zwischen 50 und 100 Hektar. Die Landwirte, so meinte Gieger, benötigen diese Größenordnung, um die entsprechenden Techniken einsetzen zu können. Er ging auch auf die Düngeverordnung ein. Seiner Meinung nach ist eine Bewirtschaftung der Felder zu 100 Prozent ohne organische Düngung nicht mehr möglich. Damit dabei nichts schieflaufe, wurden entsprechende Regelungen in der Düngeverordnung geschaffen, die bereits 2017 erneuert wurde und jetzt noch einmal verschärft werden soll. Schon bisher würden Düngebedarfsberechnungen durchgeführt, an die sich die Landwirte halten müssen. Bezüglich des Einsatzes von Glyphosat stellte er klar, dass die Landwirte in der Regel dieses weit weniger verwenden als gesetzlich erlaubt. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinke kontinuierlich. Und er stellte klar: "Wir versuchen mit weniger Düngemitteln auszukommen. Wir nehmen dafür auch Geld für Produktionstechniken in die Hand."

Keine Massentierhaltung

Wie soll die Landwirtschaft in Zukunft aussehen?, fragte Hans Plate. Sehe man in einigen Jahren nur ferngesteuerte Traktoren und keine Tiere mehr? Er sprach sich für die Abschaffung der Massentierhaltung und der Stärkung regionaler Produkte aus. Seiner Auffassung nach finde die Produktion von Lebensmitteln durch Landwirte zu wenig Wertschätzung. Plate stellte klar, dass die Landwirtschaft sich nicht über einen Vermarktungspreis finanzieren könne. Er sprach von Importen, die das Leben der Landwirte schwer machen. Er forderte einen Umbau der Agrarsubventionen, die immerhin mit 5,5 Milliarden Euro in Deutschland für Flächenprämien zu Buche schlagen. Dieses Geld komme aber oftmals bei den Bauern nicht an, da Verpächter mittlerweile 300 Euro pro Hektar an Pacht verlangen. "Statt Flächenprämien sollte es öffentliches Geld für öffentliche Leistungen geben." Eingeführt werden müssten Bio-Angebote in allen öffentlichen Kantinen. Zudem müsste die Gastronomie verpflichtet werden, Produkte von heimischen Erzeugern zu erwerben. Auch sollte es Geld für sauberes Grundwasser geben. Zudem müsste der Umbau hin zu anderen Haltungsformen mitfinanziert werden. Auf kommunalpolitischer Ebene sprach sich Plate für Gesprächsrunden zwischen Landwirten, Gastwirten und öffentlichen Betrieben aus. Außerdem sei gegenseitige Hilfe beim Austausch von Maschinen gefragt. "Wir brauchen eine Struktur, die das Dorf am Leben erhält."

Nicht so schlecht

"Ich als Biolandwirt bin bei manchen Sachen nicht ganz auf Ihrer Linie", betonte Peter Heller, der in Marktrodach einen Biohof bewirtschaftet. Er vertrat die Meinung, dass die Kulturlandschaft gar nicht so schlecht sei. "Vor 70 Jahren gab es auf dem Kreuzberg keinen Baum, keine Hecke, alles waren nur Äcker."

Hubert Diller, der einen Schweinemasthof in Glosberg betreibt, ging auf das Kaufverhalten der Verbraucher ein. Diese sollten ihr Fleisch eher beim Metzger als bei Aldi und Lidl einkaufen. Ein Bäckermeister sprach von den Schwierigkeiten, seine Produkte zu vermarkten. Sogar öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser ziehen es vor, sich ihre Semmeln von Ketten liefern zu lassen.

Kredite aufgenommen

Landwirt Benedikt Zehnter wies darauf hin, dass viele aus seiner Branche in ihre Höfe und Maschinen investiert und deshalb auch Kredite aufgenommen haben. So einfach könne man seinen Betrieb nicht umstrukturieren. Andreas Martin aus Glosberg gab zu bedenken, dass viele Landwirte Pachtflächen hätten. Nur die wenigsten Verpächter würden es zulassen, wenn ihre Flächen in Streuobstwiesen umgewandelt würden. Wenn Landwirte einen besseren Preis erwirtschaften sollten, müssen die Verbraucher auch mehr Geld in die Hand nehmen. Marcus Appel wies darauf hin, dass viele Landwirte ebenso wie er den Hof für die nächste Generation erhalten wollen. Deshalb werde auch viel investiert. "Man braucht eine gewisse Größe, um einen Betrieb am Laufen zu halten."

Er habe mit Freude vernommen, so Grünen-Stadtrat Peter Witton, dass sich der Einsatz von Glyphosat bei den meisten Bauern in Grenzen halte. Er bat die Landwirte, bezüglich des Einsatzes und gesundheitlicher Risiken sich bei neutralen Stellen zu informieren und nicht bei der Pharmaindustrie.

Ins Gespräch kommen

Für sie seien die Vorträge und die Diskussion sehr bewegend gewesen, meinte Grünen-Kreisrätin Edith Memmel. Sie bezeichnete die Veranstaltung als einen kleinen Ansatz, um mehr miteinander ins Gespräch zu kommen. Für den jungen Biolandwirt Peter Heller stand fest, dass den Landwirten viel geholfen wäre, wenn die deutschen Spielregeln auch über die Grenze hinaus gelten würden. "Dann gäbe es keine Wettbewerbsnachteile, entscheidend wäre dann die Qualität." Die Moderation der Veranstaltung übernahm Ulrich Detsch.

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